Picknick am Valentinstag

Originaltitel: Picnic at Hanging Rock
Herstellungsland: AustralienAustralien
Erscheinungsjahr:  1975
Regie: Peter Weir

Darsteller

Figur

Rachel Roberts  Mrs. Appleyard
Vivean Gray  Miss McGraw
Helen Morse  Miss De Poitiers
Anne-Louise Lambert  Miranda
Jane Vallis  Marion
Karen Robson  Irma
Margaret Nelson  Sarah
Frank Gunnell  Mr. Whitehead
John Jarratt  Albert
Ingrid Mason  Rosamund
  
Genre: Okkult, Thriller
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Inhalt


Australien im Jahre 1900, es ist der Valentinstag - Hochsommer in der südlichen Hemisphäre und somit auch im Känguruhland. Wie es bereits Tradition ist, begeben sich die Schülerinnen eines privaten Mädcheninternats zum imposanten Felsmassiv Hanging Rock, um dort das alljährliche Valentinstagpicknick abzuhalten. Entgegen der Empfehlung ihrer Lehrerin klettern vier Schülerinnen den Felsen empor um ihn näher zu erkunden. Kurz werden sie dabei von den beiden jungen Männern Albert und Michael beobachtet, letzterer fühlt sich sogleich beinahe magisch von der hübschen Miranda angezogen.
Plötzlich kehrt eines der Mädchen hysterisch schreiend zurück, von den anderen fehlt jede Spur. Die Lehrerin Miss McGraw macht sich auf die Suche und steigt ebenfalls in das Massiv, doch auch sie kehrt nicht mehr wieder.

Am nächsten Tag startet eine Suchaktion, die zunächst erfolglos bleibt. Erst Tage später finden Michael und Albert, davon überzeugt, dass die Mädchen noch am Leben sind, eine der Verschollenen, die junge Irma, die sich aber an nichts erinnern kann. Für Michael wird die Suche zur Obsession, bis auch seine Spur sich im Massiv des Hanging Rocks verliert.

Unterdessen gerät das Internat schnell in große Schwierigkeiten, denn immer mehr Eltern nehmen ihre Töchter von der Schule. Schon droht die Schließung, die finanzielle Situation wird prekär. Weil das Stipendium für die Waise Sarah nicht mehr aufgebracht werden kann, die der schönen Miranda mehr als nur in Freundschaft zugetan war und die nun befürchtet, ins Waisenhaus zurückkehren zu müssen, endet ihre Geschichte ebenfalls tragisch mit Freitod. Die Schulleiterin Mrs. Appleyard, eine ehemals strenge, aber engagierte Pädagogin, verfällt zusehends, wie ihre gesamte Lehranstalt, und auch die Französischlehrerin Miss de Poitiers leidet…

Kommentar

“What we see and what we seem are but a dream, a dream within a dream“, lässt Drehbuchautor Cliff Green die Miranda im Film sagen, und “A surprising number of human beings are without purpose, though it is probable that they are performing some function unknown to themselves,“ gibt uns das Mädchen Marion zu denken. Tjo, Phrasen, das, höre ich sie murmeln und gebe ihnen im Prinzip recht, dennoch geben sie perfekt die Stimmung dieses rätselhaften und gleichermaßen faszinierenden und meisterlich inszenierten Films wieder, der sich partout aller Erklärungen verweigert, was konsequent und vor allem weise ist, denn gäbe es eine Erklärung für die Ereignisse am mystischen Felsmassiv, dann wäre der Film jeglicher Magie beraubt.

