Die Bourne Identität
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Inhalt
Ein Fischkutter zieht einen jungen Mann aus den Fluten des Mittelmeeres. In seinem Körper stecken mehrere Kugeln und ein seltsames Implantat: unter seiner Haut findet sich ein Stück Mikrofilm mit der Nummer eines Schweizer Bankschließfachs. Dummerweise aber hat der Verletzte keinerlei Erinnerung an seine Identität. So schlägt er sich nach seiner Genesung nach Zürich durch um dort sein Leben wieder zu finden. In dem Schließfach findet er eine Waffe, jede Menge falscher Ausweise und Bargeld. Zwar spricht er mehrere Sprachen, aber englisch scheint ihm am leichtesten zu fallen. Einem der Ausweise, einem amerikanischen Reisepass, entnimmt er den Namen Jason Bourne. Heißt er so?
Als sich Bourne Ärger mit zwei Schweizer Polizisten einhandelt weil er auf einer Parkbank übernachtet, muss er zu seiner eigenen Überraschung feststellen, dass er eine wahre Kampfmaschine ist. Langsam dämmert ihm, welchem Broterwerb er nachzugehen scheint: alles deutet darauf hin, dass er in den Diensten der CIA steht. Als ein Besuch im amerikanischen Konsulat fatale Folgen hat, muss Bourne erkennen, dass sein Arbeitgeber sich gegen ihn gewandt hat und ihn zu eliminieren versucht. Bourne trifft auf die junge deutsche Lebenskünstlerin Marie und überredet diese, ihn nach Paris zu fahren, wo er offensichtlich eine Wohnung hat. Und tatsächlich, man erkennt ihn in Paris als Jason Bourne. Als er und Marie sich in der Wohnung umsehen, erscheint plötzlich ein Mann und attackiert Bourne, doch dieser kann ihn bezwingen. Bevor der dem Fremden allerdings Informationen entlocken kann, springt der unbekannte Killer aus dem Fenster. Jason und Marie flüchten und suchen Unterschlupf bei einem Freund Maries auf dem Lande. Doch auch hier lauert bereits ein Killer, den Bourne ebenfalls ausschalten kann.
Jason lässt Marie zurück und begibt sich erneut nach Paris, von wo aus Chester Conklin, der Leiter der CIA Operation „Treadstone“, der auch Bourne angehörte, die Jagd auf ihn koordiniert. Jason, der inzwischen einige der Puzzleteile zu seiner Vergangenheit zusammensetzen konnte, stellt Conklin. Von ihm erfährt Bourne von „Treadstone“ und dass er ein Killer ist, der beste von allen. Schließlich erinnert sich Bourne an seinen letzten Job, der entsetzlich schief ging. Er sollte einen afrikanischen Diktator auf dessen Mittelmeeryacht eliminieren, hatte aber Gewissensbisse dies vor dessen Kindern zu tun, wurde schließlich angeschossen und stürzte ins Meer. Bourne ist entsetzt über sein wahres Ich. Er schlägt Conklin nieder und beteuert seinen Ausstieg. Er will fortan einfach nur in Ruhe gelassen werden und flieht, wobei allerdings Leichen abermals seinen Weg pflastern müssen. Conklin hingegen wird von den eigenen Leuten ausgeschaltet, die fehlgeschlagene Operation „Treadstone“ soll unter allen Umständen vertuscht werden. Bei einer späteren Anhörung durch einen Untersuchungsausschuss wird seitens der CIA beteuert, „Treadstone“ sei lediglich der Name für ein Ausbildungsprogramm der Agenten gewesen, dass inzwischen wieder eingestellt worden war. Da niemand daran interessiert ist, dass Operationen von Killereinheiten innerhalb des US Nachrichtendienstes öffentliches Gehör finden, wird dies so zu den Akten gelegt. Nichts ist geschehen, alles wie immer….
Bourne indes hat sich abgesetzt und Marie aufgespürt, die in Griechenland Motorroller vermietet. Kann es für den Ex-Killer und die Weltenbummlerin eine Zukunft geben?
