Trapped Ashes
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Inhalt
Episodenfilm mit einer Rahmenhandlung und vier einzelnen Episoden, jeweils von einem anderen Regisseur inszeniert.
Rahmenhandlung (Regie: Joe Dante): Einige Personen sind auf merkwürdige Weise zu Eintrittskarten für eine Besichtigungstour durch ein Hollywood-Studio gekommen. Während der Tour fahren sie an der Kulisse zu einem bekannten Horrorfilm mit dem Titel "Hysteria" vorbei. Obwohl der Tour-Guide behauptet, dieses Objekt sei nicht zu betreten, verlangen die Gäste, das Haus (das an bißchen an die Bates-Villa in "Psycho" erinnert) zu besichtigen. Sie werden eingelassen, der Guide warnt noch, einige der Special Effects seien eventuell noch funktionsfähig - und schon ist es passiert: Die Türen lassen sich nicht mehr öffnen, und von innen ist das Haus ein wahres Labyrinth. Die Studiotouristen sind in der Kulisse gefangen. Da kommt der Führer auf die Idee, doch einfach die Story des Films "Hysteria" nachzustellen, schließlich hätten sich die Filmfiguren damals ja genauso wieder zu befreien versucht. Er fordert also die Anwesenden auf, alle nacheinander jeweils eine Horrorgeschichte zu erzählen - aber diese Geschichte muß real passiert sein...
The Girl With Golden Breasts (Regie: Ken Russell): Phoebe ist eine erfolglose Schauspielerin in Hollywood. Zur Hebung ihres Marktwerts entschließt sie sich zu einer Brustvergrößerung. Sie landet in einer Schönheitsklinik, wo der Chefarzt Dr. Larry ihr sein revolutionäres neues System erläutert: statt Silikonimplantaten wird hier ausschließlich echtes Brustgewebe von Toten verwendet. Phoebe ist nicht ganz wohl bei diesem Gedanken, aber Karriere geht über alles, also willigt sie ein. Zuerst scheint alles gut zu gehen, Phoebe ist begehrt wie nie zuvor - aber dann stellt sie fest, daß ihre neuen Brüste ein Eigenleben entwickeln. Sie wollen Blut! Phoebe ist auf einmal mit einem Paar äußerst hungriger Vampirtitten ausgestattet...
Jibaku (Regie: Sean S. Cunningham): Julia fährt mit ihrem Mann, dem Architekten Henry, nach Japan. Eigentlich sollte es ein Erholungsaufenthalt zur Auffrischung der Beziehung sein, aber kaum angekommen, knüpft Henry sofort neue Geschäftskontakte und hat wieder einmal kaum Zeit für seine Frau. Die frustrierte Julia lernt den charismatischen Japaner Seijin kennen, der sie fasziniert. Vor einem Gemälde, das sie gemeinsam betrachten, hat sie plötzlich eine Vision, sie fühlt sich in das Bild hineingezogen. Am nächsten Tag geht Julia mit Henry einen japanischen Tempel besichtigen - im Park entdeckt sie Seijin, erhängt. Und in der Nähe befindet sich ein Höhleneingang, der genauso aussieht wie auf dem Bild, das sie gestern gesehen hat. Wie sich herausstellt, war Seijin ein Mönch des Ordens, dem dieser Tempel gehört. In der Nacht hat Julia sehr realistische Träume - Seijin kommt sie besuchen, sie hat Sex mit seiner langsam unter ihren Händen zerfallenden Leiche. Und das ist erst der Anfang...
Stanley's Girlfriend (Regie: Monte Hellman): Leo, der sich als Drehbuchautor diverser B-Filme einen Namen gemacht hat, war in seiner Jugend mit einem äußerst begabten Regieanfänger namens Stanley befreundet. Er verliebt sich in Stanleys neue, erotisch äußerst provokante Freundin Nina. Als Stanley nach Europa abreist, um neue Projekte vorzubereiten, beginnen Leo und Nina ein Verhältnis. Aber wie sich später zeigt, ist Stanley, als er davon erfährt, gar nicht so sauer darüber. Denn er weiß schon, was Leo erst viel später herausfindet: Nina ist nicht nur ein Vamp, sondern auch ein Vampir...
