Gefrier-Schocker - Die Hexe von Woodstock-Farm
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Inhalt
"Die Hexe von Woodstock-Farm" ist die erste (in sich abgeschlossene) Episode der TV-Serie "Hammer House of Horror" (deutsch "Gefrier-Schocker").
David Winter ist Filmkomponist, seine Frau Mary Schauspielerin. Mit der Ehe steht es nicht zum besten - während sie angeblich von den Dreharbeiten nicht wegkommt, betrügt sie ihn in Wirklichkeit mit seinem besten Freund (und Hausarzt) Charles Henderson.
Wieder einmal sitzt David also allein zuhaus in der Woodstock-Farm und versucht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, als plötzlich ein heftiges Gewitter losbricht. Die Pferde spielen verrückt, der Hund rennt panisch in die Nacht davon und ward nicht mehr gesehen - und dann findet David im Stall eine eigenartige Fremde, die sich als Lucinda Jessop vorstellt und behauptet, eine Hexe zu sein. Angeblich sei sie vor über 300 Jahren genau hier in der Woodstock-Farm im Keller gefangen gelegen - aber mit Hilfe ihrer Magie sei sie den Hexenjägern gerade noch rechtzeitig entkommen: mit einer Zeitreise ins 20. Jahrhundert.
David hält sie natürlich für verrückt, sperrt sie im Schlafzimmer ein und ruft den Psychologen Charles zu Hilfe. Aber als Dr. Henderson ankommt, ist das Schlafzimmer leer - und nun ist David selber derjenige, dem der Arzt Wahnvorstellungen bescheinigt. Hat er sich die Erscheinung der Hexe nur eingebildet? Charles tippt auf ein Burn-Out-Syndrom und rät David, weniger zu arbeiten.
Sobald David jedoch wieder allein ist, ist auch Lucinda wieder da. Sie verführt (oder vergewaltigt?) David und ritzt ihm ihr Hexenmal in den Rücken.
Charles überredet Mary, besser doch einmal zu Hause nach dem Rechten zu sehen - weniger aus Sorge um den Freund, sondern vor allem, weil David (wie er ihm vorhin bei der Visite verraten hatte) langsam dahinterkommt, daß seine Frau ihn betrügt - er weiß nur noch nicht, mit wem...
Mary kehrt also nach Hause zurück, aber auch sie kann David anfangs nicht davon überzeugen, daß Lucinda keine Halluzination ist. Doch die Beweise für Übernatürliches häufen sich.
Bücher und Kleider fliegen von selbst durchs Zimmer, auf dem Bett liegt ein toter Vogel ohne Kopf, aus dem Wasserhahn kommt Blut. Endlich beginnt Mary, ihrem Mann Glauben zu schenken.
Sie fragt bei einem Priester an, ob vielleicht ein Exorzismus möglich wäre. In den Kirchenbüchern muß sie die Entdeckung machen, daß im 17. Jahrhundert tatsächlich ein Hexenprozeß gegen eine gewisse Lucinda Jessop auf der Woodstock-Farm stattgefunden hat - aber die Delinquentin sei noch vor der Urteilsvollstreckung auf rätselhafte Weise verschwunden...
Inzwischen gerät David immer mehr unter den Lucindas Einfluß. Als Mary heimkommt, greift er sie an und sperrt sie in den Keller. Im Hof errichtet er einen riesigen Scheiterhaufen. Die "Hexe" (die untreue Ehefrau) muß brennen...
Kommentar
Erinnert sich noch jemand an "Catweazle"? Gabs als Kinderbuch und auch als englische TV-Serie aus den Siebzigern (mit Geoffrey Bayldon in der Hauptrolle, der übrigens auch in etlichen Horror-Episodenfilmen der Hammer-Konkurrenzfirma Amicus mit von der Partie war). Catweazle war ein normannischer Zauberer aus dem 9. Jahrhundert, der auf der Flucht vor seinen Häschern mit Hilfe von Magie plötzlich im 20. Jahrhundert landet - und hier jede technische Errungenschaft als mächtiges Hexenwerk bestaunt. Gar nicht genug kann er z.B davon bekommen, den "leuchtenden Flaschengeist" (= Glühbirne) mittels Lichtschalter zu beschwören und wieder zu vertreiben - an, aus, an, aus...An Catweazle fühlt man sich zu Beginn von "Witching Time" jedenfalls lebhaft erinnert - da taucht auf einmal eine Hexe aus dem 17. Jahrhundert in unserer Gegenwart auf, behauptet, sie sei mit Hilfe ihrer magischen Kräfte ihren Peinigern entflohen - und freut sich kindisch, als sie herausfindet, wie der Lichtschalter funktioniert - an, aus, an, aus...