Kommentar
Der Rezensent macht keinen Hehl daraus: neben dem klassischen „phantastischen“ Film sind ihm Geheimdienstthriller um finstere Konspirationen und üble Machenschaften ein nahezu genau so liebes Steckenpferd, nur gut müssen sie eben sein, bestimmten Regeln gehorchen und eine Aussage haben.Dieser famose, rasante und nervenzerfetzende Agententhriller bietet all das und noch mehr: Er war tatsächlich sogar gleich in mehrerer Hinsicht die Kinoüberraschung des Jahres 2002! Zum einen ließ er die Konkurrenz, beispielsweise Pierce Brosnan als Geheimagenten ihrer Majestät mit Namen James Bond in seiner Abschiedsvorstellung „Stirb an einem anderen Tag“ reichlich alt aussehen, hing – keine große Überraschung - den bescheidenen Testosteron Film „XXX“ mit Actionklops Vin Diesel aber so was von lässig ab und degradierte auch die „Mission Impossible“ Filme, in denen sich Scientologe Tom Cruise zum Superhelden gebar, zu dem was sie sind, nämlich Popcornfilmchen mit durchaus Schauwert und wenig Inhalt. Und warum? Dafür gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen. Zu allererst liegt es natürlich an der grandiosen Regiearbeit von Doug Liman, der zuvor und danach allerdings (bislang) nie wieder vergleichbar gutes zuwege brachte. Doch in diesem Fall gebührt dem Manne nahezu uneingeschränkt Hochachtung. Liman verzichtete ganz entgegen dem Zeitgeist auf CGI Gedöns und Slo-Mo Kamerafahrten, zertrümmerte und sprengte altmodisch in die Luft, was nur ging, und orientierte sich ansonsten auch eher an Stil und Machart der grandiosen Agentenfilme mit politischer Message aus den seligen 1970’ern, etwa Sydney Pollacks „Die drei Tage des Condor“ oder John Schlesingers „Der Marathon-Mann“. Dennoch zeigte er sich damit auf der Höhe der Zeit und revolutionierte das Genre gewissermaßen sogar, denn selbst die lange etablierte James Bond Reihe erfand sich hernach neu und Daniel Craigs Einstand als 007 in „Casino Royal“ erinnert eher an „Bourne“ als an seine Vorgänger mit dem immer irgendwie unglücklich wirkenden Brosnan, dessen Filme (mit Ausnahme von „Goldeneye“, den man ohne wenn und aber als einen der Guten der Serie ansehen muss) so Recht nie Fisch noch Fleisch sein durften, weil der Spagat zwischen realistischer Härte und technischen Gags auf der Höhe der Zeit nie so recht fruchten mochte. Ganz anders aber bei der „Bourne Identität“, für die man sich gar nicht erst in albernen Gadget Kinkerlitzchen erging. So kommt der Film erstaunlich realistisch daher und wirkt gar nicht wie eine der US Hochglanzproduktionen der letzten Jahre. Tatsächlich macht die „Bourne Identität“ sogar einen erstaunlich europäischen Eindruck, was nicht nur daran liegt, dass der Film komplett in Europa gedreht worden ist, sondern es wird eher der megalomanische Blockbuster Effekt vermieden.
Gewiss ist dies sicherlich auch der hervorragenden literarischen Vorlage des inzwischen leider verstorbenen Politkrimi-Spezialisten Robert Ludlum geschuldet, dessen rasante und kluge Verschwörungsthriller nahezu uneingeschränkt zu empfehlen sind. Allerdings muss in diesem Fall natürlich auch eingeräumt werden, dass die Verfilmung recht frei mit dem Buch umgesprungen ist, die Charaktere verjüngt und die ganze Geschichte ins 21. Jahrhundert transponiert wurde. Dennoch ist der Geist Ludlums, wenn man sich ein wenig mit dessen Werk auskennen mag, deutlich zu spüren. Übrigens gab es schon einmal eine Verfilmung des Romans, welche aus dem Jahre 1988 stammt, von Roger Young als TV Produktion inszeniert wurde und in welcher Richard Chamberlain reichlich steif den Jason Bourne gab. Diese Adaption allerdings muss man nicht unbedingt kennen, da hat man nicht viel verpasst, höchstens ein Beispiel dafür, wie man aus einer rasanten Vorlage einen mediokren (bestenfalls) Agentenfilm macht. Ganz anders eben als Doug Limans knallharter, temporeicher und hervorragend besetzter Kracher.
