Charlie und die Schokoladenfabrik
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Inhalt
Willi Wonka, der legendäre Schokoladenfabrikant, für den auch einst der Großvater des kleinen Charlie Bucket tätig war, hält die Welt in Atem, denn er verlost fünf goldene Tickets, die es fünf Kindern ermöglichen sollen, einen Tag lang mit ihm in seiner Fabrik zu verbringen. Diese Tickets sind in seinen berühmten Schokoladentafeln versteckt.
Das erste Ticket findet der fette Junge Augustus Glupsch aus Deutschland, dem hauptsächlich daran gelegen ist, feinste Süßigkeiten abzusahnen. Billet Nummer zwei geht an die verwöhnte Veruca Salt aus London, die Tochter eines Firmeninhabers ist und Wutanfälle bekommt, wenn der liebe Papa ihr nicht sogleich einen jeden Wunsch von den Augen abliest. Das dritte Los fällt auf die ehrgeizige Violetta Beauregarde, die den Weltmeistertitel im Kaugummikauen inne hat und sich ausschließlich um persönlichen Ruhm und Ehre schert. Schließlich geht Ticket vier an den launischen und aggressiven Fernseh- und Computerspiel Junkie Mick Teavee. Doch auch Charlie Bucket würde so gern einen Blick in die geheimnisvolle Fabrik des rätselhaften Herrn Wonka werfen. Da seine Familie aber bettelarm ist, sind seine Chancen nicht eben hoch. Zwar erhält er zu seinem Geburtstag eine Tafel Wonka Schokolade, doch das ersehnte Los befindet sich darin leider nicht. Auch beim nächsten Versuch hat er kein Glück, als ihm nämlich der Großvater aufgespartes Geld zusteckt um sich eine weitere Tafel zu kaufen. Da findet Charlie auf der Straße einen Geldschein und kann sich eine weitere Tafel leisten, und diesmal, Bingo!, wickelt er tatsächlich das fünfte goldene Los aus. So darf auch er den ersehnten Besuch in der Schokoladenfabrik antreten.
Am großen Tag darf ihn der geliebte Großvater in Wonkas Manufaktur begleiten. Willi Wonka, ein seltsamer Kauz, der wie eine Mischung aus grellem Paradiesvogel, Peter Pan und Marylin Manson daher kommt, führt die Kinder und ihre Begleiter durch sein Unternehmen, das ein gigantisches Schlaraffenland für alle Leckerschmecker ist. Hier gibt es Landschaften aus Süßigkeiten, Wasserfälle aus Schokolade, herrlichste Gaben aus reinstem Gaumenkitzel. Glupsch, Salt, Beauregarde und Teavee tun sich während der Führung hauptsächlich durch ungehöriges Benehmen und persönliche Gier hervor und erleiden allesamt mysteriöse Unfälle. Einzig Charlie Bucket und sein Großvater bleiben am Ende übrig. Somit erklärt Wonka den kleinen Charlie zum Gewinner des Sonderpreises, der ihn zum Erben seines Imperiums machen soll. Dafür aber müsse Charlie sich von seiner Familie trennen, was der tofte Knirps prompt ablehnt. In der Folge wird Wonka immer trauriger und Charlie entdeckt auch den Grund hierfür, der in dessen schwierigen Kindheit begründet liegt. Schließlich bringt er Willi Wonka wieder mit seinem Vater zusammen, einem vermeintlich despotischen Zahnarzt, vor dem der Schokoladenfabrikant in seiner Jugend geflohen ist. Die Wonkas versöhnen sich und Charlie wird gestattet, bei seiner Familie zu bleiben und dennoch irgendwann Willi Wonka, der Aufnahme in die Familie Bucket findet, nachzufolgen.
Kommentar
Wieder einmal muss dem Ausnahmetalent Tim Burton, vielleicht der beste Regisseur unserer Tage, und seinem unwiderstehlichen Werk Respekt gezollt werden. Was er hier wieder auf die Leinwand gezaubert hat, ist allerfeinstes großes Kino. Schokolade für die Augen, süß, lecker, ein wenig klebrig, vermutlich, und manchmal auch ein bisschen ekelig, aber ganz gewiss realisiert im Sinne des geistigen Vaters der Geschichte, dem genialen Autor Roald Dahl, der leider im Jahre 1990 verstorben ist. Burton arbeitete bei der Ausführung eng mit Felicity Dahl zusammen, der Witwe und Nachlassverwalterin Roald Dahls, ohne deren Zustimmung und Gutheißens nichts geht in Sachen Aufarbeitung Dahlscher Stoffe. Burton beschrieb diese Zusammenarbeit als sehr positiv und befruchtend. Vermutlich hatten sich da zwei kreative Querköpfe gesucht und gefunden.
