Die Erfindung des Verderbens

Originaltitel: Vynález zkázy
Alternativtitel: The Fabulous World of Jules Verne
The Deadly Invention
Herstellungsland: TschechoslowakeiTschechoslowakei
Erscheinungsjahr:  1958
Regie: Karel Zeman

Darsteller

Figur

Lubor Tokos  Simon Hart
Arnost Navrátil  Profesor Roch
Miroslav Holub  Artigas
Frantisek Slégr  Kapitán pirátu
Václav Kyzlink  Ing. Serke
Jana Zatloukalová  Jana
  
Genre: Klassiker, Science-Fiction
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Inhalt

Der ebenso geniale wie weltfremde Wissenschaftler Professor Roch arbeitet mit seinem Assistenten Simon Hart an einer neuen Energiequelle von ungeahnten Dimensionen. Die interessiert auch den Grafen Artigas, Kopf einer Piratenbande, der die beiden Forscher kurzerhand entführen und in sein Versteck bringen lässt: einen erloschenen, nur per U-Boot erreichbaren Vulkan. Während Hart jede Kooperation mit den Verbrechern verweigert und darauf sinnt, die Welt vor der drohenden Gefahr zu warnen, arbeitet Roch, nun mit unbegrenzten Möglichkeiten ausgestattet, weiter an seiner Entdeckung, fühlt er, den nur das wissenschaftliche Problem interessiert, sich doch für dessen praktische (Missbrauchs-)Möglichkeiten nicht verantwortlich. Und so entsteht im Bauch des Vulkans eine gewaltige Vernichtungsmaschine, eine Erfindung des Verderbens ...

Kommentar

Karel Zemans Verfilmung eines späten und eher unbekannten Romans von Jules Verne ist, rein inhaltlich gesehen, nicht viel mehr als eine Variation des klassischen mad-scientist-Themas, die tausendmal erzählte Geschichte eines Wissenschaftlers, dem seine Forschung über den Kopf wächst und der damit, gewollt oder unbewusst, die Gesellschaft bedroht. Das klingt erst einmal nicht besonders spannend oder neu. (Zugleich nimmt der Plot vom distinguierten Superschurken, der die Welt aus einem erloschenen Vulkan heraus bedroht, ein wenig die spätere James-Bond-Variante „Man lebt nur zweimal“ vorweg.) Alles schon gehört? Aber ja! Alles schon mal gesehen? Bestimmt nicht!

„Die Erfindung des Verderbens“ ist, um mal mit der Tür ins Haus zu fallen, nicht mehr und nicht weniger als ein visuelles Wunder und gilt völlig zu Recht als Klassiker des fantastischen Films. Bei der breiten Masse ist der Streifen allerdings ziemlich in Vergessenheit geraten; zu sehr widerspricht er den Sehgewohnheiten des typischen Science-Fiction-Fans, geht er doch den entgegengesetzten Weg zu Hollywoods Verne-Adaptionen: Diese versuchen mit großem tricktechnischem Aufwand, Vernes Fabeln oder doch zumindest Ideen möglichst fotorealistisch auf die Leinwand zu bekommen. Zeman dagegen bemüht sich mit nicht minder großem Aufwand, einem solchen vermeintlichen Realismus zu entgehen; tatsächlich betont jede Einstellung die Künstlichkeit der gezeigten Welt. Damit wird Zeman der Vorlage aber gerechter als seine kalifornischen Konkurrenten, denn während diese in der ihnen typischen Darstellung von visionären Erfindungen und den Kulissen des 19. Jahrhunderts oft ein eher altmodisch-plüschiges Flair entfalten, schafft es Zeman, das Aufbruchsgefühl einer forschungsgläubigen Zeit zu vermitteln, indem er Vernes Phantasien jederzeit als solche sichtbar macht. So kann er aus dem Früher heraus die Zukunft beschwören, wo andere trotz SF-Elementen nur Vergangenheit abbilden.

Wie gelingt ihm das? Zeman entwickelte einen eigenwilligen Stil, die sogenannte „Mystimation“, durch die sein Werk nicht zuletzt zu einer wichtigen visuellen Inspirationsquelle für Terry Gilliam wurde – von den Monty-Python-Cartoons bis hin zu dessen späteren Regiearbeiten. Er ließ seine Schauspieler in offensichtlich künstlichen, oft gemalten, aber beweglichen Kulissen agieren, echte Tiere neben deutlich animierten, verband so Trick- und Realfilm und schuf quasi ein zum Leben erwachtes Bilderbuch.

