Lost Boys 2: The Tribe
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Inhalt
Nach dem Tod ihrer Eltern ziehen die Geschwister Chris und Nicole Emerson in das kleine, eher abgefuckte Surferstädtchen Luna Bay. Nachts regiert hier eine Horde von Surf-Vampiren, verbreitet Angst und Schrecken, killt gelegentlich sogar Artgenossen, schmeißt aber auch coole Partys. Der Obervampir, Shane Powers, macht sich an Nicole heran - nachdem sie (unwissentlich) von seinem Blut getrunken hat, verwandelt sie sich selbst in einen Halbvampir. Chris sucht Hilfe bei dem etwas eigenwilligen Edgar Frog, einem selbsternannten Vampirjäger. Der erklärt ihm, es gäbe noch eine Möglichkeit, seine Schwester zu retten: der Obervampir muß vernichtet werden, bevor Nicole die Gelegenheit hatte, selber zum ersten Mal Blut zu trinken. Aber um Shanes Zufluchtsstätte ausfindig zu machen, gibt es nur einen Weg: Chris muß sich selber in die Vampir-Gang aufnehmen lassen...
Kommentar
Regisseur P. J. Pesce hatte vor ein paar Jahren den undankbaren Job, die dritte Fortsetzung zum Vampir-Kultfilm From Dusk Till Dawn zu drehen, nachdem "From Dusk Till Dawn 2 - Texas Blood Money" ja recht desaströs gescheitert war - und hat sich mit "From Dusk Till Dawn 3 - The Hangman's Daughter" eigentlich ganz anständig aus der Affäre gezogen, besonders die erste Hälfte, im Stil einer Italo-Western-Hommage gedreht, macht ziemlich Laune. Nun also übertrug man ihm das Sequel zu einem weiteren Vampir-"Klassiker": "The Lost Boys" von 1987, der ja in etlichen Fankreisen nach wie vor so was wie Kultstatus genießt. Die Erwartungen waren insofern recht hoch, immerhin sind seit dem ersten Film über 20 Jahre vergangen.Genaugenommen ist "Lost Boys 2: The Tribe" aber gar keine Fortsetzung von "The Lost Boys", sondern eher eine Art Remake. Die Handlung wird aus den 80ern in die 00er-Jahre verlegt, ansonsten erzählt der Film eigentlich noch einmal ziemlich exakt die gleiche Geschichte.
Natürlich gibts Unterschiede. Statt quietschbunter 80er-Bonbonfarben überwiegt eher die heute modische tristgraue Farbgebung. Statt daß ein Bruder auf den andern aufpaßt, paßt hier ein Bruder auf seine Schwester auf. Die Vampire waren damals als Biker unterwegs, diesmal geben sie sich als Surfer (obwohl man sie im Film trotzdem häufiger am Motorrad als auf dem Board sieht). Statt zweier Frog-Brüder gibt es diesmal nur noch einen, usw.
Das Ausmaß an Blut, Brutalität und Sex hat leicht zugenommen, stattdessen fehlen beinah zur Gänze der schräge Humor und die skurrilen Nebenfiguren, die hauptsächlich den Reiz des Originals ausgemacht haben - dafür ist fast im Alleingang Corey Feldman zuständig, der auch (fast) die einzige Figur spielt, die es direkt vom Vorgängerfilm in die Fortsetzung geschafft hat. Wie Chris und Nicole Emerson mit den Emersons aus dem ersten Teil verwandt sind, wird hingegen nicht so ganz klar.
Der Obervampir, damals Kiefer Sutherland, wird diesmal von Angus Sutherland gegeben - der zwar vielleicht (Geschmackssache) etwas besser aussieht als sein Halbbruder, dafür aber wesentlich weniger Charisma und Schauspieltalent mitbringt, auch sonst filmisch eher ein unbeschriebenes Blatt ist und wohl hauptsächlich seines Namens wegen engagiert wurde, um sowas wie Kontinuität vorzutäuschen. Den gefährlichen Vampirchef nimmt man ihm aber nicht wirklich ab, er ist eher der Romantic Lover. Und auch Tad Hilgenbrink als Chris wirkt zu harmlos, um den gebrochenen Charakter mit Vergangenheit glaubhaft zu verkörpern, den das Drehbuch für ihn konstruiert hat.
Aber davon abgesehen, bleibt alles beim Alten. Angus darf fast wörtlich Kiefers Monolog über die Vorzüge des Nicht-Sterbens und Immer-Jung-Bleibens als Vampir wiederholen. Die Pfählung via Hirschgeweih, die Weinflasche mit dem Bluttrank, die Suche nach der unterirdischen Vampirhöhle, die Mutprobe vor der Aufnahme in die Vampirgang (allerdings war der Sprung von der Eisenbahnbrücke damals zwar vielleicht weniger actionreich als die eher fade Polizei-Verfolgungsjagd auf Bikes und Skateboard diesmal, aber dafür viel spannender) - alles wieder da, wenn auch teilweise in anderer Reihenfolge.