Burtons Aufarbeitung des Buches ist allerdings nicht die erste, die es auf die große Leinwand geschafft hat. Bereits 1971 hatte Mel Stuart mit dem Comedian Gene Wilder in der Rolle des Willi Wonka erstmals die Vorlage für den Film adaptiert, doch Burton und sein Team legen großen Wert darauf, das es sich bei ihrem Film nicht um ein Remake des alten Steifens, sondern vielmehr um eine aktualisierte und darüber hinaus auch durchaus immanentere Fassung der Vorlage handelt. Gene Wilder allerdings sah das gänzlich anders und stänkerte tüchtig gegen Burtons Version. Vergleicht man aber beide Filme, so kommt man nicht umhin, der neueren Umsetzung den Vorzug zu geben, denn Burton hat mal wieder alles richtig gemacht. Erneut brachte er ein Ausstattungswunder zuwege, welches seinegleichen sucht. Die Schokoladenfabrik ist fürwahr eine Wonne, ein kunterbuntes Schlaraffenland, das kindliche Phantasien zum Hüpfen bringt, aber eben auch seine Tücken hat, wie die gierigen, ehrgeizigen und ungehörigen Kinder am eigenen Leib feststellen müssen. Somit hat Tim Burton den Geist Roald Dahls heraufbeschworen und dessen pädagogischen Background erfolgreich umgesetzt, indem er die charakterlich missratenen, allerdings völlig überzeichneten Kleinen bestraft. Solche Kinder gibt es ja gar nicht, oder?
Was ist mit Willi Wonka? Den hat Burtons Spezi Johnny Depp mal wieder zum allerbesten gegeben. Selten sah man den großen Mimen so schräg wie hier. Fast möchte man nicht glauben, dass es sich hier um den gleichen Mann handelt, der zumeist sympathische Loser gibt oder unwiderstehliche Halunken spielt wie Captain Jack Sparrow, seine wohl berühmteste Rolle. Depp interpretiert sine Rolle nahezu als Kinderschreck, unnahbar, manchmal autistisch und gelegentlich beinahe dämonisch. Doch am Ende hat man Mitleid mit ihm und freut sich darüber, dass er als Geläuterter, der sich mit dem strengen Vater ausgesöhnt hat, in die Familie Bucket aufgenommen wird. Die Familie Bucket wird zudem mal wieder, wie bei Burton üblich, von hinreißenden Darstellern verkörpert, allen voran die zauberschöne Helena Bonham-Carter als Charlies Mutter. Auch die Kinderrrollen sind perfekt besetzt. Für Freddie Highmore, der den Charlie spielt, soll sich Johnny Depp persönlich ausgesprochen haben, der mit ihm zuvor den Film „Wenn Träume fliegen lernen“, in welchem er den Autor des Peter Pan, James Matthew Barry, spielte und schlichtweg begeistert von dem Jungen und seinem schauspielerischen Können war.
Natürlich darf ein Darsteller nicht unerwähnt bleiben, nämlich der tolle Deep Roy, der sämtliche Umpa Lumpas spielt, jene kleinen Helfer, auf die Willi Wonka vertraut. Er hatte tatsächlich den schwierigsten Job im gesamten Film, musste er doch jedem Umpa Lumpa eine eigene Mimik und Gestik geben und darüber hinaus die Choreographie zu den bösen Songs, die die Umpa Lumpas im Zuge der Führung schmettern, ganz allein stemmen. Hervorragend ist ihm dies gelungen, kann man nur sagen, genau wie dem Soul Buddy Burtons Danny Elfman, der mal wieder für die geniale musikalische Untermalung der tollen Bilder sorgte.
Ach ja, und ich habe noch gar nicht auf die grandiose Stadtkulisse hingewiesen, die einmal mehr auf Burtons Einfluss durch den deutschen expressionistischen Film der 1920’er Jahre geprägt wurde. Hier sehen wir, beispielsweise im Haus der Buckets, Kulissen, die direkt aus dem „Caligari“ stammen könnten. Brillant, kann ich da nur sagen. So komme ich nicht umhin, einmal mehr dem Meisterinszenierer die Höchstwertung für einen seiner Filme zu erteilen. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist ein abseitiges, aber auch warmherziges, surrealistisches Fantasymärchen, mit dem sich sein Erschaffer eng an die Vorlage gebunden hat, dennoch aber keine Mühe hatte, es dem eigenen typischen künstlerischen Gesamtwerk unterzuordnen. Wenn „Edward mit den Scherenhänden“ sein bester und schönster und „Big Fish“ sein reifster und schwelgerischster Film ist, dann ist die „Schokoladenfabrik“ in gewisser Weise seine märchenhafteste Arbeit. Ein Märchen für groß und klein, witzig, abgedreht, ein wenig wird der Zeigefinger erhoben (denn schließlich hat jede G’schicht ihre Moral) und gruseln darf man sich auch durchaus. Das ist wahrhaft phantastisches Kino im reinsten Wortsinn.
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
"Charlie und die Schokoladenfabrik" ist in den verschiedensten Editionen auf DVD, HD DVD und sogar als Unity Media Disc (UMD), dem eigens für die Play Station Portable entwickelten Medium, bei Warner Home Video zu haben. Seltsam nur, dass bislang keine Blu-ray Disc vom Film erhältlich ist. Ich schätze mal, da hat Warner seinerzeit auf den falschen Nachfolger zur lieben alten DVD gesetzt. Tja...
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