Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Inhalt
Der britische Geheimagent James Bond jagt den Superschurken Blofeld. Dank eines Tips des Ober-Mafiosos Draco, mit dessen Tochter Tracy er gerade eine Romanze erlebt, kann er Blofeld in einem Forschungslabor in den Schweizer Alpen ausfindig machen. Getarnt als Heraldikexperte, der Blofelds adelige Abstammung nachweisen soll, erlangt Bond Zutritt zu dessen Bergdomizil. Er findet heraus, daß Blofeld Krankheitserreger über die ganze Welt verbreiten will, um selbige dann zu erpressen. Bond wird enttarnt, kann aber fliehen und mit Tracys Hilfe auch Blofelds Häschern entkommen. Mit einer großen Offensive gelingt es Bond, Blofelds Plan zu vereiteln und Tracy, die inzwischen in dessen Hände gefallen ist, zu befreien. Bond und Tracy heiraten. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer…
Kommentar
Der sechste „offizielle“ James-Bond-Film steht in der seit über fünfundvierzig Jahren laufenden Reihe ziemlich alleine da, ist er doch der erste Teil ohne Sean Connery, der einzige mit George Lazenby und war auch bis zu „Casino Royale“ (2006) der einzige, an dessen Ende sich Bond nicht mit einem hübschen Mädchen vergnügt. Lange hatte der Film einen entsprechend schweren Stand, heute jedoch gilt er – obwohl Blofelds Vorgehensweise selbst für 007-Verhältnisse etwas albern ist – vielen als ein Höhepunkt der gesamten Serie (und ist übrigens ein Muß, wenn man die Trivial-Pursuit-Frage nach Bonds Familienstand richtig beantworten will). In der Tat sieht der Film blendend aus, ist elegant geschnitten, verschwenderisch ausgestattet und schwungvoll photographiert. Die Action-Szenen sind rasant, zuweilen gar spektakulär inszeniert, besonders als Bond auf Skiern vor Blofelds Mannen flieht: die erste Ski-Verfolgungsjagd in einem 007-Film, es folgten später noch so manche, aber eine solche Dramatik haben die Macher danach nicht mehr erreicht. Auch die Gaststars sind großartig ausgewählt: Diana Rigg, in Großbritannien schon damals als Emma Peel aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ eine nationale Institution, erweist sich als Idealbesetzung für die denkwürdige Rolle der Mrs. James Bond: schön, selbstbewußt, durchsetzungsstark – daß es Bond mit ihr ernst meint, glaubt man gern, und das will innerhalb des Bond-Kanons schon etwas heißen; „Kojak“ Telly Savalas ist als Nachfolger des sehr spleenigen, aber höchst amüsanten Donald Pleasance ein weniger abgehobener, dadurch aber um so glaubwürdigerer und bedrohlicherer Blofeld; er liefert die wohl beste Interpretation der langlebigen Figur und hat sich auch in der illustren Schurkenreihe des Bond-Kosmos einen Ehrenplatz verdient; als Blofelds Faktotum steht ihm Ilse Steppat kaum nach und gemahnt sogar an Lotte Lenyas berühmten Auftritt in „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963). Der Score von John Barry ist gelungen wie immer, und als besondere Zugabe gibt es noch die Ballade „All the Time in the World“, das letzte Lied, das der große Louis Armstrong vor seinem Tod aufgenommen hat. Regisseur Peter R. Hunt, der an den vorherigen Bond-Streifen als Cutter und Second-Unit-Regisseur beteiligt gewesen war, hat ganze Arbeit geleistet, es blieb allerdings seine einzige Regiearbeit innerhalb der Reihe. Lediglich in der Dramaturgie holpert es hier und da, eine Folge der drastischen Kürzungen, die sich der Film nach der ersten, gut dreistündigen Schnittfassung gefallen lassen mußte. Bis zu „Casino Royale“ ist er auch in der endgültigen Version der längste Bond-Streifen gewesen.„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ war von Anfang an ein schwieriger Fall. Schon der Roman von Ian Fleming - der Film ist wesentlich werkgetreuer als die meisten anderen, die mit ihrer Vorlage oft kaum mehr als den Titel gemeinsam haben – zeigt einen emotionaleren Bond, der zudem den Wechsel in ein bürgerliches Leben versucht – nichts anderes ist übrigens Blofelds Ziel, dem es vor allem um seine Amnestie geht. Und mehr noch: Am Ende wird Bond seine ermordete Frau in den Armen halten, wird einmal er der Besiegte sein. Es hätte wohl schon der Integrationskraft des bis heute definitiven Bond-Darstellers Sean Connery bedurft, um das gesamte Publikum auf diesen Weg mitzunehmen, aber der – und das war das größte Problem für die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman – war nach „Man lebt nur zweimal“ (1967) aus der Reihe ausgestiegen. Ein neuer Bond mußte also her, und den fand Broccoli ausgerechnet beim Friseur: das australische Fotomodell George Lazenby, dem eine optische Ähnlichkeit mit Connery unterstellt wurde und der beim Casting vor allem in Kampfszenen überzeugte. Lazenby verfügte über keinerlei schauspielerische Erfahrungen jenseits von Werbespots, die Produzenten fanden das offenbar nicht weiter schlimm, obwohl die Rolle facettenreicher war als in den früheren Streifen. Er erhielt den Zuschlag, ist damit offiziell der zweite und mit seinen damals knapp dreißig Jahren nach wie vor der jüngste Bond-Darsteller.
