Crypt of the Living Dead
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Inhalt
Chris Bolton, ein junger Archäologe, kommt auf eine abgelegene Insel in der Ägäis, um den Tod seines Vaters zu untersuchen. Der Vater war ebenfalls Archäologe, und ist bei der Untersuchung einer alten Kirche auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen (er wurde unter einem Sarkophag zerquetscht).
In diesem Sarkophag ruht seit 700 Jahren Hannah, die angeblich eine Vampirkönigin gewesen sein soll. Das behaupten zumindest die ansonsten äußerst wortkargen und mißtrauischen Einheimischen. Chris verliebt sich in die Schullehrerin Mary, und deren Bruder Peter, eine Art Lokalhistoriker, bestätigt die Vampirlegenden. Chris, der Wissenschaftler, hat daraufhin natürlich nichts Besseres zu tun, als diese Legenden für Unsinn zu erklären und den Sarkophag, gegen den Protest der Inselbewohner, zu öffnen. Und natürlich finden sie dort Hannahs Leiche komplett unverwest vor, und natürlich geht die Vampire-Queen unverzüglich wieder auf die Jagd. Sie infiziert einige Dorfbewohner, darüber hinaus treibt außerdem ein zombieartiger „wilder Mann“ auf der Insel sein Unwesen, und zuguterletzt entpuppt sich auch noch Peter als heimlicher Adept der untoten Lady, der ihr zuerst seine Schwester und dann sich selbst zum Opfer anbietet...
Kommentar
Auch wenn der US-Titel Assoziationen zu Romeros Night of the Living Dead erzeugen möchte, haben wir es hier nicht mit einem Zombiestreifen, sondern mit einem reinrassigen Vampirfilm zu tun. Von dem spanischen Regisseur Julio Salvador in einem türkischen Fischerdorf gedreht, wurde der Streifen dann für die US-Fassung mit neuen, zusätzlichen Szenen versehen, die Ray Danton (der kurz zuvor den Robert-Quarry-Vampirfilm „Deathmaster“ zu verantworten hatte) inszenieren durfte. Allerdings ist diese Stückelung in diesem Fall so geschickt gemacht, daß das Endergebnis atmosphärisch immer noch wie aus einem Guß wirkt - von ein paar Sprüngen in der Handlungslogik einmal abgesehen, was man von einem spanischen Horrorfilm aus dieser Zeit aber eigentlich eh nicht anders erwarten würde...Das größte Plus des Films ist auch tatsächlich die Atmosphäre und die hervorragende Kameraarbeit von Juan Gelpí – der aus dem pittoresken Schauplatz und dem winzigen Budget optisch das Maximum herausholt: prächtige, gut gegliederte Schwarzweißbilder (in einer Zeit, in der im Horrorfilm Farbe schon das Nonplusultra war), oft mit klaren Helldunkelkontrasten – schwarze Silhouetten gegen den weißen Hintergrund des Meeres oder der Wolken, oder die Vampirkönigin in ihrem weißen Gewand vor den schwarzen Bäumen. Manchmal erinnert die Bildsprache fast an französische existentialistische Filme der 50er-Jahre. In seinen besten Momenten erreicht “La isla de la tumba maldita“ dann auch eine traumartig-surreale Qualität – im großen und ganzen fehlts aber leider doch massiv an Spannung. Die Handlung plätschert eher dahin, bis zum Auftritt der Vampirin, die leider erst sehr spät in Aktion tritt, und auch dann hat sie nicht wahnsinnig viel zu tun. Immerhin kann sie sich in einen Wolf verwandeln, aber, so wie Christopher Lee in Blut für Dracula, hat sie überhaupt keinen Text, und somit darf sie sich meistens nur die Lippen lecken (was sie allerdings durchaus sehr erotisch tut!) oder mit quälender Langsamkeit durch finstere Gänge auf ihre Opfer zuschweben. Hier werden sich die Sichtweisen gewiß scheiden, ich finde diese Momente sogar eher poetisch, aber man kann sich genausogut über dieses ineffiziente, eher einer Mumie oder einer reitenden bzw. schwimmenden Leiche angemessene Verfolgungstempo amüsieren.