My Twin, the Worm (Regie: John Gaeta): Nathalie erzählt von ihrer Geburt: Durch den Verzehr von verdorbenem Fleisch holt sich die schwangere Martine einen Bandwurm. Das Mittel, um den Bandwurm zu töten, würde aber zugleich den Embryo gefährden, also muß sie den Wurm im Körper behalten. Schon im Mutterleib geht Tochter Natalie eine symbiotische Verbindung mit dem Wurm ein. Eine Bindung, die vielleicht ein bißchen zu weit geht - für Natalie bleibt der Bandwurm ihr Leben lang eine Art Zwilling...
Kommentar
Die Gattung des Episodenfilms führt immer ein bißchen ein Nischendasein im weiten Land des Horrorfilms. Ihre Blütezeit hatte sie in den 70ern, als die britische Firma Amicus mit einer Reihe von Episodenfilmen erfolgreich versuchte, dem Marktführer Hammer Paroli zu bieten - darunter fanden sich Klassiker wie "Die Todeskarten des Dr. Schreck", "Totentanz der Vampire", "Geschichten aus der Gruft" oder "Asylum".Später gab es dann noch Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde von George Romero (1982) oder die Spielberg-Produktion "Unheimliche Schattenlichter" (1983), so wie "Trapped Ashes" auch schon von mehreren Regisseuren inszeniert. Inzwischen ist es um das Subgenre allerdings recht ruhig geworden.
Nun versuchte Dennis Bartok, professioneller Filmfan (Leiter der American Cinematheque und etlicher historischer Programmkinos) mit japanischer Hilfe (ein großer Teil des Films wurde im Studio in Tokio gedreht) diese Tradition in Form einer Hommage wiederaufleben zu lassen, und fungierte dabei selber sowohl als Produzent wie auch als Drehbuchautor sämtlicher Episoden.
"Trapped Ashes" vereinigt in sich sämtliche Stärken und Schwächen, die typisch für das Subgenre sind und sich bei den meisten klassischen Vertretern finden lassen.
Die Schwächen: Selten gelingt es, die Rahmenhandlung befriedigend mit sämtlichen Episoden zu verknüpfen. Bei manchen Episoden ist der Rahmen offensichtlich nur Aufhänger, ohne inhaltliche Verbindung zur jeweiligen Story. Im Fall von "Trapped Ashes": Während die 1. und die 3. Geschichte mit dem Filmbusiness zu tun haben und so zur Rahmenhandlung (der Besichtigung des Filmstudios) passen, fehlt bei der 2. und 4. Geschichte dieser Bezug völlig.
Auch die Logik läßt diesbezüglich oft zu wünschen übrig. Im vorliegenden Film: Wieso können erwachsene Menschen ernsthaft glauben, sich durch das gegenseitige Erzählen intimster Erlebnisse (die zum Teil nicht einmal der Lebenspartner vorher wußte) aus einer solchen Lage befreien zu können, nur weil ein, bei genauer Betrachtung reichlich senil wirkender, Tour-Führer diesen Vorschlag macht? Und wie kommt es, daß zufällig alle Anwesenden tatsächlich ein reales Horror-Erlebnis auf Lager haben? (Ok, wie sich am Schluß zeigt, scheinen ja die Tourteilnehmer nicht ganz zufällig zusammengewürfelt zu sein - aber auch diese Erkenntnis schließt beileibe nicht sämtliche Logiklöcher.)
Und die dritte Schwäche: natürlich ist ein Film wie dieser selten qualitätsmäßig aus einem Guß - es gibt stärkere und schwächere Episoden...
Und nun zu den Stärken: tja, es gibt eben schwächere und stärkere Episoden!
Bei Filmen dieser Art ist meist für jeden Geschmack etwas dabei. Wer sich bei der einen Story langweilt, kann sich währenddessen schon auf die nächste freuen, und die Geschmäcker sind ja höchst unterschiedlich.
Ein weiterer Vorteil: da die einzelnen Episoden immer recht kurz sind, sind Regie und Drehbuch nicht an die Verpflichtung gebunden, eine Idee auf Spielfilmlänge zu strecken. Auch etwas krudere Einfälle, die zwar originell sein mögen, aber vielleicht nicht für eine abendfüllende Laufzeit ausreichen würden, haben so eine Chance, das Licht der Kinoleinwand (bzw. des Fernsehschirms) zu erblicken.
