Ein Toter spielt Klavier

Originaltitel: Taste of Fear
Alternativtitel: Scream of Fear
Hurler de Peur
Herstellungsland: GroßbritannienGroßbritannien
Erscheinungsjahr:  1961
Regie: Seth Holt

Darsteller

Figur

Susan Strasberg  Penny Appleby
Ronald Lewis  Bob
Ann Todd  Jane Appleby
Christopher Lee  Doktor Pierre Gerrard
John Serret  Inspector Legrand
Leonard Sachs  Spratt, Rechtsanwalt
Anne Blake  Marie, Hausmädchen
Fred Johnson  Vater
  
Genre: Hammer-Filme, Thriller
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Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter hat die seit einem Reitunfall gelähmte und an den Rollstuhl gefesselte Penny mit ihrer besten Freundin Maggie zusammengelebt. Als diese ebenfalls stirbt (sie ertrinkt in einem See in den italienischen Alpen), ist Penny ganz auf sich allein gestellt und nimmt deshalb das Angebot ihres geschiedenen Vaters, in sein Haus an der französischen Riviera zu ziehen, gerne an. Dort wird sie von ihrer neuen Stiefmutter Jane, die sie bisher noch nie gesehen hat, herzlich, aber auch ein klein wenig distanziert aufgenommen. Auf Fragen nach ihrem Vater bekommt Penny ausweichende, widersprüchliche Antworten - er sei auf Geschäftsreise, oder er sei krank und auf einer Kur. Immer mehr wächst in ihr der Verdacht, ihr Vater sei in Wirklichkeit gestorben, aber man versuche, ihr das zu verheimlichen.
Und dann beginnen die Erscheinungen. Immer wieder sieht Penny die Leiche ihres Vaters in einem Sessel sitzen, sein Auto steht plötzlich in der Garage, aus dem Musikzimmer hört sie Klavierspiel, aber als sie das Zimmer betritt, ist es leer und das Klavier abgesperrt - und der Vater ist angeblich der einzige, der den Schlüssel hat...
Doch jedesmal, wenn Penny einen der anderen Hausbewohner bittet, mit ihr gemeinsam nachzuschauen, sind alle Spuren für das, was sie eben noch wahrzunehmen glaubte, verschwunden. Jane beginnt offen am Geisteszustand ihrer Stieftochter zu zweifeln, und auch Dr. Gerrard, Freund und Hausarzt ihres Vaters, diagnostiziert eine beginnende hysterische Paranoia. Nur Bob, der Chauffeur, ist offenbar noch bereit, ihr zu glauben, daß sie keine Wahnvorstellungen habe - und will ihr dabei helfen, die Hintergründe aufzudecken...

Kommentar

Neben den klassischen Horrorfilmen, mit denen sie berühmt wurden, produzierten die britischen Hammer-Studios immer wieder auch kleine, feine Gruselthriller. "Ein Toter spielt Klavier" ist einer der schönsten davon.

Während Hammer für seine "Dracula"-, "Frankenstein"- und sonstigen Monsterfilme seit jeher auf Farbe setzte, dachte man sich offenbar, daß für ein solches Sujet "klassisches" Krimi-Schwarzweiß angemessener wäre. Eine gute Entscheidung, dank der qualitätvollen Kameraarbeit von Douglas Slocombe ("Tanz der Vampire", "Jäger des verlorenen Schatzes"), der hier zum ersten und einzigen Mal für Hammer tätig war. Auch wenn der Film zu 90% in einer einzigen Kulisse spielt und zur Gänze in England gedreht wurde, verströmt er durch geschickte Ausnutzung der Außenschauplätze fast soetwas wie mediterranes, internationales Flair. (Dazu trägt auch die Verwendung von französischen und deutschsprachigen Textpassagen bei, auch in der Originalfassung. Die deutschen Dialoge werden mit einer Art österreichischem Akzent gesprochen, was nahelegt, daß die Anfangsszene wohl irgendwo in Südtirol spielen muß. Die gezeigten Berggipfel sind allerdings ein gekonnt eingesetztes Matte-Painting.)
Der Film spielt zwar in der Gegenwart, im Inneren der Villa fühlt man sich allerdings eher in ein victorianisches Melodram versetzt, auch aufgrund der hammer-typischen verschwenderischen und zugleich überladenen Ausstattung. Das verstärkt den klaustrophobischen Eindruck und die ausgelieferte Situation der Heldin. Ihr Angewiesensein auf den Rollstuhl und somit auf die Hilfe anderer Menschen, denen sie zugleich nicht trauen kann, wird immer wieder geschickt thematisiert. Schon zu Beginn läßt Jane einmal beiläufig fallen, daß zwar im Haus Rampen über die Stufen gelegt worden seien, damit Penny sich selbständig bewegen könne - aber nicht über die Treppe zur Eingangstür, denn die würde sie ja "wahrscheinlich sowieso nicht brauchen". So wird von Anfang subtil das Gefühl des Eingesperrtseins erzeugt.

