Das Grauen auf Schloss Witley

Originaltitel: Die, Monster, Die!
Alternativtitel: The House at the End of the World
Monster of Terror
Monster, Die
Herstellungsland: GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA
Erscheinungsjahr:  1965
Regie: Daniel Haller

Darsteller

Figur

Boris Karloff  Nahum Witley
Nick Adams  Stephen Reinhart
Freda Jackson  Letitia Witley
Suzan Farmer  Susan Witley
Patrick Magee  Dr. Henderson
Terence de Marney  Merwyn
Paul Farrell  Jason
Leslie Dwyer  Potter
Harold Goodwin  Taxifahrer
Sydney Bromley  Pierce
  
Genre: Grusel, Science-Fiction
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Inhalt

Nick Adams will seine Verlobte Susan Witley auf deren Familiensitz besuchen. Aber was kann man schon Gutes erwarten, wenn man dazu an einer Eisenbahnstation namens Arkham aussteigen muß? Die Bewohner des Ortes jedenfalls weigern sich entschieden, den Fremden zu Schloß Witley zu fahren, man ist nicht einmal bereit, ihm ein Fahrrad zu vermieten, also muß er sich zu Fuß aufmachen. Unterwegs fällt ihm eine merkwürdige, fruchtbare Landschaft mit einem riesigen Krater darin auf. Der Schloßherr selber, Nahum Witley, Susans Vater, erweist sich als genauso abweisend wie die Dorfbewohner, er versucht alles, um Nick so schnell wie möglich wieder aus dem Haus zu bringen. Aber Susan und ihre Mutter Letitia erreichen schließlich, daß er doch bleiben kann.

Schnell kommt Nick dahinter, daß hier auf Schloß Witley längst nicht alles in Ordnung ist. Einer der Vorfahren scheint eine Art Geisterbeschwörer gewesen zu sein. Eine Hausangestellte ist spurlos verschwunden, dafür treibt sich im Park eine gesichtslose, schwarz verschleierte Gestalt herum. Letitia ist so krank, daß sie schon seit langem ihr Bett nicht mehr verlassen hat, Nick bekommt sie nur hinter Vorhängen verborgen zu Gesicht - einmal legt sie ihm eine gräßlich deformierte Hand auf die Schulter. Dennoch weigert sich Nahum, einen Arzt aufs Schloß kommen zu lassen, er behauptet, selber am besten zu wissen, wie die Krankheit seiner Frau zu behandeln sei. Dann bricht plötzlich der alte Hausdiener Merwyn unter mysteriösen Umständen zusammen - auch ihn will Nahum selber behandeln; in der nächsten Nacht beobachtet Nick ihn, wie er im Garten ein Grab aushebt, während im Haus auf dem Fußboden merkwürdige amorphe Überreste zu finden sind, die wie die Umrisse eines Menschen aussehen. Und dann wäre da noch dieses seltsame Leuchten, das nachts aus dem Gewächshaus dringt, und nicht zu vergessen natürlich die ständigen Schreie und sonstigen unheimlichen Geräusche, die andauernd zu hören sind...

Aber langsam kommt Nick dem Geheimnis doch auf die Spur. Eine Art radioaktive Strahlung scheint alles, was in ihre Nähe kommt, zu deformieren oder Mutationen hervorzurufen. Pflanzen wachsen ins Riesenhafte, Menschen und Tiere dagegen verwandeln sich in Monströsitäten. Das Zentrum dieser Strahlung befindet sich im Keller des Schlosses. Nahum glaubt an einen Fluch seines blasphemischen Vorfahren, aber Nick ist Wissenschaftler, und vermutet eher, daß es sich um die Überreste eines Meteors handeln dürfte, der ganz in der Nähe eingeschlagen haben muß - daher der große Krater, der ihm schon zu Beginn aufgefallen war.
Meteor hin, Fluch her - nachdem nun auch noch Letitia endgültig zu einem breiigen Etwas zerflossen ist, beschließt Nahum, sich jetzt endlich dem Grauen in seinem Keller zu stellen und den grün leuchtenden Stein zu zerstören. Wird es ihm gelingen, wenigstens seine Tochter zu retten, ohne selber der Strahlung zum Opfer zu fallen?