Apropos Besetzung: die bietet die wohl größte Überraschung des Films (wenn nicht sogar des gesamten Kinojahres 2002), und das zu allerforderst in der Person Matt Damons, dem man alles mögliche zugetraut hätte, niemals aber seinerzeit nicht, dass er einen Part wie den des Einmannkillerkommandos Jason Bourne überzeugend zu stemmen in der Lage ist. Doch was soll man sagen, er kann, und wie! Ihm gelingt das Kunststück, seine Figur gleichermaßen unauffällig wie charismatisch und gefährlich darzubringen. Damons Bourne kann mit seinem Allerweltsgesicht völlig in der anonymen Masse untertauchen, ein junger Mann von vielen, daran vorbei gelaufen und schon wieder vergessen! Erfordert es aber die Situation, wird er zur Kampfmaschine, zum Killer, dem das Töten zwar nicht gefällt, der es aber billigend in Kauf nimmt, wenn es denn sein muss. Damon hat für die Rolle ordentlich an Muskelmasse zugelegt, freilich ohne dabei ähnlich grotesk wie weiland Schwarzenegger oder Stallone auszusehen, eher wie ein durchtrainierter Athlet. In den Actionszenen, die perfekt und mitreißend choreographiert sind, wirkt Damon sogar überzeugender weil realistischer als die meisten „Fachmänner“ aus der harten (Film)Männerwelt. Seinem Bourne gefällt nicht, was er da tut, aber er kann es verdammt gut. Man hat es ihm beigebracht, eingedrillt, in die Hirnrinde gefräst, und nun führt er mit präzisem Automatismus aus, wofür er ausgebildet wurde. Nur dass sich die tödliche Waffe nun gegen seine einstigen Erschaffer wendet. Zugegeben, die Szene im Finale, in der sich Bourne einen von ihm erschossenen Gegner als „Aufprallschutz“ schnappt, mit ihm aus dem weiß nicht wie vielten Stockwerk das Treppenhaus senkrecht abwärts hüpft und dabei im Flug einen Widersacher mit gezieltem Kopfschuss niederstreckt, die ist nun wirklich etwas zu viel des Guten. Kann man aber dennoch ganz gut mit leben. Mit der Rolle des Jason Bourne gelang Matt Damon endgültig und völlig zu recht der Sprung in die erste Liga Hollywoods. Inzwischen hat sich nämlich herumgesprochen, dass der Typ so gut wie alles spielen kann.
Die weibliche Hauptrolle, die junge Marie, die zufällig in den Krieg der Agenten verstrickt wird, wird von „uns“ Franka Potente gespielt, dem einstigen Fräuleinwunder aus Westfalen. Damals war Franka ja Dank ihres Off-Kinohits „Lola rennt“ auch international ganz gut im Geschäft und hatte gerade zuvor für den Film „Blow“ an der Seite Johnny Depps vor der Kamera gestanden. Potente macht ihre Sache durchaus ordentlich, keine Frage, dennoch wird sie von Damon an die Wand gespielt, auch wenn der das gewiss gar nicht beabsichtigt hatte. Die Chemie zwischen den beiden stimmt aber, und die schüchterne Liebesszene ist beinahe anrührend putzig.
Auch die Nebenfiguren sind stark besetzt, etwa mit Julia Stiles, die als Agentin Nicky Parsons mit ihrem Teenie-Image brach, oder dem immer guten Clive Owen, der hier als cooler Killer „Professor“ glänzen darf, für den man sich allerdings mehr Szenen gewünscht hätte.