Erstaunlich bei "Trapped Ashes" - obwohl sämtliche Stories aus der Feder eines einzigen Autors stammen, könnten sie stilistisch doch nicht unterschiedlicher sein. Eine interessente Chance, einmal zu beobachten, wie groß jeweils der künstlerische Anteil von Regie bzw. Buch beim Entstehens eines Films ist!
Zu den einzelnen Episoden:
Die Rahmenhandlung beginnt stark, läßt dann aber mit der Zeit, sobald die Figuren gemeinsam in einem Raum eingesperrt sind, schon etwas zu wünschen übrig. Inszeniert wurde sie von Joe Dante (Das Tier), der ja auch schon sein Scherflein zu "Unheimliche Schattenlichter" beigetragen hat und somit mit der Funktionsweise von Episodenfilmen vertraut sein müßte. Hier ist allerdings recht wenig von seinem skurrilen Humor zu spüren, das kommt ein bißchen konservativ daher und beschränkt sich in erster Linie darauf, Hommage zu sein - was dem Film tatsächlich das Feeling verleiht, direkt aus den Siebzigern oder Achtzigern zu stammen.
Die nächste Episode wirkt eigentlich viel "dantesker", stammt aber in Wirklichkeit von Ken Russell, allerdings so witzig und entspannt, wie man es selten von ihm gewohnt ist. Sehr skurril das Ganze, eine böse Satire auf Hollywood und die Schönheitsindustrie. Ganz neu ist die Idee natürlich nicht, das mit den Gliedmaßen, die sich selbständig machen, gab es schon in der Stummfilmzeit bei "Orlaks Hände". Die Grundidee scheint eine Variante von Cronenbergs "Rabid" zu sein - hier wie dort führt eine Operation in einer Schönheitsklinik mit noch nicht ausreichend getestetem Gewebe dazu, daß bei der Patientin ein vampirhaftes neues Organ wächst. Das Motiv der Mammophobie (Angst vor der weiblichen Brust) taucht bei Russell ja immer wieder einmal auf, so litt etwa schon Percy Shelley in "Gothic" an der fixen Idee, von weiblichen Brustwarzen beobachtet zu werden. Sehr schräg auch die Szene im "Chirurgen-Ersatzteillager", mit einem schön absurden Cameo des Regisseurs als Transe. Für mich die originellste Episode des Films. Tja, Brüste sind zum Saugen da...
Die zweite Geschichte (die japanische Episode) überzeugt vor allem durch ihre labyrinthische Erzählweise, und durch die erstaunliche Mix-Optik, immer wieder wird die Filmhandlung durch Einschübe von mangaartigen Zeichentricksequenzen weitergeführt, man kann das verwirrend oder störend empfinden, mir persönlich hats ganz gut gefallen. Stark in dieser Episode auch die makabre Sexszene mit der Leiche! Überhaupt ist die Beschäftigung mit eher abartigeren Formen der Erotik sowas wie ein Leitmotiv, das sich durch alle Episoden zieht.
Die dritte Episode ist (in meinen Augen - aber wie gesagt - Geschmäcker sind verschieden) die schwächste von allen. Wäre nicht die halbwegs gelungene Vierziger-Jahre-Nostalgie-Stimmung, samt passendem jazzigem Soundtrack, gäbe es nicht viel Spannendes zu vermelden. Sowohl erotisch wie auch vom Horror-Faktor her ist "Stanley's Girlfriend" sehr zahm geblieben - die "Schlußpointe", daß Nina sich als Vampir entpuppt, ist im Prinzip schon ziemlich von Beginn an klar. Den größten Reiz zieht diese Episode daraus, daß die Figur des "Stanley" unschwer erkennbar (natürlich nur, wenn man genug Hintergrundwissen hat - ich habs beim ersten Sehen zugegebenermaßen selbst auch nicht mitgekriegt) auf Stanley Kubrick gemünzt ist. Eine ganze Reihe biografischer Anspielungen wurde hier verarbeitet, inklusive der geheimnisvollen Geliebten, mit der Kubrick liiert war, bevor er nach Europa ging, um dort "Paths of Glory" zu drehen.
