Donnie Darko
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Inhalt
Die beschauliche Kleinstadt Middlesex im Bundesstaat Virginia im Herbst des Jahres 1988: hier leben die Darkos, eine auf den ersten Blick typische amerikanische Durchschnittsfamilie, hinter deren blitzblanker Fassade sich aber Risse im schönen Schein auftun, die hauptsächlich dem 16jährigen Sohn Donald, genannt Donnie, geschuldet sind. Donnie hat, wie viele junge Menschen seines Altes, Probleme damit, sich im Leben zurecht zu finden, seinen Weg und seine Bestimmung zu erkennen, weswegen er schon für allerlei Ärger gesorgt hat. Aus diesem Grunde schickten ihn seine Eltern Rose und Eddie zur Psychologin Dr. Thurman, die ihn mit Sitzungen und Medikamenten behandelt. Zudem leidet Donnie immer wieder unter rätselhaften Schüben somnambuler Nachtaktivitäten, weswegen er schon an den verrücktesten Orten aufgewacht ist. So auch in der Nacht des zweiten Oktobers, als er eine unheimliche Stimme vernimmt und ihr folgt. Auf dem Golfplatz des Ortes begegnet er schließlich einem mysteriösen Wesen, welches in einem sinistren Hasenkostüm steckt und sich Frank nennt. Frank prophezeit Donnie, die Welt werde in 28 Tagen untergehen - an Halloween! Hernach fällt Donnie in einen Tiefschlaf, aus dem er erst am nächsten Morgen wieder erwacht. Als er schließlich zu seinem Haus zurückkehrt, entdeckt er seine Eltern und seine beiden Schwestern Elisabeth und Samantha vor dem Haus. Unglaubliches hat sich zugetragen: in der Nacht muss sich eine Flugzeugturbine von einem Flieger gelöst haben und stürzte in das Haus der Darkos, und zwar genau in Donnies Zimmer. Folglich hat Frank, der apokalyptische Bote, Donnie das Leben gerettet. Unerklärlich bleibt allerdings woher die Turbine überhaupt kam, denn zum Unglückszeitpunkt überflog weit und breit kein registriertes Flugzeug das Haus der Darkos, ferner wurde nirgendwo eine Notlandung einer beschädigten Maschine gemeldet.
Im Laufe des Monats, des letzten der Menschheit?, verändert sich Donnie immer stärker und lässt sich von Frank zu allerlei Schandtaten überreden, unter anderem dazu, in der Schule einen Wasserrohrbruch zu verursachen und das Haus des scheinheiligen New Age/Wellness Gurus Jim Cunningham anzuzünden, in welchem die Feuerwehrleute schließlich kinderpornografisches Material sicherstellen. Bei seinem letzten Treffen mit Frank bittet Donnie ihn darum, seine Maske abzunehmen, was dieser auch macht. Darunter kommt ein junger Mann zum Vorschein, der ein stark blutendes Auge hat.
Am Vorabend zu Halloween veranstalten Donnie und seine ältere Schwester Elisabeth im sturmfreien Darko Domizil eine Party. Nachdem Donnie mit seiner Freundin Gretchen schläft, ereilt ihn wiederum eine Vision. Er sucht mit Gretchen und zwei Freunden das Haus von Roberta Sparrow auf, einer in der Ortschaft als verrückt geltenden alten Frau, die Grandma Death genannt wird und die in der Vergangenheit ein Buch über das Paradoxon von Zeitreisen verfasst hat, welches Darko zuvor einem Hinweis von Frank folgend gelesen und Sparrow darauf einen Brief geschrieben hatte. Als Sparrow auf dem Weg zu ihrem Briefkasten (in welchem sich Donnie Darkos Brief befindet) die Straße überquert, fährt plötzlich ein Auto vor, das der alten Lady ausweicht und dabei tragischerweise Donnies Freundin Gretchen überfährt. Aus dem Auto steigen zwei kostümierte junge Männer aus, einer der beiden ist – Frank! Doch der weiß offenbar nicht, dass er Donnie seit einem Monat erscheint und ihm die Apokalypse prophezeit. Donnie, zutiefst entsetzt über den Tod seiner Freundin, zieht eine Pistole, die er zuvor einem rätselhaften Fingerzeig des Schicksals folgend aus der Nachttischhublade seines Vaters entwendet hatte, und streckt Frank durch einen Schuss ins Auge nieder.