Auch wenn er vielleicht nicht ganz deren Klasse erreicht, so erinnert "Taste of Fear" doch in vielem an einige der besseren Arbeiten von Hitchcock. Ansonsten werden Assoziationen wach an Klassiker wie "Gaslicht" (die Heldin, die langsam in den Wahnsinn getrieben wird) oder "Die Wendeltreppe" (die Behinderung der Heldin als zentrales Spannungsmoment). Jimmy Sangster, Hammers Top-Autor, hat ein geschickt aufgebautes Drehbuch geliefert, das nicht nur Sympathie für die Hauptdarstellerin weckt, sondern den Zuschauer auch bis zum Schluß rätseln läßt. Selbst wenn die eine oder andere Auflösung vorausschaubar wirken mag - spätestens den übernächsten Twist hätte man dann schon wieder nicht erwartet, und zum Schluß überschlagen sich überhaupt die Ereignisse. Für die Qualität des Buchs spricht zudem, daß der Film auch beim zweiten Ansehen nichts an Reiz verliert (nur betrachtet man ihn dann natürlich mit ganz anderen Augen!).
Über manche Logiklöcher wollen wir einmal großzügig hinwegsehen (wer erwartet schon Logik von Hammer?), außerdem bleiben immer noch ein paar nicht verknüpfte Fäden am Schluß. Wem gehört z.B. nun wirklich die Stimme am Telefon? Auch die Methoden, um den - naja, das wollen wir jetzt nicht verraten - , sind bei Licht betrachtet schon verdammt kompliziert und aufwendig, man fragt sich durchaus, wie manches so schnell bewerkstelligt werden konnte. Und auch die Topografie gibt ein paar Rätsel auf - der Swimmingpool, von außen kaum größer als ein Bettlaken, ist unter Wasser so ausgedehnt, daß es zwei Tauchgänge braucht, um ihn vom einen zum anderen Ende zu durchqueren!
Apropos Swimmingpool - während Hammer ja sonst gerne hübsche junge Mädchen in leicht bekleidetem Zustand präsentierte, ist es diesmal der Abwechslung halber ein junger Mann, der sich den Augen der (Damen-)Welt mit nichts am Leib als einer Badehose zeigen darf. Vielleicht betrachtete man für diese Art von melodramatischem Thriller eher Frauen als das vorrangige Zielpublikum, während der typische Monsterfilmfan männlichen Geschlechts war?

Auch wenn es den Figuren vom Drehbuch her gelegentlich doch etwas an Tiefe fehlt, machen das die Schauspieler mehr als wett, alle vier Hauptdarsteller zeigen sensible Charakterstudien, was bei Hammer ja nicht immer so ganz der Fall ist (aber hier hatte Sangster ja auch Zeit, dem Innenleben seiner Figuren mehr Raum zu geben, als bei den meisten Horror-Filmen des Studios möglich).
Susan Strasberg (Lee Strasbergs Tochter - leider nie ganz das Riesentalent, als das ihr Vater sie gern gesehen hätte) liefert hier doch eine ihrer ansprechendsten Leistungen, zugleich zerbrechlich und doch erfüllt von einer inneren Stärke - ihre Penny hat sich mit ihrem Schicksal als Behinderte abgefunden und tut alles, um selbständig zu bleiben, sich nicht in Abhängigkeit drängen zu lassen.
Zudem empfiehlt Susan Strasberg sich gleich mehrmals als Scream-Queen - worauf auch die Werbung zu dem Film aufbaute. Auf dem Plakat war lediglich die kreischende Penny zu sehen, mit dem Hinweis, daß weitere Bilder aus dem Film unmöglich gezeigt werden dürften. Dem Horrorgenre blieb Strasberg auch weiterhin treu, mit Streifen wie "Der Manitou" oder Dan Curtis' "Frankenstein".
Unterstützt wird sie von soliden Leistungen von Ann Todd, der dritten Ehefrau von David Lean (Hitchcocks "Der Fall Paradin") und Ronald Lewis ("Der unheimliche Mr. Sardonicus").
Christopher Lee hat eine nicht allzu große, aber sehr schöne Nebenrolle als Arzt (und immerhin zumindest noch mehr Text als in sämtlichen seiner "Dracula"-Filme!). Bis zum Ende bleibt unklar, ob er jetzt eher zu den Bösen oder doch zu den Guten zählt. Trotz seiner Erfolge als Frankensteins Monster, Dracula und Mumie betrachtete Hammer Lee damals noch immer nicht als Star und setzte ihn immer wieder als Supporting Actor in den verschiedenartigsten Nebenrollen ein. Das hatte allerdings den Vorteil, daß Lee nicht zu früh durch einengendes Typecasting auf ein beschränktes Rollenspektrum festgelegt war - er ist bis heute wohl der Horrorstar mit der größten schauspielerischen Bandbreite geblieben, der vom romantischen Helden bis zum Monster alles spielen konnte und auch gespielt hat.
Interessanterweise trägt Lee hier übrigens denselben Rollennamen wie im ebenfalls von Jimmy Sangster geschriebenen Den Tod überlistet, ansonsten haben die beiden Figuren aber nichts miteinander zu tun.
Die eindrucksvollsten Auftritte in "Ein Toter spielt Klavier" hat allerdings Fred Johnson ("Dracula und seine Bräute") - auch wenn er, der Natur seiner Rolle gemäß, nicht allzuviel zu tun hat...