Hat sich die Ansicht über den Film im Laufe der Jahre positiv gewandelt, gilt das allgemein nicht für George Lazenby, gerne wird er von den Würdigungen ausgenommen und als Fehlbesetzung abgetan. An dieser Stelle soll Lazenby nun ein wenig Gerechtigkeit widerfahren: Die Ausgangssituation hätte für ihn kaum ungünstiger sein können. Er hatte als erster in die Fußstapfen Sean Connerys zu treten, der wesentlich dazu beigetragen hatte, daß aus einer kleinen B-Filmreihe die bis heute laufende Multimillionen-Dollar-Endlosschleife wurde, und dazu hatte er ein Drehbuch, dessen Ende die Fans vor den Kopf stoßen mußte. In diesem Rahmen schlägt er sich äußerst wacker. Er überzeugt durchweg in den Actionszenen, und hier und da setzt er sogar schöne darstellerische Akzente: Auf der Flucht vor Blofelds Häschern gerät Bond auf einen überfüllen Weihnachtsmarkt, er ist unsicher, muß in jeder Sekunde fürchten, umgebracht zu werden, und als es einmal nah bei ihm knallt, sieht man in Lazenbys Blick kurz die nackte Angst. Auch in der Schlußszene spielt er eindringlich, als Bond, Tracys Leichnam in den Armen, die Frage eines Polizisten, ob etwas passiert sei, verneint und mit ungläubigem Blick und (im Original) brüchiger Stimme antwortet, er und Tracy hätten noch alle Zeit der Welt für sich: einer der wenigen emotional bewegenden Momente der gesamten Reihe, und zwar auch, weil Lazenby hier nicht übertreibt, sondern alles richtig macht. Das Problem war nur, daß die Leute einen verängstigten oder gar trauernden Bond nicht sehen wollten, sondern den souveränen Agenten, den die Vorgänger etabliert hatten und den „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ ja auch über weite Strecken selbst präsentiert. Und hier – im direkten Vergleich mit Connery – zieht Lazenby klar den Kürzeren; obwohl als Dressman das Posieren gewöhnt, erreicht er nicht Connerys lässige Präsenz, er wirkt manchmal sogar ein wenig angestrengt, zu Beginn seiner Beziehung zu Tracy auch etwas steif. Das paßt zwar, obwohl nicht beabsichtigt, eigentlich ganz gut zu dem Bond dieses Films, der ja generell weniger selbstsicher charakterisiert ist, widersprach aber der Erwartungshaltung des Publikums, das so nur seine Schwächen sah. Symptomatisch dafür ist gleich die Eingangsszene des Films, in der Bond Tracy vorm Ertrinken rettet, sich dann aber mit zwei Schlägern auseinandersetzen muß; er gewinnt natürlich, aber Tracy sinkt nicht in seine Arme, sondern braust davon, und Bond spricht in die Kamera: „Das wäre dem anderen nie passiert.“ Eine schöne, selbstironische Pointe, aber manch einer mag sich da gedacht haben und noch heute denken: „Eben, George.“ (Dem deutschen Publikum wurde der Darstellerwechsel übrigens leichter gemacht, da man Lazenby von Gert Günther Hoffmann synchronisieren ließ, der – mit Ausnahme von „Dr. No“ (1962) – auch stets Connery eingedeutscht hatte; so blieb zumindest in der Tonspur alles beim Alten.) Ob Lazenby sich die Rolle bei weiteren Einsätzen hätte zueigen machen können, bleibt eine offene Frage, schließlich vermochte sich auch der spätere Dauer-Bond Roger Moore erst mit seinem dritten Film „Der Spion, der mich liebte“ (1977) wirklich beim Publikum durchzusetzen.