Roberta Sparrow offenbart Donnie, nun sei nicht mehr viel Zeit. Dieser fährt mit der Leiche Gretchens aus der Stadt heraus. Am Morgen des Halloweentages brauen sich bedrohliche Wolkenformationen über Middlesex zusammen. Der Weltuntergang scheint kurz bevor. Plötzlich scheint Donnie sich auf einer Zeitreise in die Vergangenheit zu befinden und findet sich in der Nacht des zweiten Oktobers wieder. Abermals liegt er in seinem Bett, doch diesmal verlässt er das Haus nicht. Ein Krachen deutet darauf hin, dass sich die Turbine abermals auf ihrem tödlichen Anflug in das Haus der Darkos befindet. Mit einem bösen Lachen erwartet Donnie Darko den Aufprall…
Ist das fatale Schicksal der Menschheit nun abgewendet? Und was ist mit Frank und Gretchen? Und lautet der Name des Regisseurs tatsächlich Richard Kelly und nicht etwa David Lynch? Fragen, Fragen….
Kommentar
Zumindest eine derer kann mit Sicherheit beantwortet werden: die nach dem Regisseur nämlich, der tatsächlich auf den Namen Richard Kelly hört, und um dessen Debüt es sich bei vorliegendem Diapositiv handelt. Dies ist in vielerlei Hinsicht mehr als nur beachtlich, denn dem talentierten Herrn Kelly ist es nicht nur gelungen, mit dem für Hollywood Verhältnisse nahezu lächerlichen Budget von ungefähr 4,5 Millionen $ einen Streifen herzustellen, der rein optisch nach mindestens dem zehnfachen davon aussieht, er vollbrachte es auch noch, eine Schar von hervorragenden und durchaus bekannten Mimen um sich zu versammeln und sie hervorragend anzuleiten und letztlich mit ihnen einen Film zuwege zu bringen, den man beinahe als Meisterwerk, als großen Wurf aber ganz sicherlich ansehen muss! „Donnie Darko“ funktioniert tatsächlich gleich auf mehreren Ebenen sehr erfolgreich, freilich als apokalyptische Science Fiction Geschichte vordergründig, doch da ist noch um einiges mehr! Die „Coming of Age“ Geschichte des Protagonisten nämlich, ein Drama, Surealismus, und das alles mehr oder weniger mit den Methoden einer vielleicht nicht ganz typischen Teenagerkomödie a la John Hughes („Breakfast Club“, „Pretty in Pink“) aus den 1980’ern, in denen der Film ja auch spielt. Darüber hinaus entlarvt Kelly eine zutiefst bigotte Gesellschaft, in welcher den schönen Schein zu bewahren das höchste Gut darstellt. Während man Kindern mit Problemen lieber der Freudschen Analytik inklusive chemischer Berieselung aussetzt statt auf familiäre Unterstützung zu bauen, wetzen staatliche Autoritäten die bürokratische Sichel und entledigen sich innovativer Pädagogen, die sich auch nur einen Jota vom vorgegebenen Lehrplan entfernen weil sie dies im Sinne der ihnen Schutzbefohlenen für richtig erachten. Stattdessen öffnet man vermeintlichen Saubermännern wie Jim Cunningham, einem undurchsichtigen „Tschakka“ Propheten (wenn Sie verstehen) Tor und Tür, der, wie sich herausstellt, ein pädophiles Ungeheuer ist und sich somit mit offizieller Hilfe an die Heranwachsenden heranmachen darf. Kelly porträtiert eine Gesellschaft, die es nahezu verdient hat, vom Antlitz der Erde gefegt zu werden. Weit hergeholt? Das mag ein jeder für sich allein entscheiden. Kelly entschied sich dafür, dass die Menschheit noch eine Chance verdient hat. Letztlich opfert sich Donnie Darko als eine Art Ersatz Messias dafür.
