Bram Stokers Draculas Gast
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Inhalt
Der junge Bram Stoker ist in Elizabeth verliebt, aber deren Vater, Admiral Murray, ist gegen die Verbindung und erlegt dem Liebespaar eine Auszeit von einem Jahr auf, währenddessen sie sich nicht sehen dürfen - erst wenn die Liebe dann immer noch hält, wäre er bereit, eventuell seinen Segen zu geben. Elizabeth rebelliert, Stoker akzeptiert.
Die Immobilienfirma, für die Bram arbeitet, hat gerade einen eigenartigen Kunden zu betreuen: Einen transsylvanischen Grafen namens Dracula, der ein Haus sucht, um sich in London anzusiedeln. Als Elizabeth dem väterlichen Druck zu entfliehen versucht, ändert Dracula aus irgendwelchen Gründen kurzentschlossen seine Pläne und entführt das Mädchen auf seine transsylvanische Burg. Hier kerkert er sie in einer unterirdischen Höhle ein, raubt ihr die Unschuld und pflanzt ihr seinen Samen des Bösen ein. Bram eilt zur Hilfe, kann aber gegen den Grafen nicht bestehen.
Doch glücklicherweise stellt sich heraus, daß Elizabeths Vater eigentlich Abkömmling einer Familie unsterblicher Vampirjäger ist, der zudem mit Dracula auch noch ganz persönlich ein altes Hühnchen zu rupfen hat - auch er wirft sich in die Kutsche und braust gen Osten, um mit dem Vampirfürsten die Klingen zu kreuzen...
Kommentar
Manchmal gibt es Filme, die machen den Rezensenten richtig glücklich.Dafür kann es verschiedenste Gründe geben - einer davon wäre folgender: Meist bereitet ja die endgültige Wertung ziemliches Kopfzerbrechen. Soll man dem Streifen jetzt drei oder vier Punkte (bzw. Schädel, Fledermäuse oder was auch immer) verleihen - oder eventuell doch nur zwei? Solche Überlegungen können einen gelegentlich die ganze Nacht lang wachhalten, schließlich gilt es, die perfekte Waage zwischen persönlichem Eindruck und objektiver Einschätzung, die allen Aspekten eines Films gleichermaßen gerecht wird, zu finden.
Aber manchmal, wie gesagt, taucht auch ein Film auf, da entfallen all diese Abwägungen und Gewissenszweifel - weil die Bewertung sonnenklar ist, vollkommen zweifelsfrei auf der Hand liegt, schon ab der ersten Sekunde nach Absolvierung des Abspanns.
Ein solcher dieserart rezensentenbeglückender Film ist "Dracula`s Guest".
Aber halt - nein - so leicht ist es denn leider doch nicht...
Denn da das Bewertungssystem dieser Seite "www.die-besten-horrorfilme.de" bedauerlicherweise partout keine Nuller-Wertung zuläßt - wie läßt sich dann bloß jener eine, mindestens zu vergebende Punkt (aka Schädel) rechtfertigen??
Weil die ersten ca. 10 Minuten noch beinahe sowas wie vielversprechend ausgeschaut haben, bevor das Ding endgültig den Bach runtergegangen ist? Aber nein, das war ja eigentlich grobe Irreführung des Konsumenten - wirkt sich insofern sogar strafverschärfend aus!
Also gut - einen halben Schädel wollen wir einmal an die Kamera vergeben - in Anbetracht der Umstände gelingen hin und wieder doch zumindest halbwegs ansprechende Bilder.
Nun - und den zweiten halben Schädel bekommt "Dracula's Guest" für seine bewunderungswürdige Konsequenz: Dieser Film ist in allen Belangen ein ernsthafter Anwärter auf den Ehrentitel "Schlechtester Vampirfilm aller Zeiten"!
Die Schauspieler, bis auf wenige Ausnahmen, sind so hölzern, daß man damit ein ganzes Blockhaus zimmern könnte. Besonders tut sich da ein gewisser Wes Ramsey hervor, der auch in Brotherhood of Blood schon sein Wesen getrieben hat.
Und dieser Dracula...
Gegen einen übergewichtigen Dracula wäre ja prinzipiell erst einmal nicht unbedingt etwas einzuwenden (und ich bin der erste, der bereit wäre, jede Lanze für Lon Chaney jr. in Draculas Sohn zu brechen) - aber da fehlts doch auch sonst noch so an einigem! Andrew Bryniarski war "Leatherface" in der "Texas-Chainsaw-Massacre"-Neuverfilmung. Prädestiniert die Verkörperung eines geistesgestörten Killers mit Motorsäge einen Schauspieler tatsächlich zur glaubhaften Darstellung des Königs der Vampire? Der Regisseur meinte ja, der Rezensent schreit nein! Dabei sind die ersten zwei, drei Szenen von Dracula noch nicht einmal so übel - aber (siehe oben): Irreführung des Publikums! Spätestens ab der vierten Szene im Schloß, sobald ihm endlich seine Hauer gewachsen sind, versucht Bryniarski sich an so etwas wie einem ausgefeilten Finger- und Handspiel im Stil von Lugosi oder gar Nosferatu. Aber nicht nur, daß ein solches Unterfangen schon angesichts des Fingerumfangs in diesem Fall recht waghalsig erscheint, sollte man seine Gestik doch zumindest halbwegs präzise beherrschen, um die entsprechende Wirkung zu erzielen. Bryniarski allerdings fuchtelt die meiste Zeit nur unkontrolliert herum, das wirkt nie bedrohlich, sondern eigentlich bloß verzappelt und lächerlich (und ist außerdem für etliche Schnitt-Anschlußfehler verantwortlich). Wäre er doch bei seiner Kettensäge geblieben!