Die rätselhafte vierte Episode, "My Twin, the Worm", bringt den Film dann wieder atmosphärisch auf die Höhe. Tierhorrorfreunde werden sich vielleicht besonders freuen, wie oft hat man schon einen Bandwurm im Mittelpunkt eines Horrorfilms, die konkreten Aktionen des Tiers sind allerdings recht spärlich bemessen. Die obsessive Identifikation des Mädchens mit dem Wurmzwilling hat etwas von Cronenberg, die greifenden, schwankenden Bäume wiederum erinnern optisch von ferne an Tim Burton, manchmal mußte ich auch an Greenaway denken. Die Bildsprache ist überhaupt ziemlich außergewöhnlich - ein gelungenes Regiedebüt, der Regisseur ist bisher nur als Special-Effects-Mann tätig gewesen (etwa für die "Matrix"-Filme), aber man wünscht sich mehr von ihm zu sehen.
Noch ein Wort zu den Schauspielern - große Namen sind hier nicht zu vermelden, außer vielleicht John Saxon (Argentos "Tenebrae", "Nightmare on Elm Street"). Henry Gibson spielt einen erfreulich skurrilen Tour-Guide, auch die Damen Veltri und Harris wissen (in den Hauptrollen der Episoden 1 und 2) zu gefallen, die männlichen "Helden" agieren dagegen großteils eher steif. Einen (leider sehr kurzen) Cameo hat auch noch Joe-Dante-Regular Dick Miller als Torwächter.
Persönlich war ich noch sehr von der Originalmusik von Kenji Kawai angetan!
So, das wars jetzt - also, alles in allem, mich hat manches angesprochen, manches nicht, wer Episodenfilme mag, sollte auch bei diesem einen Blick riskieren, wer mit dem Genre sowieso nichts anfangen kann, wird auch durch "Trapped Ashes" nicht bekehrt werden. Wie gesagt - alles subjektiv (so wie auch die unten vergebenen 4 Punkte - die gelten für die zweieinhalb in meinen Augen gelungenen Episoden, den Rest habe ich eher ignoriert. Der Film im Ganzen gesehen würde wohl eher nur 3 Schädel verdienen).
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
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| Wollo, 22.07.09 |
| Na ja, hab zwar schon besseres aus der Kurzwarenabteilung gesehen, aber als Hommage an die guten alten Tage dieser Filmgattung - hierbei weniger an die schönen alten Amicus Streifen als vielmehr an die amerikanischen "Creepshows" und Konsorten - funktioniert der Film ganz gut. Tatsächlich ist die Rahmenhandlung, wie eben meistens in diesem Subgenre, ziemlich bescheiden, aber auch das gehört irgendwie dazu. Die letzten beiden Episoden befand ich für eher schwach, auch wenn die bizarre Story mit dem Bandwurm nicht unoriginell war, so wurde sie dennoch lahm und verwirrend (sollte wohl irgendwie "abgefahren" rüberkommen, hat aber nicht recht funktioniert) umgesetzt. "Stanley's Girlfriend" war im Prinzip auch nicht sooo schlecht, aber der Schlusstwist war reichlich vorhersehbar, da stimme ich Seward zu. Die beiden ersten Episoden hingegen hatten es in sich. Ken Russels Bizarro Geschichte um die "saugenden Brüste" ist überaus gelungen und erst recht Cunninghams Episode "Jibaku", wobei die Story hierbei selbst einen abendfüllenden Spielfilm hätte tragen können. Insgesamt hat der Film schon Spaß gemacht, und man hat ihm auch angemerkt, dass die Leute, die ihn gemacht haben, Spaß bei der Umsetzung hatten. Ach ja, die Darsteller, die müssen hier wirklich nicht unbedingt über den grünen Klee gelobt werden, speziell die Herren nicht, wie ich völlig zustimme. So richtig überzeugt hat mich eigentlich nur Lara Harris in der "Jibaku" Episode mit ihrer mutig erotischen Performance und gekonnter Dramatik. Insgesamt aber okayer Film für den bierseligen Videoabend, nicht mehr, nicht weniger! |
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