Masters of Horror - The V Word - Blutrausch der Vampire
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Inhalt
Justin hat Streß mit seinem geschiedenen Vater, Kerry kommt bei seinem Monster-Metzel-Spiel (Doom 3, für den, dens interessiert) auch nicht richtig weiter, und weil ihnen fad ist, beschließen sie, wie es üblich ist in solchen Situationen, sich ein Abenteuer zu gönnen und echte Leichen zu besichtigen. Gesagt, getan, schon befinden sich die beiden im örtlichen Leichenschauhaus, und damit fangen die Probleme an, denn erstens ist es hier irgendwie gar nicht geheuer, zweitens sind manche der Leichen viel zu frisch, und drittens ist eine der Leichen gar keine richtige Leiche, sondern ein Vampir, der sich stantepede an die Arbeit macht. Justin sucht das Weite, Kerry findet den Tod.
Natürlich nur fürs Erste, denn in Bälde steht er wieder bei seinem Freund auf der Matte, etwas sauer darüber, im Stich gelassen worden zu sein, und fest entschlossen, nunmehr auch den Kumpel von den Vorzügen des Vampir-Daseins zu überzeugen (das "V-Wort" wird dabei allerdings peinlichst vermieden).
Hilfe bei seiner Mission bekommt Kerry alsbald von seinem "Mentor", Obervampir Chaney. Dieser entführt Justins kleine Schwester und stellt diesen vor ein Ultimatum: entweder er trinkt das Blut des Mädchens und wird selber zum Vampir, oder er muß bei Sonnenaufgang sterben...
Kommentar
Während Hammer in ihrer vergleichbaren Serie "Hammer House of Horror" (zu deutsch "Gefrier-Schocker") das Vampir-Thema konsequent vermieden haben (abgesehn von ein paar Anspielungen auf den Bathory-Mythos in der Episode "The Carpathian Eagle / Das Vermächtnis der Falkners"), obwohl es doch genau dieses Subgenre war, dem sie ursprünglich hauptsächlich ihren Erfolg zu verdanken hatten - wohl im Bewußtsein, zu dem Thema eigentlich schon alles gesagt zu haben - dachten sich die Macher von "Masters of Horror" offenbar, auf die "Königsdisziplin des Horrors" auf Dauer doch nicht verzichten zu dürfen. Also mußte in der zweiten Staffel endlich eine Vampirstory her - der Chef persönlich, Produzent und Mastermind Mick Garris, legte hier Hand an und verfaßte höchstselbst das Drehbuch.
Aber warum vertraute man das Projekt dann nicht einem der wirklichen Masters of Horror (wie Carpenter, Argento, Gordon, Landis etc. etc.) an, die ansonsten an der Serie beteiligt waren, sondern dem eher unbekannten TV-Regisseur Ernest R. Dickerson, der abgesehen von "Bones" und einer "Tales of the Crypt"-Episode im Horrorsektor ja noch nicht allzu viel Erfahrung gesammelt hatte? Naja, immerhin hat Dickerson auch einmal eine Folge von "The L Word" inszeniert - vielleicht war das der Grund? L (wie lesbische Liebe) und V (wie Vampirismus) - Schmuddelthemen, von denen man lieber nur hinter vorgehaltener Hand spricht? Ist das Vampirgenre heutzutage tatsächlich schon so abgelutscht, daß man es nur noch verschämt, unter "ferner liefen" versteckt, herzeigen darf?
Und leider ist Garris und Dickerson nun auch wirklich nicht viel Neues zur Wiederbelebung des Vampirstoffs eingefallen. Am Anfang ein mäßig gelungener Versuch, atmosphärischen Haunted-House-Grusel zu erzeugen - zu vorhersehbar die Spannungsmomente (zufallende Türen, Musik aus dem Nirgendwo, ein Sarg, der mal geschlossen und mal offen ist, etc.), und daß die sich steigernde Angst der sowieso nicht sonderlich sympathischen Helden in erster Linie dadurch gezeigt werden soll, daß jedes zweite Wort "Scheiße" lautet, zeugt nicht gerade von kreativer Dialogführung.
(Schön immerhin der Moment, als Justin nach bestandenem Abenteuer im Leichenschauhaus nach Hause kommt und vor lauter Panik erstmal sämtliche in Reichweite befindlichen Lampen anknipst.)