Kommentar

Hintergründe

1964 hatte Roger Corman für die Firma AIP seine Reihe von insgesamt 8 Poe-Filmen mit "The Tomb of Lygeia / Das Grab des Grauens" zu einem würdigen Ende gebracht. Maßgeblich mitbeteiligt am Erfolg dieser Streifen war Daniel Haller, der als Ausstatter und Art Director mit geringstem Budget immer wieder für eine einzigartige Atmosphäre von Verfall und Klaustrophobie zu sorgen verstand.
Nun betraute AIP ihn mit seiner ersten eigenen Regie, und nachdem Poe offenbar nichts mehr her gab, verlegte man sich nunmehr auf H. P. Lovecraft als Stofflieferant. (Allerdings hatte man sich schon bei Cormans "The Haunted Palace / Die Folterkammer des Hexenjägers" einer Lovecraft-Vorlage bedient, obwohl das Endergebnis dann als Teil des Poe-Zyklus vermarktet wurde.)
Neben Poe ist Lovecraft der zweite große amerikanische Meister des Makabren. Im Unterschied zu Poe hat er es im Kino aber immer wesentlich schwerer gehabt. Eigentlich etwas unverständlich, im Grunde schreien viele seiner Werke geradezu nach einer optischen Umsetzung. Aber vielleicht ist gerade das das Problem: Lovecrafts visuelle Phantasien waren für den B-Filmsektor wohl lange Zeit viel zu überbordend und grandios, um sie adäquat umsetzen zu können, wohingegen seine Charaktere meistens weitaus weniger greifbar als diejenigen Poes sind.
(Erst Stuart Gordon brach dann 1985 mit seiner Filmversion des "Re-Animator" ein wenig den Bann - aber die wirkliche Entdeckung Lovecrafts für den Film steht eigentlich noch immer aus...)

Der Film

Was macht nun Daniel Haller, immerhin Spezialist für Atmosphärisches, aus dieser Vorgabe?
Der Film basiert auf "The Color Out of Space", einer der populärsten und wohl auch besten Lovecraft-Stories, und einer der wenigen, in der der Cthulhu-Mythos keine Rolle spielt. Eine Story, die, wie vieles von Lovecraft, mehr auf der Grundstimmung der Auflösung, des langsamen Verfalls, weniger auf einer konkreten Handlung beruht (und die atmosphärisch durchaus mit Poes "Untergang des Hauses Usher" verwandt scheint). Für den Film mußte jedenfalls eine Rahmenhandlung her - die bedauerlicherweise etwas an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Der Beginn des Streifens ist fast eine Eins-zu-Eins-Kopie von Cormans "House of Usher"-Verfilmung - der Held, der ins Familienschloß seiner Freundin kommt, um sie zu sich zu holen, dort mit dem unheimlichen Familienvorstand (damals: Vincent Price, diesmal: Boris Karloff) konfrontiert und immer mehr in die düsteren Geheimnisse des Anwesens hineingezogen wird. Allerdings spielen diese Familiengeheimnisse (inklusive einer ebenfalls schon aus "House of Usher" vertrauten Ahnengalerie der wahnsinnigen Vorfahren) in diesem Fall letztlich für das eigentliche Thema (die Meteorstrahlung) überhaupt keine Rolle, es handelt sich im Grunde nur um eine falsche Fährte.
Das außerdem Nahum bei Lovecraft ein Bauer und hier ein Schloßherr ist, wohingegen (ausgleichende Gerechtigkeit?) Lovecrafts Universitätsstadt Arkham hier zu einem Bauerndorf degradiert wurde, ist vergleichsweise nur ein kleiner Schönheitsfehler.
Und übrigens - gibt es eigentlich schon eine Statistik, in der aufgezählt wird, in wievielen Filmen ein Dialog in der Art von "Dorthin* (*beliebig einzusetzen: Schloß Dracula - Schloß Frankenstein - Schloß Witley etc. etc.) wollen Sie? Niemand wird Sie dort hinfahren!" vorkommt?

Gedreht wurde, wie schon "The Tomb of Lygeia", auch "Die, Monster, Die!" nicht im amerikanischen Studio, sondern On-Location in England, die Innenaufnahmen entstanden in den Shepperton-Studios. Haller bemüht sich redlich, für angemessene düster-makabre Atmosphäre zu sorgen, das gelingt ihm jedoch nur partiell. Immer wieder fühlt man sich an Corman erinnert, aber die Klasse der gemeinsamen Poefilme erreicht Haller im Alleingang selten - von der visionären Energie und Radikalität der Lovecraft-Vorlage ganz zu schweigen. (Sogar in Cormans "The Haunted Palace" steckt mehr echtes Lovecraft-Feeling.) Aber zu bedenken ist natürlich auch, daß dem Regisseur hier nur mehr oder weniger ein Beinahe-Null-Budget zur Verfügung gestanden hat - dafür schlägt er sich sogar recht wacker, und der Respekt vor der Vorlage ist durchaus immer wieder zu spüren.
Leider ist der Film großenteils ziemlich träge inszeniert. Während Corman die Langsamkeit zum Stilmittel erhoben hat und damit oft fast hypnotische, somnambule Wirkung erzielen konnte, ist der Effekt im Falle seines Schülers meist eher der einer grenzenlosen Eintönigkeit. Geschätzte zwei Drittel des Films verbringen die Gestalten damit, gemächlich und "geheimnisvoll" von einem Raum zum andern zu wandern (oder, im Falle von Karloff, im Rollstuhl zu fahren), da macht sich dann allmählich ziemliche Langeweile breit.
Irgendwann in der Mitte ändert sich der Tonfall des Streifens allerdings überraschend - war bisher der gotische Grusel vorherrschend, so gerät das Ganze dann, mit der Szene im Gewächshaus und den mutierten, recht aktiven Pflanzen, eher in Richtung Science-Fiction. Am behäbigen Gesamteindruck ändert das allerdings auch nichts, genausowenig wie die obligatorische Feuersbrunst am Ende, Standard-Zutat fast aller Corman-Poe-Filme.