Aber langsam mit den jungen Phrasen… ääh, Pferden! Wie sie sehen, sie sehen nichts, und doch so viel! Peter Weir, der Meisterregisseur aus Australien, auf dessen Konto so unterschiedliche wie gute bis geniale Werke wie „Die Truman Show“, „Der Club der toten Dichter“, „Die Autos, die Paris auffraßen“, „Mosquito Coast“ oder „Green Card“ gingen, schert sich nicht um konventionelle Erzählformen und baut lieber auf Stimmungen und Atmosphären, die irgendwo zwischen Schwermut und Düsternis pendeln. Das Geheimnis um die Geschehnisse am Hanging Rock – einem der Wahrzeichen Australiens, das etwa 90 km nördlich von der Metropole Melbourne gelegen ist – ist gleichermaßen auch ein Abgesang auf eine Ära. Die freudlose viktorianische Epoche ist nicht länger aufrecht zu erhalten. Die Mädchen entdecken ihre eigene Persönlichkeit, ja ihre aufkommende Sexualität bricht sich Bahn. Während sie den heißen Fels hinaufsteigen, den uns Kameramann Russel Boyd zum Teil in unwirklich anmutenden Bildern einfängt, in denen wir Fratzen und dämonische Gestalten zu erkennen glauben, ziehen die Mädchen ihre schwarzen Strümpfe aus. Unerhört zur damaligen Zeit! Doch werden sie dafür von einer höheren Macht bestraft? Fallen die Mädchen vielleicht sogar einer Sexualstraftat zum Opfer? Manches spricht zunächst dafür und wird auch im Laufe des Films nicht entkräftet, schließlich wurden sie von Albert und Michael bei ihrem „aufreizenden“ Aufstieg beobachtet, und auch die Lehrerin de Poitiers scheint ja mehr mit den Mädchen zu verbinden als das normale Schutzbefohlenen Verhältnis, andererseits aber erscheinen die immer noch ihrem Empire und seinen Regeln huldigenden Engländer als Fremdkörper in der mythischen Landschaft des fünften Kontinents und seiner Legenden um Regenbogenschlangen und die Traumzeit. Somit mögen auch vollkommen andere Mächte mit dem Verschwinden der Mädchen, die manche als beinahe heilig ansehen, in Zusammenhang stehen.

Um was für einen Film handelt es sich denn hier eigentlich, mag sich nun so manch einer fragen, junge Mädels, schwüle Stimmung, der einstweilen recht schwurbelige Panflöten-Soundtrack von Georghe Zamfir (der allerdings mitunter auch durchaus effektiv und dramatisch daherkommt und insgesamt als gelungen angesehen werden muss, zumal es speziell immer dann stimmungsvoll wird, wenn Altmeister wie Beethoven oder Bach ertönen), da mag man sich nun versucht fühlen, an den Lolita-Sex eines David Hamilton zu denken, an „Bilitis“ oder „Zärtliche Cousinen“ oder ähnlich gelagerte Streifen aus der Abteilung „Vollkommen Überflüssiges auf Zelluloid“, doch weit gefehlt! Derlei hatte Weir überhaupt nicht im Sinn, und somit geriet sein Film auch entsprechend (und beinahe erfrischend) unexplizit. Und wieder einmal kann man nur sagen, dass er auch hier alles richtig gemacht hat, denn anders wäre diese einzigartige traumwandlerische Aura, die der Film webt, gar nicht erst zustande gekommen. Trotzdem ist eine erotische Spannung den gesamten Film über nahezu greifbar, nur eben nicht sichtbar. Wer also auf reichlich nackte Tatsachen hofft, tja, Pech gehabt!