Glaubt man am Anfang noch, es mit einer Gruselkomödie zu tun zu haben, kippt der Tonfall dann später doch noch ins Ernsthaftere - aber so richtig unheimlich wills irgendwie nicht mehr werden. Zu unentschlossen pendelt der Film zwischen seinen Handlungsebenen (Beziehungskisten, vermeintlicher oder echter Wahnsinn, Poltergeist-Phänomene etc.) hin und her, zu geheimnislos bleibt letztlich auch die Figur der Hexe. Sie erscheint teilweise eher wie ein Katalysator, ist mehr ein Symbol für die zerrüttete Ehe der Winters, als eine wirkliche Kreatur des Bösen.
Ein Indiz für diese Deutung könnte übrigens der zunächst rätselhafte Anfang des Films sein: eine nackte Frau wird von einer unheimlichen, dem Zuschauer unsichtbaren Erscheinung verfolgt. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich dabei um einen Film-im-Film - genauer gesagt, um eine Szene aus einem Streifen, an dem die Winters gerade arbeiten. Er als Komponist, sie als Schauspielerin - die Nackte ist nämlich Davids eigene Ehefrau, die er allerdings in persona schon länger nicht zu Gesicht bekommen hat. Während er zuhause vor dem Bildschirm versucht, besagte Szene zu vertonen, arbeitet sie bereits an den nächsten Aufnahmen - angeblich, in Wirklichkeit vergnügt sie sich nämlich in den Armen ihres Liebhabers. In diesem Augenblick taucht dann plötzlich die Hexe bei ihm auf und verführt ihn... Und das wiederum bringt letztlich die untreue Ehefrau dazu, ihr Verhältnis zu beenden und zu dem ihr Angetrauten zurückzukehren. Aber zuerst muß sie sich persönlich der Hexe entgegenstellen und beweisen, daß sie nicht selber auf den Scheiterhaufen gehört - den David unter Lucindas Einfluß schon für die "Schlampe" aufgerichtet hat...
Hammer hat ja immer wieder gerne Tabubrüche (besonders erotischer Natur) und das Aufbrechen von Moralschranken mit dem Einbruch des Übernatürlichen parallel gesetzt, am deutlichsten zu sehen in den diversen Dracula-Variationen. Aber die Sechziger waren eine andere Zeit als die Achtziger - was in den Anfängen einmal äußerst radikal und gewagt schien (und das gesamte Horror-Genre neu definiert hat), kommt nun eher harmlos wie eine Soap-Opera daher, garniert mit ein paar Softsex-Einlagen und etlichen übernatürlichen Einsprengseln.
Von der Logik her gäbs auch manches zu bemängeln - wie kann es sein, daß Mary Winter, ohne eigene magische Kräfte, eine Voodoo-Puppe, die sie selbst darstellt, nur durch Ändern der Frisur plötzlich in eine Abbildung von Lucinda umwandeln kann? Und wenn (Achtung, SPOILER) Lucinda tatsächlich, wie sie behauptet, ein Geschöpf des Feuers ist und deshalb vor dem Scheiterhaufen keine Angst hat, aber durch Wasser vernichtet werden kann - weshalb hören wir dann ihre Schmerzensschreie, nachdem besagte Voodoopuppe ins Feuer geworfen wird? (Und was ist eigentlich, nebenbei, mit dem Hund passiert?)
Das "Shoot-Out" (oder sollen wir sagen, "Burn-Out?") am Ende ist insgesamt etwas entäuschend geraten. So leicht, denke ich, lassen sich mächtige Hexen eher nicht ertränken. Aber diese etwas an den Haaren herbeigezogenen Happy-Ends samt Monstervernichtung waren ja schon immer das Manko vieler ansonsten großartiger Hammer-Streifen. In den späteren Beiträgen zu "Hammer House of Horror" hat man dann dankenswerterweise meist auf den Zwang zum positiven Ausgang verzichtet, was den kurzen Storys nur guttut. (SPOILER Ende.)
Jon Finch (der immerhin einmal Polanskis "Macbeth" war - und schon damals ein massives Hexenproblem hatte) agiert eher hölzern (naja, die Story spielt ja auf der Woodstock-Farm, har har har...), Prunella Gee schlägt sich wacker. Die spannendste Performance wird von Patricia Quinn (Magenta aus der Rocky Horror Picture Show) als Hexe geliefert.
Warum man sich für die Einstands-Episode von "Hammer House of Horror" den TV-Routinier Don Leaver als Regisseur ausgesucht hat und keinen der erfahreneren Regisseure des Studios, wissen die Götter (oder Dämonen). Zum Glück hat sich das Niveau der Reihe später doch noch zu einigen Highlights aufgeschwungen (etwa die Peter-Cushing-Episode "Die Experimente des Mr. Blueck").
Vom Horror-Faktor ist "Witching Time" selbst für eine TV-Produktion recht zahm, dafür gibts wenigstens etwas mehr nackte Haut zu sehen als damals im Fernsehen üblich. "Witching Time" ist solide Grusel-Unterhaltung, aber zum Thema Hexen hat Hammer schon weitaus besseres abgeliefert - man denke nur an Der Teufel tanzt um Mitternacht!
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Veröffentlichungen
Die gesamte Serie (13 Folgen) ist bei Koch Media auf DVD erschienen.
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