Fast jede Szene bietet dem Kenner des Originals ein Déja-vu. Der Film strotzt nur so vor Zitaten. Er beginnt mit einem Cameo und endet mit einem ebensolchen. Noch vor dem Vorspann haben wir einen Auftritt von Tom Savini (Romeros "Mann fürs Grobe") - und nach Beginn des Abspanns taucht dann unvermutet doch auch noch Corey Haim als Sam Emerson auf, somit der zweite und letzte Darsteller aus dem Original-Cast, der auch in der Fortsetzung dabei sein darf. Mehr sei nicht verraten, nur soviel: die kurze Sequenz öffnet jedenfalls eine Tür zu einem möglichen dritten Sequel, das allem Anschein nach auch schon geplant ist, diesmal mit den beiden Coreys in den Hauptrollen.
Einen hübschen kleinen Inside-Joke gibt es noch zu vermelden: Die aufdringliche Tante Jillian möchte mit Chris und Nicole einen Videoabend veranstalten und die "Goonies" schauen. Auf der Flucht vor diesem "realen Horror" landen die beiden Geschwister dann doch noch auf der Party, wo Nicole zum Vampir wird. Um sie zu retten, muß Chris Hilfe bei Edgar Frog suchen - und der wird von Corey Feldman gespielt, der wiederum einer der Hauptdarsteller bei "Die Goonies" war...
In der Anspielung versteckt sich allerdings mehr als nur eine Pointe. Im ursprünglichen Drehbuchentwurf war der Originalfilm nämlich als eine Art Vampir-Variante der zwei Jahre zuvor herausgekommenen "Goonies" geplant, erst Regisseur Schumacher bestand darauf, aus Kinderrollen Teenager zu machen (sonst wäre "The Lost Boys" ein Film über eine Bande Vampirkinder geworden). Was aber blieb, waren die Peter-Pan-Anspielungen. Waren die Goonies eine Kinderbande, die im Peter-Pan-Stil "erwachsene" Piraten-Adventures erleben durfte, so bezieht sich der Titel von "The Lost Boys" direkt auf "Peter Pan" - dort sind die Verlorenen Jungs Waisen, Findelkinder, die auf ewig im Nimmerland leben und immer Kinder bleiben, so wie auch Peter Pan selbst.
Das "Nimmerland" von "The Lost Boys" ist die Vampirgang - verführerischstes Argument für den Übertritt ins Vampirdasein ist hier ja die Möglichkeit, für immer jung zu bleiben. In der Fortsetzung "Lost Boys - The Tribe" sind die Kinder schon selbständiger - während in "The Lost Boys" Michael und Sam zumindest noch mit ihrer Mutter zusammen waren, so sind Nicole und Chris in "Lost Boys 2" nach dem Unfalltod der Eltern ganz auf sich gestellt und dem Erwachsenendasein damit schon um einiges näher. Auch die Vampire wirken, trotz z. T. kindischen Verhaltens, älter als die Vampire im Vorgängerfilm - ebenso spielt Sex jetzt eine viel größere und selbstverständlichere Rolle.
Das befreiende, anarchistische und doch irgendwie auch verspielte Element, das einen wichtigen Teil des Vampirdaseins in "The Lost Boys" ausmachte (man denke nur an die Eröffnungsszene im Karussell), hat in der Fortsetzung einem eher schon abgestumpft wirkenden Ausleben von Gewaltphantasien Platz gemacht (man unterhält sich in erster Linie damit, sich gegenseitig die Eingeweide aus dem Leib zu schneiden und das auf Video aufzunehmen) - von echtem Freiheitsrausch ist nicht mehr viel zu spüren. Weil alle älter geworden sind? Oder ist das einfach der Unterschied der Achtziger zu unsrer heutigen Zeit?
Aber der eigentliche "Lost Boy" von "Lost Boys 2" ist natürlich sowieso Corey Feldman aka Edgar Frog. Edgar hat inzwischen seinen Bruder verloren (wie, bleibt offen) und lebt einsam und abgeschottet am äußersten Stadtrand in einem Wohnwagen. Wie hier ein ehemaliger Kinderstar einen Charakter wieder aufleben läßt, den er vor 21 Jahren als Jugendlicher gespielt hat, das ist schon spannend. Damals war er 16, jetzt geht er schon auf die 40 zu - aber im Prinzip hat sich Edgar Frog kaum verändert, innerlich ist er noch immer der Teenie aus den 80ies geblieben, nicht einmal das Stirnband hat er abgelegt. Noch immer holt er sich die Infos über Vampire lieber aus Comics als aus seiner eigenen Erfahrung (die mittlerweile ja eigentlich beträchtlich sein müßte). Edgar Frog ist die perfekte Verkörperung des Peter-Pan-Syndroms und deswegen auch der einzig wahre "Lost Boy". Und die Fans freuts sowieso, weil er noch immer genauso blöde (oder geniale - je nach Betrachtungsweise) Sprüche abläßt wie damals (falls man diese Art von Humor mag). Manche der Sager kommen auf Deutsch allerdings nur halb so gut - unübersetzbar ist z.B. "Who ordered the Stakes?" - mit zwei Holzpfählen in den Händen...
Liebhaber von "The Lost Boys" können bei "The Lost Boys 2" in nostalgischen Erinnerungen schwelgen, feststellen, wieviel origineller und spannender das Original doch gemacht war, und sich darüber freuen zu sehen, was aus Edgar Frog 20 Jahre danach geworden ist. Alle andern werden mit dem Sequel wahrscheinlich nicht allzu viel anfangen können. Aber warten wir einfach auf die nächste Fortsetzung - vielleicht wirds doch noch was...
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Warner Home Video auf DVD erschienen.
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