Doch wie kommt es überhaupt dazu? Hier wiederum hat sich Kelly durchaus der Stilmittel seines berühmten Kollegen David Lynch bedient und eine Geschichte entworfen, die eine Vielzahl an Interpretationen zulässt, Zeitsprünge und nicht immer lineare Handlungsabläufe inklusive. Doch anders als Lynch bietet Kelly auf der offiziellen Website des Films eine Erklärung der Ereignisse, was der Rezensent aber als eher ungeschickten Schachzug erachtet, auch wenn Kelly sich dahingehend äußerte, dass auch andere Interpretationsmöglichkeiten möglich seien. Ich bin der Meinung, dies „entschärft“ den Film ungehörig, weswegen ich nun weder Kellys Interpretation hier aufgreifen noch meine eigene kundtun werde, was ich allerdings zum Teil ja bereits getan habe. Vielleicht sollte und muss man an eben dieser Stelle noch einmal David Lynch bemühen, der stets der Auffassung ist, bei seinen Filmen gehe es gar nicht so sehr um das Verstehen als vielmehr um das Erfahren. Recht so!
Gehen wir stattdessen auf die Schauspieler ein, die hier ausnahmslos perfekt besetzt sind und grandios agieren. Jake Gyllenhaal spielt den abseitigen Donnie Darko mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Seine finsteren Blicke lassen dir wahrlich eiskalte Schauer den Rücken runter laufen, vor allem aber kann der Zuschauer sich mit ihm identifizieren, ein größeres Lob kann man einem Schauspieler kaum machen! Außerdem nimmt der Regisseur seine Hauptfigur sehr ernst, und Gyllenhaal wusste mit dieser Verantwortung sehr wohl umzugehen. Übrigens fand ich ihn in fast allen Filmen, die ich mit ihm sah, großartig. Sollte er nicht irgendwas falsch machen, so sehe ich eine Wahnsinnskarriere für ihn voraus. Holmes Osborne und Mary McDonnell in der Rolle der Eltern sind perfekt gecastet und machen das Beste aus ihren Parts. Donnies Freundin Gretchen wird verkörpert von Jena Malone, die hier erstmals einen größeren Kinopart übernimmt, doch bereits seit sie 12 war im Filmgeschäft unterwegs ist. Donnies ältere Schwester Elisabeth wird von Maggie Gyllenhaal gespielt, die auch im wirklichen Leben dessen größere Schwester ist (und nebenher bemerkt, meiner Auffassung nach eine der schönsten Frauen der Welt ist.) Drew Barrymore, die den Film auch mitproduzierte, spielt die Lehrerin Karen Pomeroy. Im Prinzip ist sie viel häufiger im Film zu sehen als es die Figur der Lehrerin eigentlich erfordert hätte, aber so ist das eben mit großen Stars, die auch noch was zu sagen haben. Verbleibt Patrick Swayze, ein Mann, der durchaus was kann, aber auf eine reichlich wechselhafte Karriere zurückblicken darf. Die Rolle des unsympathischen Cunninghams ist sicher die beste, die er in den letzten Jahren spielen durfte, einen besonderen Schub hat dies seiner Karriere allerdings nicht versetzt. Zuletzt ging es ihm gesundheitlich allerdings auch sehr schlecht, wie man so hörte.