Die Schauspieler

Vom Hauptdarsteller wollen wir einmal nicht reden (Mark Damon im "House of Usher" war jedenfalls spannender). Suzan Farmer ("Blut für Dracula", "Rasputin - Der wahnsinnige Mönch") macht ihre Sache ganz ok (sie paßt in ihrem rosa Kostümchen so wenig auf Schloß Witley wie Marilyn Munster zum Rest der Munster-Family). In den Nebenrollen gibt es ein paar gute Gesichter. Ein Klasseschauspieler wie Patrick Magee (Peter Brooks "Marat/Sade", Cormans "Masque of the Red Death", "Asylum") wird leider in einer sehr kleinen und noch dazu eigentlich überflüssigen Cameo-Rolle verheizt, von Freda Jackson ("Dracula und seine Bräute") sieht man hinter Vorhängen und Makeup auch nicht allzu viel. Einige der Dorfbewohner wurden für die englische und die US-Version mit verschiedenen Darstellern besetzt - vielleicht aus Dialektgründen?

Kommen wir also zu Boris Karloff. Ein Film mit Karloff ist meistens schon seinetwegen sehenswert, hier muß man allerdings konstatieren, daß auch er schauspielerisch etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. (Wobei auch ein schwacher Karloff immer noch irgendwie sehenswert bleibt...) Das Drehbuch gibt ihm wenig Möglichkeit, seinem Charakter Tiefe zu verleihen, und dadurch, daß sein Nahum fast den ganzen Film über an den Rollstuhl gefesselt ist, wirkt er auch in den Szenen, in denen er sinister herüberkommen sollte, meist wenig bedrohlich, gelegentlich gar hilflos - manchmal hat man direkt das Bedürfnis, in den Film hineinzugreifen und ein bißchen anzuschieben. Die Entscheidung, Karloffs Figur in den Rollstuhl zu verbannen, war jedoch weniger künstlerisch, sondern eher medizinisch bedingt - in dieser Zeit hatte Karloff bereits soviele gesundheitliche Probleme, daß er nur noch mit Mühe aufrecht stehen konnte und auch privat oft auf den Rollstuhl angewiesen war. (In den wenigen Szenen, in denen er sich auf zwei Beinen bewegt, sehen wir sein Gesicht nicht, es ist also anzunehmen, daß da meistens ein Double bemüht wurde.)
So ist Karloff, in früheren Jahren ein äußerst wandlungsfähiger und intensiver Körper-Schauspieler, nun darauf reduziert, der Rolle allein mit Mimik und Stimme Profil zu verleihen. Und wenn er auch mit dieser Einschränkung noch immer mehr Charisma versprüht als der gesamte Rest des Ensembles, so muß doch konstatiert werden, daß er hier schon recht müde wirkt, und besonders bei den Schlußmonologen macht sich leider sogar etwas Pathos breit. (Daß er auch in diesem Alter noch zu schauspielerischen Höchstleistungen fähig gewesen ist, beweist etwa seine Rolle in Bogdanovichs "Targets - Bewegliche Ziele" von 1968 - eine von Karloffs besten Darstellungen überhaupt. In "Die, Monster, Die!" zeigt er allerdings eher nur Routine.)

Fazit

Trotz aller Einschränkungen - für Liebhaber klassischen, gotischen Grusels ist "Das Grauen auf Schloß Witley" allemal sehenswert. Fans von Roger Corman und/oder Karloff werden den Streifen so und so goutieren. Und immerhin gebührt Daniel Haller das unschätzbare Verdienst, die allererste (zumindest "offizielle") Lovecraft-Verfilmung überhaupt gedreht zu haben. Haller und AIP ließen dann ein paar Jahre später noch den Lovecraft-Film "The Dunwich Horror" folgen, ein Lovecraft-Zyklus, der den Erfolg der Poe-Serie hätte wiederholen können, ist allerdings nicht mehr daraus geworden.
Wer jedoch das (original-)titelgebende "Monster" erwartet, wird enttäuscht sein - wenn schon, dann gibt es hier mehrere Monster (die mutierten Schloßbewohner). Oder sollte damit gar das Meteorstück gemeint sein? Schon beim "House of Usher" hatte Produzent Arkoff das Filmprojekt zwischendrin mit dem Einwand absagen wollen, daß es ja gar kein Monster in der Story gäbe - und ein Horrorfilm brauche nun mal ein Monster. Worauf Corman argumentierte: "Das Haus ist das Monster!" - und damit das Projekt rettete. Und nun ists wohl Lovecraft ähnlich ergangen - "Der Stein ist das Monster!", oder so...?

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Unter dem Originaltitel "Die, Monster, Die!" ist "Das Grauen auf Schloß Witley" von MGM Home Entertainment auf DVD veröffentlicht worden. Leider ohne Extras und mit eher mittelmäßigem Bild, aber zumindest mit mehreren Sprachfassungen und Untertiteln - Boris Karloff sollte man sich womöglich immer mit seiner Originalstimme ansehen.

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