Für Lazenby nahm das Unglück indes seinen Lauf. Schlecht beraten und sicher auch über die Maßen von sich selbst überzeugt, verzichtete er darauf, einen Vertrag über mehrere Bond-Filme zu unterschreiben, und verkündete schon bei der Premiere seines Debüts seinen Abschied von der Rolle. An der Kinokasse konnte „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ nicht an die Einspielergebnisse der letzten Bond-Streifen anknüpfen, und deshalb galt er, obwohl er zu den erfolgreichsten Produktionen des Jahres 1969 gehörte, als kommerzielle Enttäuschung. Der Schuldige dafür war schnell gefunden: klar, Lazenby. Gute Angebote ließen danach auf sich warten, Lazenby verschwand schnurstracks in belanglosen B- und C-Filmen, und diese Gefilde hat er nie mehr verlassen. Ein großer Schauspieler ist dem internationalen Kino damit sicher nicht verloren gegangen, aber auf der anderen Seite sollte ihm sein Anteil an der Qualität dieses sehr speziellen Bond-Films schon zugestanden werden, wiewohl es natürlich immer eine reizvolle Vorstellung sein wird, wie Connery hier hätte glänzen können. Auch ohne ihn ist „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ der wohl schönste Bond-Film geworden, gewiß aber einer der besten.
Tatsächlich ist „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ aber nicht nur der Beginn eines neuen Abschnitts der Reihe, die sich hier notgedrungen von dem 007-müden Connery zu lösen begann, sondern auch ein Endpunkt. Der Film enthält auffällig viele Reminiszenzen an die Vorgänger: Der Soundtrack zitiert deren Titelmelodien, und als Bond in einer Szene den Dienst quittiert und seinen Schreibtisch ausräumt, fällt ihm so manches Erinnerungsstück in die Hände, das auch dem Zuschauer bekannt vorkommt. Das war wohl der bewußte Versuch, die Kontinuität der Bond-Figur auch unter einem Darsteller Lazenby zu betonen (bei Roger Moore kam es dagegen zu einigen gezielten Brüchen), in der Rückschau wecken diese Szenen und der ganze Film aber eine andere Assoziation: Der „originale“ James Bond, der trotz zunehmender Science-Fiction-Elemente (Q’s skurrile Wunderwaffen, die Stützpunkte der Schurken) immer noch Bodenhaftung besaß, nimmt hier seinen melancholischen Abschied. Als Connery für eine für damalige Verhältnisse gewaltige Gage 1971 in „Diamantenfieber“ zurückkehrte, wirkte er nicht nur extrem gelangweilt, sondern die Reihe verlor für lange Zeit ihr letztes bißchen Ernsthaftigkeit. So ist schon der ziemlich trashige „Diamantenfieber“ der eigentliche Startschuß für die sich anschließenden Roger-Moore-Jahre, die fast ausschließlich Action- bzw. Science-Fiction-Komödien boten. Timothy Dalton führte die Reihe dann zu ihren Ursprüngen zurück und gab einen überaus differenzierten Bond, stieg aber leider schon nach zwei Filmen wieder aus. Nachdem Pierce Brosnan sich mehr in Richtung Roger Moore bewegt hat und die Reihe unter ihm bei stark schwankender Qualität auf der Stelle getreten ist, versucht Daniel Craig, mit dessen vielgelobtem Einstand „Casino Royale“ ein kompletter Neuanfang vorgenommen wurde, augenscheinlich wieder, den Menschen hinter dem Superhelden zu zeigen – und steht damit nicht zuletzt in der Tradition von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
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Veröffentlichungen
Der Film ist in mehreren Auflagen bei MGM auf DVD und VHS erschienen.