Erwähnung finden sollte noch die hervorragende musikalische Untermalung des Films, für die Michael Andrews verantwortlich war, und die ganz sicher zum guten Gelingen des Films ihren besonderen Anteil hat. In besonderer Weise erwähnt sei hierbei die Kinoszene, eine der unheimlichsten des gesamten Films, zu der Andrews das sakrale „For whom the Bell tolls“ von Steve Barker und Carmen Daye ertönen lässt. Andrews ließ mit seinem Soundtrack die 1980’er wieder aufleben, legte den Focus hierbei auf eher postpunkiges Material wie „The Killing Moon“ von Echo and The Bunnymen, Joy Divisions „Love will tear us apart“ oder „Under the Milky Way tonight“ von The Church. Jules Grays ergreifende Interpretation von Tears for Fears „Mad World“ brachte es mit einiger Verspätung im Jahre 2003 tatsächlich zum weltweiten Hit. Ähnliches kann man im Prinzip über den ganzen Film behaupten. Als er in den USA am 26. Oktober 2001 in die Lichtspielhäuser kam, war die Nation noch schwer traumatisiert von den Attentaten des 11. September. Niemand wollte einen surrealistischen Science Fiction Film sehen, in dem Flugzeugteile den Tod bringen und am Ende möglicherweise die Welt untergeht. So fiel der Film beim amerikanischen Publikum gehörig durch und spielte an den Kinokassen nicht mal 500.000 US$ ein. In Großbritannien war das schon anders, da avancierte „Donnie Darko“ zum Geheimtipp und brachte es mit einiger Laufzeit sogar zu einem veritablen Erfolg. So richtig kam die Sache aber erst nach dem DVD Start des Films ins Rollen, der sich plötzlich zum Verkaufshit entwickelte (auch in Deutschland, wo es der Film gar nicht erst in die Kinos schaffte, aus welchen Gründen auch immer.) Inzwischen hat der Film weltweit eine solche Fangemeinde, dass Richard Kelly schließlich 2004 einen um etwa 20 Minuten längeren Director’s Cut anfertigte.
„Donnie Darko“ ist gleichermaßen ein intelligenter, origineller, faszinierender wie verstörender apokalyptischer Science Fiction Film, der aber eben noch viel mehr als das ist. Man stelle sich eine Mischung aus David Lynch und John Hughes vor mit hervorragenden Darstellern, von einem wirklich talentierten Regisseur in Szene gesetzt und nur eine Handbreit vom Status eines zeitlosen Klassikers (also der Höchstwertung) entfernt. Er fordert allerdings auch dem Zuschauer das Benutzen seines Gehirns ab, denn einfache Berieselung bekommt man hier nicht geboten. Stattessen muss und soll man sich seinen eigenen Reim auf die Ereignisse machen, die einem im Film gezeigt werden, und das hat wahre Klasse, kann ich da nur sagen!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Die DVD erschien in Deutschland in verschiedenen Editionen inklusive des 20 Minuten längeren Director's Cut bei MC One so wie als Steelbook Edition bei Universal. Eine VHS Version erschien ebenfalls bei MC One.
Filmbewertung
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s. Darko - Eine Donnie Darko Saga
Stand: 09.02.2010 13:37:06
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Weitere Kommentare zum Film
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| Ruthven, 12.08.08 |
| Diesmal, lieber Wollo, bist Du mir reviewtechnisch zuvorgekommen, das ist aber auch ganz richtig so, kann ich mich Deiner Rezension doch in fast allen Punkten anschließen! Chapeau, Ruthven |
| Wollo, 12.08.08 |
| *g* So ist das wohl manchmal! Hab mich eh schon gewundert, dass noch niemand über diesen außergewöhnlichen Film geschrieben hat. Hab Dank für Dein Lob, Ruthven. Grüße! |
| Staudenmaier007, 27.01.10 |
| Ein auf den ersten Blick als mittelspannende Teenagerkömödie klassifizierter Film entwickelt sich zu einem außergwöhnlichen Juwel mit philosophischem Tiefgang. 5/5 für Liebe auf den zweiten Blick. |
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