Die Gespräche zwischen dem noch nicht vampirisierten Justin und dem bereits verwandelten Kerry hat man so ähnlich auch schon vor einem Vierteljahrhundert in John Landis' American Werewolf gehört. Und daß in weiterer Folge hier ein Vampir verzweifelt gegen sein Vampir-Sein ankämpft (so wie sonst üblicherweise die Werwölfe), klingt auch spannender als es ist - dafür ist, wie gesagt, der Held doch zu farblos und das Ganze zu oberflächlich abgehandelt.
Der Obervampir (Mr. Chaney - hui, wie originell!) wird von Michael Ironside ("Scanners" / "Starship Troopers") zumindest recht unterhaltsam gespielt, hat nur leider zu wenige Szenen, um den Film tragen zu können. Ein bißchen erinnert diese Gestalt an den Vampirtypus, wie er in 30 Days of Night präsentiert wird. Und wie es sich für den modernen Prolo-Vampir gehört, begnügt man sich nicht mit dem Biß in die Halsschlagader, sondern da wird erstmal gleich die halbe Kehle herausgerissen! (Warum versuchen moderne Vampirfilme eigentlich immer öfter, so auszuschauen wie Zombiefilme? Mag sein, daß man damit ein paar Zombiefans mehr gewinnt - aber die Vampirfans wird man so langsam aber sicher vergraulen...)
Was will uns der Film sagen? Will er uns überhaupt irgendetwas sagen? Wenn man so will (aber das hieße eigentlich, dem Streifen schon mehr Ehre anzutun, als ihm wohl gebührt), könnte man vielleicht ein Spürchen Sozialkritik herauslesen. Die beiden Jungs wollen Leichen besichtigen gehen, und nehmen dabei gar nicht wahr, daß sie im Grunde selber schon in einer Welt der Toten leben. Der eine kennt nur seine Videospiele, der andere kommt aus einer zerrütteten Familie und wünscht seinem Vater den Tod (ein Wunsch, der früher als er zu Beginn glaubt in Erfüllung gehen wird), die Mutter ist eine Art Seelenzombie, die überhaupt nicht wahrnimmt, wie es ihrem Sohn wirklich geht, und sich stattdessen in endlosen Selbstgesprächen genügt, der Obervampir ein Ex-Pädagoge und Päderast - folgerichtig soll der Neo-Vampir auch (quasi inzestuös) durch das Blut seines Vaters und später seiner Schwester zum Vampirdasein verführt oder besser gezwungen werden. Aber falls dahinter Absicht stecken sollte - sogar diese quasi-ödipale Ebene hat man in dem ansonsten durchaus mediokren Dark Town - Die Nacht der Vampire schon deutlicher thematisiert gesehen.
Ein paar Anspielungen auf Romeros Die Nacht der lebenden Toten und Filmschnipsel aus dem Lugosi-"Dracula" machen jedenfalls noch keinen gelungenen Vampirfilm aus. Kamera, Musik und Gore-Effekte sind zwar in Ordnung, ebenso die Performance von Michael Ironside, aber für mehr als (bei sehr gutem Willen) 2 Schädel reichts nicht in der Bewertung, dafür gibts einfach zu wenig Originelles und zu wenig "echtes" Vampir-Feeling.
Ok, hier haben wir es zwar "nur" mit einem nicht einmal eine Stunde langen Fernsehfilm zu tun, also was will man mehr erwarten? Aber das ist eigentlich keine Entschuldigung - wenn man sieht, was andere Regisseure aus dem Format gemacht haben (etwa John Carpenter mit Masters of Horror - Cigarette Burns), ist es doch schade, daß ausgerechnet die Vampir-Episode so schwach geraten ist.
Ist der "klassische" Vampirfilm wirklich tot? Wohin ist das "V-Genre" unterwegs - zwischen Action-CGI-Orgien á la "Blade" oder "Van Helsing", dem Abdriften in die Splatter-Zombie-Ecke und den diversen Vamp-Soaps diverser Anne-Rice-Epigoninnen, wo ist dazwischen noch Platz für den klassischen Old-Style-Vampir?
Lassen wir uns überraschen, woher vielleicht noch einmal frisches Blut in ein anämisches Genre gepumpt werden könnte. Ein paar Independentfilme und B-Pictures wie "Vampire Diary", Rise: Blood Hunter oder Perfect Creature lassen zumindest stellenweise aufhorchen und machen Hoffnung. (Und jemand sollte endlich mal Brian Lumleys "Necroscope"-Serie verfilmen!) Auf daß das V-Wort in Bälde wieder nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert zu werden braucht...
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Veröffentlichungen
Der Film ist auf deutsch als Einzel-DVD bei "Splendid Entertainment" erschienen. Die gesamte Serie gibts bisher leider nur auf englisch.
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