All dies führte dazu, dass „Die Bourne Identität“ zu einem ordentlichen Kassenschlager geriet. Bei einem Budget von rund 60 Millionen US$ spielte der Film allein an den Kinokassen weltweit über 210 Millionen $ und somit mehr als das zweieinhalbfache seiner Produktionskosten ein, hinzu kamen noch die späteren Einnahmen aus den DVD Verkäufen, etc. Grund genug also, noch zwei Fortsetzungen nachzulegen, für die sich Regisseur Liman allerdings nicht mehr verantwortlich zeichnete. An seiner statt nahm bei den Filmen „Die Bourne Verschwörung“ und „Das Bourne Ultimatum“ Paul Greengrass auf dem Regiestuhl platz, machte aber ebenfalls einen ordentlichen Job. Beide Fortsetzungen sind ohne jede Frage Filme von großer Klasse, der erste Film aber bleibt einfach ein Quäntchen hinreißender! Die Fortsetzungen haben übrigens am Ende mit den Vorlagen Ludlums aus dessen literarischer Bourne Trilogie kaum noch etwas zu tun, folgen aber zumindest dessen Prämisse und wirken auch ansonsten entsprechend „ludlumesk“, nur eben ins 21. Jahrhundert verlegt.
Fazit: „Die Bourne Identität“ ist DER große Agententhriller der letzten Jahre, auf gewisse Weise angenehm altmodisch, aber dennoch stilbildend und auf der Höhe der Zeit. Geht nicht? Doch, das geht!! In nachvollziehbaren Bildern zeigt er das schmutzige Spiel der internationalen Geheimdienste, die um Pannen zu vertuschen rücksichtslos über Leichen gehen. Die Darsteller – allen voran der tolle Matt Damon - überzeugen, die Inszenierung ist packend und rasant, die Action trotz aller Härte und einiger (verzeihbarer – ist ja schließlich immer noch ein Unterhaltungsfilm) Übertreibungen nachvollziehbar. Genau so muss ein solcher Film aussehen um in der Tradition des Genres zu einem Klassiker zu reifen. Übrigens hat Robert Ludlum noch zahlreiche weitere Ausnahmethriller verfasst, die sich vortrefflich dazu eignen würden, sie in ähnlich geniale Kinostreifen zu verwandeln. Und wer auch gern mal ein gutes Buch dieser Art zur Hand nimmt, dem sei der Mann sowieso ans Herz gelegt!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
DVD, HD DVD und VHS sind bei Universal zu haben, die DVD hierbei in gleich mehreren Editionen, u.a. im Steelbook, als "Special Edition" oder auch in der "Ultimate Bourne Collection" im Schuber zusammen mit den beiden Fortsetzungen.
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| Wollo, 13.02.09 |
| Kleiner Info-Nachschlag zum Filmbericht: Tatsächlich wird demnächst ein anderer Roman Ludlums von Hollywood im großen Stil verfilmt, der großartige Verschwörungsthriller "Der Matarese Bund" nämlich. Über die (wahrscheinliche) Besetzung bin ich allerdings weniger erfreut, denn für die Rollen der beiden Agenten Scofield und Taleniekov sieht man angeblich Tom Cruise und Denzel Washington vor. Mit letzterem könnte ich ja noch leben, aber Cruise muss ja wirklich nicht sein. Dafür aber wird niemand anderer als David Cronenberg auf dem Regiestuhl sitzen, und alles was der in den letzten Jahren gemacht hat war definitiv ziemlich großartig. Man fragt sich allerdings, warum hat er nicht seinem Lieblingsschauspieler Viggo Mortensen die Rolle des Taleniekov gegeben, aber sei's drum. Bin jedenfalls gespannt auf das Projekt. In Sachen "Bourne" soll es auch einen vierten Teil geben, angeblich haben Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass, der Teil 2 und 3 inszeniert hat, schon ihren Kaiser Wilhelm unter die Verträge gesetzt. Ob das unbedingt Not tut, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, zwar waren die beiden Fortsetzungen ja durchaus noch ganz gelungen, obschon sie außer ihren Titeln quasi nix mehr mit den literarischen Vorlagen zu tun hatten, aber irgendwann ist's ja auch mal gut. Mmh, warten wir also ab, was da so kommt. |
| Staudenmaier007, 11.01.10 |
| Schonungslos und mit voller Härte. Der Film ist öde. Die schwammige Geschichte setzt auf Action wo eigentlich keine ist. Auch Damon passt da irgendwie nicht recht ins Bild. Anschauen und wieder vergessen.......somit nur 2/5 Punkte. |
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