Auf Dialoge wird denn auch oft verzichtet, meist kommentiert Hart das Geschehen aus dem Off, viele Szenen funktionieren ganz ohne Worte. Die Bilder, an denen Zeman sich für das Setdesign und die Spezialeffekte orientierte, stammten dabei aus der Vorlage: Es waren die zahlreichen Stiche, die in Vernes Büchern die Handlung illustrierten, und um das noch hervorzuheben, legte er über viele Szenen, gerade bei Einstellungen von Meer und Himmel, Linienmuster, so dass man wirklich meint, hier die Originalstiche zu sehen, die sich plötzlich zu bewegen beginnen. Damit wird aber nicht etwa Wirklichkeit verfremdet wie etwa in Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920), sondern eine literarische Welt zum Leben erweckt, in die man eintaucht wie bei der Lektüre eines Romans. Mit dem Bezug auf die Stiche macht Zeman die Träume des 19. Jahrhunderts für den Zuschauer erfahrbar und erschafft so eine Zeitlosigkeit, die man in den amerikanischen Verne-Filmen kaum findet. Zugleich ermöglicht ihm seine gewollt artifizielle Tricktechnik auch spektakuläre Szenen: Unterwasserangriffe auf Schiffe, Kämpfe mit Seemonstern, U-Boot-Fahrten durch unterirdische Gänge, pedalbetriebene Luftfahrzeuge undundund… An Schauwerten mangelt es wahrlich nicht, und in dieser speziellen Form findet man sie sonst kaum, allenfalls in anderen Filmen Zemans aus jener Zeit, die sich der gleichen Technik bedienen und zum Teil ebenfalls auf Jules Verne basieren, dessen Ideen Zeman offensichtlich die Gestaltungsmöglichkeiten boten, die er suchte.

Es ist ein Verdienst der Darsteller, dass sie erst gar nicht versuchen, gegen diese Dominanz des Visuellen anzuspielen, sondern sich ihm nahtlos einfügen und ihre Figuren holzschnittartig, aber eben nicht hölzern anlegen. Mit souveräner Selbstverständlichkeit erfüllen sie ihre Rollenklischees: der weltfremde Wissenschaftler, der aufrechte Idealist, der Gentleman-Verbrecher … So wirken sie zu keiner Zeit wie Fremdkörper in dieser künstlichen Welt; dazu tragen auch die Kostüme bei, die einem Theaterfundus zu entstammen scheinen und bei denen Säume, Kragen, Taschen und selbst Falten besonders hervorgehoben, zum Teil sogar aufgepinselt sind. Auf diese Weise können die Schauspieler auch an gemalten Orten und mit offensichtlichen Trickfiguren interagieren, ohne dass dies ein Stilbruch wäre.

Die Höchstnote verpasst Zemans Film dennoch knapp, denn bei aller Schönheit und Poesie, die Vernes wie üblich in einem etwas weitschweifig-jovialen Plauderton gehaltene Vorlage weit überragt, kann man nicht darüber hinwegsehen, dass der Film, es wurde bereits erwähnt, inhaltlich eher harmlos ist (das gilt gerade bei der Figurenzeichnung aber auch für den Großteil des Verneschen Schaffens, in dem ambivalente Charaktere eher seltene Gäste sind). Seine Moral ist, wenngleich nicht sehr aufdringlich in die Handlung integriert, ebenso deutlich wie schlicht: Wissenschaft hat eine soziale Verantwortung, darauf besteht Hart die ganze Zeit, und auch Roch kommt am Ende zu dieser Erkenntnis. Den Missbrauch der Wissenschaft verkörpert Artigas, der mehr als einmal als Wegwerf-Konsument auftritt und der die Wissenschaft zum Ausrauben des ehrlichen Mannes, gewissermaßen zur Gewinnmaximierung instrumentalisiert. Der skrupellose Piratenkapitän als Sinnbild des Kapitalisten: Das war im kommunistischen Ostblock natürlich ein gern gelesener Subtext; ähnlich gern sah man wohl den ungebrochenen Fortschrittsglauben, den der Film und das Buch prinzipiell propagieren, die Eroberung der Natur zum Nutzen aller – die ständig dunklen Rauch in den Himmel stoßenden Schornsteine sind hier noch Versprechen und nicht drohende Gefahr –, und so ist wohl auch zu erklären, dass Zeman sein Projekt in der Tschechoslowakei der 1950er Jahre verwirklichen konnte (entsprechend ist, dies durchaus zum Vorteil des Stoffes, Vernes Hurrapatriotismus, der vor allem am Ende des Buches aufflammt, gänzlich getilgt). Diese glücklicherweise zurückhaltend eingeflochtenen Tendenzen gewinnen allerdings unter Zemans eleganter und stilisierter Inszenierung und seinem omnipräsenten augenzwinkernden Humor zu keiner Zeit die Oberhand. Schöner ist die „Fabulous World of Jules Verne“ - so der amerikanische Filmtitel, der treffend von diesem Film auf Vernes Gesamtwerk verweist – nie mehr auf die Leinwand gekommen.

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Ostalgica / Al!ve auf DVD erschienen.

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