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| Wollo, 07.10.08 |
| Das stimmt schon, die Bond Filme gehören sicherlich auch irgendwie in das große Sammelsurium des "phantastischen" Films und haben somit jede Berechtigung, hier aufgeführt zu werden. Tatsächlich ist der einzige Lazenby-Bond einer der besten der Serie, was aber wenig mit dem Hauptdarsteller zu tun hat, der wie meine Wenigkeit findet, wirklich etwas wenig eigenes Profil in die Rolle gelegt hat, manchmal bemüht wirkte und einfach nicht die Präsenz Connerys rüberbringen konnte. Aber auch wahr ist, dass "sein" Bond vom Drehbuch her komplexer angelegt war als Connerys supercooler Superheld. Bestimmt wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich die Reihe weiter entwickelt hätte mit Lazenby als Agent mit der Lizenz zum Töten. Vielleicht hätte er auf Dauer bestehen können, hätte zu "seiner" Auslegung der Figur gefunden, vielleicht aber würde die Filmserie heute auch gar nicht mehr fortgesetzt werden weil der Erfolg dauerhaft ausgeblieben wäre. Müßig darüber zu spekulieren, denn wir wissen ja alle, was schließlich passiert ist: Connery kehrte noch einmal zurück zu der Rolle, die ihn berühmt gemacht hatte (mal abgesehen von seinem späteren inoffiziellen Bond-Film "Sag niemals nie", der aber anders als erwartet tatsächlich ein ganz gelungenes Comeback darstellte) und hatte seinen schwächsten 007 Auftritt in "Diamantenfieber", dann übernahm mit Roger Moore ein gänzlich anders angelegtes Kaliber die Dienstbaretta des Womanizer-Spions. Vielleicht liegt es daran, dass ich selber mit den Roger Moore Filmen groß geworden bin, aber mir persönlich sind "Der Spion, der mich liebte" und "In tödlicher Mission" bis heute die beiden liebsten Filme der Serie - beide eben aus der Moore-Phase stammend. Die beiden ersten Moore Filme "Leben und Sterben lassen" und "Der Mann mit dem goldenen Colt" waren albern und Moore hatte "seinen" Agenten noch nicht so recht im Griff, im dritten Film aber passte er perfekt. Nie wieder hat er die Rolle so gut gespielt wie im "Spion", der tatsächlich spektakulär in Szene gesetzt war und der Reihe neuen Aufschwung brachte. Es war übrigens der erste Bond, den ich überhaupt je gesehen hatte - und ich war schlichtweg begeistert mit meinen damals vielleicht 10 Jahren. "In tödlicher Mission" war deutlich härter angelegt als in der Ära Moore üblich, und versprüht dabei irgendwie klassisch britischen Agentenfilmcharme, wie man ihn sonst eher außerhalb der Serie ausmachen konnte, realistischer und ohne übertriebene technische Mätzchen. Zwischen "Spion" und "Mission" aber hatte man seinerzeit noch den Sci-Fi-Ulk "Moonraker platziert, weil Weltraumabenteuer gerade so schön hip waren. Dieser Flm ist der schlechtesten einer der gesamten Serie (was aber nicht an Moore lag, sondern an der beknackten Geschichte und dem trashy Spacelook.) In den späteren Filmen "Octopussy" und besonders in "Im Angesicht des Todes" schien er mir dann allerdings inzwischen deutlich zu alt für die Rolle. Nachfolger Dalton kann zumindest seinen Einstand mit "Hauch des Todes" als echtes Serienhighlight für sich verbuchen, sein zweiter Auftritt geriet zum derben Haudrauf-Spektakel ohne Zauber. Bei Brosnan blieb ebenfalls nur dessen erster Auftritt mit "Goldeneye" wirklich erinnerungswürdig, die anderen drei Bondfilme mit ihm wurden schlechter und schlechter. Der aktuelle Darsteller Daniel Craig verkörpert die Rolle ziemlich genial, gar keine Frage, im letzten Film wurde auch ordentlich geknüppelt, geballert und in die Luft gejagt, dennoch ist der Film ein klein wenig überschätzt bewertet worden in meinen Augen, denn mir fehlt einfach heuer der Charme der alten Connery und Moore Streifen. Es steht auch nicht zu befürchten, dass sich dies beim kommenden Film "A Quantum Solace" ändern wird. Ich bin jedenfalls mal gespannt, wohin sich die Serie bei ihrem nächsten, garantiert irgendwann folgenden Darstellerwechsel wohl entwickeln wird. Warten wir's ab! |
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