Oberpeinlich ist auch der miserabel choreografierte Schluß-Fechtkampf zwischen Admiral Murray und Dracula (aber hoppla, les ich da tatsächlich gerade in der imdb-Vita, daß Murray-Darsteller Dan Speaker angeblich als einer der Top-Fechtmeister im Hollywoodkino gilt?? Kann sich eigentlich nur um eine Verwechslung handeln...)
Und sonst, was erwartet den geneigten Zuschauer noch an weiteren Gustostückerln?
Da wären z.B.:
Eine Figur namens Bram Stoker, die mit dem echten Bram Stoker nicht das geringste zu tun hat (in jedem anderen vergleichbaren Film hätte diese Figur den Namen Jonathan Harker getragen).
Eine Story, die mit der Original-Story von Bram Stoker so gut wie nichts zu tun hat. (Abgesehen von einer Szene, die auf einem Friedhof zur Walpurgisnacht spielt, wo Stoker, im Original Harker, von etlichen Vampirdamen sowie Wölfen angegriffen wird, genauer gesagt, einem Wolf, noch genauer gesagt, eigentlich einem Dobermann...) Und apropos, wer ist denn nun eigentlich "Draculas Gast" in diesem Film? Elizabeth etwa, das Vergewaltigungsopfer im Keller?
Dann hätten wir da eine recht lange Dialogszene ganz zu Beginn des Films, die dem Regisseur offenbar so gut gefallen hat, daß er sie gegen Ende noch einmal in voller Länge in sein Werk eingebaut hat - wir dürfen uns also zweimal an den tragischen Ergüssen der getrennten unglücklichen Liebenden erfreuen (und uns fragen, warum sie nicht einfach die Bretter herausreißen, um wieder zusammenzukommen, denn das trennende Gitter besteht ganz offensichtlich nur aus dünnen, notdürftig zusammengeschraubten Holzleisten).
Freuen kann man sich auch auf folgende absurde Szene: Mitten in der Pampa, irgendwo in Frankreich. Stoker klopft bei einer heruntergekommenen Hütte an und fragt nach dem Weg zum Bahnhof Richtung Slowakei (!). Daraufhin machen die Hüttenbewohner aus unerfindlichen Gründen Jagd auf den Fremden. Stoker kann sich aber mühelos einer zehnfach überlegenen Menge erwehren und seine Reise fortsetzen. Warum haben sie ihn überhaupt angegriffen? Dracula nimmt später für sich in Anspruch, auf diese Weise einen Anschlag auf Stokers Leben versucht zu haben. In Wahrheit ist die Szene wohl eher eine Anspielung auf eine weitere Story von Bram Stoker mit dem Titel "Rattenbegräbnis". Das wird aber erst wirklich im Abspann klar, wenn die Hüttenbewohner als "Rattenleute" bezeichnet werden.
Apropos Geografie: irgendwo in Osteuropa, mitten im tiefsten Wald, stockfinstere Nacht, ein schmaler Fahrweg, eine unscheinbare Weggabelung. Stoker (im Brustton der Überzeugung): "Aber Kutscher - dieser Weg führt doch nach Rumänien!"
Apropos Kutsche: offenbar gibt es in der ganzen Gegend (also so ca. zwischen London und Transsylvanien) insgesamt nur ein oder zwei Kutschen, wie anders wäre es zu erklären, daß Admiral Murray genau dasselbe Gefährt benutzt wie sein Widersacher Graf Dracula (an der Polsterung zu erkennen - nur der Kutscher ist ein anderer)?
Apropos Fahrgelegenheiten: Auf der Flucht vor ihrem Vater versucht Elizabeth, London mithilfe eines Zuges der "Western Pacific" zu verlassen... (kein Wunder, daß sie stattdessen in Transsylvanien landet - da helfen auch die eingeblendeten Landkarten nicht viel).
Apropos Transsylvanien: Draculas Schloß ist eine Nummer für sich - die ganze Zeit habe ich gerätselt, ob es sich dabei eher um die Schalterhalle einer Bank (mit Schließfächern an den Wänden) oder um eine Art Mausoleum handelt (dann wären die Fächer wohl für Urnen gedacht). Jedenfalls gibts elektrischen Strom, die Steckdosen sind deutlich zu erkennen.
Apropos Segnungen der Technik: kurz bevor Dracula Elizabeth vergewaltigt, hält er erst einmal einen langen (und überraschenderweise fast wörtlich aus Stokers "Dracula" zitierten) Monolog über seine grandiosen, kriegerischen Ahnen. Worauf Elizabeth, äußerst passend für die Situation, mit einem ebenso langen Monolog über die Vorzüge des industriellen Zeitalters kontert! Wer braucht da noch Pfefferspray??
Alle übrigen exquisiten Details bitte ich den geneigten Leser, doch selber persönlich in Augenschein zu nehmen. (Jegliche Haftung für eventuelle psychische Spätschäden nach Konsumation von "Dracula's Guest" ist jedoch dezidiert ausgeschlossen!) Dieser Film ist - unglaublich!
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Sunfilm Entertainment auf DVD erschienen.
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Delictum - Im Namen des Herrn
Stand: 18.05.2012 01:45:43
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