Der Regisseur, Seth Holt, galt als große britische Regiehoffnung, hat diese Erwartungen allerdings nie so ganz erfüllt. Er hatte allerdings auch nicht allzuviel Zeit dazu - noch während der Dreharbeiten zur Hammer-Produktion "Das Grab der blutigen Mumie" starb er an einem Herzanfall. Er legte immer mehr Wert auf Atmosphäre als auf Action, auch in "Ein Toter spielt Klavier" ist seine Handschrift deutlich zu spüren.
Über dem ganzen Film liegt eine melancholische, traurige Grundstimmung - die sogar nach der Schlußauflösung nicht gänzlich verfliegt. Denn auch wenn wir am Ende zu wissen glauben, wer hier die "Guten" und wer die "Bösen" waren - so fällt es doch schwer, die Schuldzuweisungen so einfach festzulegen. Ein gewisses moralisches, im positiven Sinn "unbefriedigendes" Dilemma bleibt bestehen.
Bemerkenswert ist vielleicht noch der sensible Einsatz der Musik. In manchen Sequenzen fehlt die musikalische Untermalung sogar völlig, etwa in der Swimmingpool-Szene oder in der Anfangsszene am See. Hier wird Spannung allein durch die bewußte Verwendung von Sound-Atmo erzeugt - Naturgeräusche, Wasserplätschern, Vogelzwitschern, das reicht schon, um akustisch das Gefühl des Bedrohlichen zu erzeugen.

Wer auf atmosphärisch dichte, unblutige Gruselkrimi-Spannung steht, ist mit "Ein Toter spielt Klavier" jedenfalls gut bedient. Vielleicht kein großer Klassiker - aber ein kleiner wohl schon...

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film erscheint am 5. Februar 2009 bei Sony Pictures Home Entertainmant auf DVD.
Auf Super 8 ist er bei Piccolo Film und bei Revue Film als 120 m Schnittfassung erschienen.

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Weitere Kommentare zum Film

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Hammerfan1, 16.05.10
Ein kleines Meisterwerk, ohne Frage. Die Werbestrategie, nur ein einziges Foto, nämlich das der auf dem Plakat schreienden Susan Strassberg, zeigen zu dürfen, hat seine Wirkung kaum verfehlt, denn mit solchen und ähnlichen Mitteln waren die Leute seinerzeit noch zu beeindrucken. Darüber würde man heute sicher nur lachen. Aber der Film ist wirklich sehr gut und gehört bei Hammer absolut in die Top Liga. Auch die Darsteller unter Seth Holt's Regie geben ihr Bestes. Christopher Lee ist natürlich wie immer gut, aber in diesem Fall stiehlt im eindeutig die Tochter vom berühmten Lee Strassberg, Gründer der "Actor's Studios", Susan Strassberg, die Show. So einen mit kleinen Mitteln, guten Schauspielern und einem tollen Drehbuch ausgestattetem Film gibt es heute wohl nur noch äußerst selten. Respekt
 
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