Und so bleibt schließlich die Frage im Raum: In welche Schublade soll Mensch, der das unbedingt braucht, den Film denn nun einordnen?
Nun, in den letzten Jahren wurde gern der Begriff „Mystery-Thriller“ bemüht, wenn ein Film sich um ein Geheimnis dreht, welches dem Zuschauer nicht sogleich offenbar wird, aber das erscheint mir doch irgendwie zu Pro7mäßig (wo dieser Film garantiert nie laufen wird!) Irgendwer sprach mal im Zusammenhang mit diesem Film von „Arthouse Horror“, und das empfindet der Rezensent gar nicht mal als unpassend, auch wenn er sich durchaus vorstellen kann, wie nun manch einer zusammenzuckt, aus welchen Gründen auch immer. Wer aber einen Draht zu Filmen hat, die latent surrealistisch daher kommen, die in einer Weise inszeniert sind, bei der Erfahren wichtiger als Verstehen ist (man lese hierzu bei David Lynch nach) und bei denen das Bemühen der eigenen Interpretationen unerlässlich ist, der ist beim „Picknick am Valentinstag“ goldrichtig. Wer nun aber glaubt, der Wollo berichte hier mal wieder über einen Film, in dem Waldorfschülerinnen in Walle-Walle Kleidern ihre Namen tanzen und der nur Leuten gefallen dürfte, die arte, 3sat und Eins Festival auf ihren Fernbedienungen auf die Tasten 1/2/3 gelegt haben, der geht fehl, denn Weir beherrscht auch meisterhaft die symbolische Bildsprache der typischen Okkultthriller der 1970’er Epoche, und so werden mitunter auch Erinnerungen an „Der Exorzist“ oder „Carrie“ geweckt, wenngleich auch gänzlich anders erzählt wird. Eine gewisse Verwandtschaft lässt sich im Prinzip zu Sophia Coppolas „The Virgin Suicides“ erkennen, um einen moderneren Bezugspunkt zu setzen. Der Name David Lynch fiel ja bereits, und eine vorhandene Verwandtschaft zu dessen filmischem Ausdruck ist nicht von der Hand zu weisen, denn auch seine Filme erleben sich stets wie wilde Träume. Und um die ganze Angelegenheit noch rätselhafter zu machen, möchte ich auch noch auf das Werk des anderen Davids verweisen, Cronenberg mit Nachnamen, der zwar seine Filme wiederum zum Großteil von der einen Seite aus betrachtet gänzlich anders inszeniert, auf der anderen Seite aber gar nicht mal so weit vom „Picknick“ entfernt ist, denn auch sein filmisches Kernthema war lange Zeit die Entfremdung, der Zerfall, die Zersetzung. Und ein Film wie „Dead Ringers“, der ist wiederum auch von seiner Machart gar nicht mal so weit vom Hanging Rock weg, oder doch nicht? Uff, sie sehen schon, sie werden sich den Film ansehen müssen um sich ihr eigenes Urteil bilden zu können. Gut so!

Somit sind wir nun wieder an der Stelle, an der wir das Wort Fazit schreiben und ein solches ziehen:
Peter Weir hat mit seiner vierten Regiearbeit seinen bis heute immer noch besten Film (trotz aller nachfolgenden Großtaten) abgeliefert, einen in den Bann schlagenden, düsteren, wenngleich auch gänzlich ungotischen und stattdessen sehr hell erleuchteten (Widerspruch? Nö!), klugen, mysteriösen (alp)traumhaften Streifen abgeliefert, ein verhängnisvolles Drama um ein schreckliches Geheimnis, das einige junge Menschen in einen nicht zu fassenden Abgrund reißt und in der Folge das Ende einer Ära bedeutet. Die schwül-heiße Atmosphäre wirkt hier bedrohlich, verderbend, bestimmt nicht sommerlich leicht. Das Rätsel um das Schicksal der Verschollenen wird nicht aufgelöst, der Zuschauer muss sich seinen eigenen Reim machen (und ich werde den Teufel tun, ihnen den meinen zu verraten, denn da müssen sie selber durch, sonst macht’s keinen Spaß!)
Der Film basiert auf dem Bestseller der Autorin Joanne Lindsay, die verfügt haben soll, das das Buch nach ihrem Tode um ein zusätzlichen Schlusskapitel versehen werden solle, in welchem das Verschwinden der Mädchen erklärt werde. Ich habe dieses Kapitel nicht gelesen und werde dies auch nicht tun, und ich weiß auch ehrlich gesagt nicht mal, ob denn tatsächlich das Buch in der Form jemals editiert worden ist. Ich möchte sie nicht wissen, diese vorgefertigte Lösung. So wie Peter Weir diese grandiose, dramatische und nicht selten verstörende Geschichte inszeniert hat, so muss sie sein. Alles klar? Nein? Nun, dann anschauen und denken! Höchstwertung!

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

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Veröffentlichungen

Auf dem allseits beliebten Medium DVD ist der Film bei Arthaus / Kinowelt Home Entertainment zu haben, und zwar als eigentlich geschätzter Director's Cut, doch Obacht, denn diese Version ist tatsächlich um einige Minuten kürzer als die originale Kinofasung von Weiland. Wer lieber die haben möchte, der bediene sich bei der Cinemathek Edition der Süddeutschen Zeitung.
Auf VHS war der Film mal bei der Thorn EMI und bei United Video zu haben, Kopien hiervon dürften allerdings inzwischen Seltenheitswert haben.
Blue-ray, HD, Laserdisc oder entsprechend exotischere Formate sind leider nicht zu beziehen, nicht mal in den Ländern angelsächsischer Zunge.

Filmbewertung

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