Ihre langer, mehrphasiger Todeskampf ist dann allerdings recht beeindruckend, besonders der Augenblick, als sie, im Gesicht schon bis zur Unkennlichkeit verbrannt, plötzlich wie ein Kind zu weinen anfängt. Und (Vampir-)Kindern gehört dann auch die rätselhafte, aber schöne Schlußsequenz des Films.
Die Schauspieler machen ihre Sache im allgemeinen recht ok, Peinlichkeiten werden mehr oder weniger vermieden, herausragende darstellerische Leistungen sind allerdings auch nicht zu beobachten. Frank Brana als blinder Fischer fällt durch leichtes (bis mittelschweres) Overacting etwas aus dem Rahmen, aber nachdem er eine Art Teiresias-Figur verkörpert, ist das eigentlich auch akzeptabel.
Teresa Gimpera (in Jess Francos „Dracula“ war sie die weinende Mutter) ist, wie gesagt, als Vampirkönigin durchaus eine eindrucksvolle, sinnliche Erscheinung, aber sehr viel schauspielerische Entfaltungsmöglichkeiten bekommt sie halt in der Rolle nicht.
Patty Shepard macht sich gut als Opfer, sie war auch schon in den Waldemar Daninsky/Paul Naschy-Streifen Dracula jagt Frankenstein und Nacht der Vampire (in letzterem als Erzsebet-Bathory-Verschnitt) mit dabei.
Auch Mark Damon hatte schon einmal (in „Il plenilunio delle vergine“) mit der Bathory zu tun. Er hat sich ja im Horrorgenre einen bescheidenen Ruf als einer der interessanteren „Helden“-Darsteller erspielt, etwa in Roger Cormans „House of Usher“ oder Mario Bavas Die drei Gesichter der Furcht. Sonst immer hin- und hergerissen zwischen Angst vor und Faszination durch die unheimliche Frau, wechselt er diesmal endgültig auf die andere Seite und gibt sich der Vampirin freiwillig hin, wofür er auch durch den Pfahl endet. Und das macht er darstellerisch jedenfalls gar nicht so übel. „La isla de la tomba maldita“ war einer seiner letzten Filme als Schauspieler, danach verlegte er sich aufs Produzieren und verantwortete in dieser Funktion unter anderem die Wolfgang-Petersen-Filme „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“, sowie Joel Schumachers Vampirstreifen The Lost Boys.
Edward Walsh, hier als vampirisierter Insulaner, der um seine Erlösung bettelt, war in den beiden "Yorga"-Filmen ("Junges Blut für Dracula" und "Die sieben Pranken des Satans") Robert Quarrys alias Yorgas Assistent (daraus ließe sich vielleicht schließen, daß die Szenen mit ihm zu den von Ray Danton nachinszenierten gehören).
Übrigens fügt „La isla de la tomba maldita“ den üblichen, vertrauten Vampir-Abwehr-Mitteln noch ein neues hinzu: „dog bane“, also sowas wie „Hundebann“ oder „Hundekraut“ – bislang kannte man ja nur (etwa aus „Das Zeichen des Vampirs“) „wolf bane“ alias „Wolfskraut“...
(Aber vielleicht gibts in der Türkei einfach mehr Hunde als Wölfe?) Das Tier, das neben Hannah auf ihrer Grabplastik abgebildet ist, schaut jedenfalls aus wie ein Hund – wird aber als „Werwolf“ bezeichnet...
Bewertung:
Nicht gerade ein Klassiker des Vampirkinos, weder sonderlich originell noch sonderlich spannend – aber trotz Miniaturbudgets schaut der Streifen dennoch auch kaum nach Trash aus. Besonders die Kameraarbeit verleiht ihm gelegentlich sogar echten Stil, Klasse und Atmosphäre. Eine zwar inaktive, aber dafür attraktive Vampirin und ein paar gelungene Szenen verhelfen „La isla d la tomba maldita“ zu 3 Schädeln.
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
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Veröffentlichungen
Auf deutsch noch nicht erschienen. In Originalfassung von verschiedenen Labels, etwa bei Rhino Theatrical in Englisch und Spanisch.
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