Die Ritter der Kokosnuss
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Inhalt
Nachdem vor einiger Zeit der geschätzte Kollege Ruthven auf seine unnachahmliche Weise den John Boorman Film „Excalibur“ besprach und es somit sogar zuwege brachte, mich noch einmal neugierig auf den Streifen zu machen, obschon er doch bereits lange zurückliegend von mir in die „Geht so“ Kiste gepackt worden war, mich aber leider auch diesmal nicht in gleicher Weise zu begeistern vermochte wie den lieben Ruthven, konnte ich aber seiner Referenz an die Monty Pythons und deren Version von der Gralslegende geschuldet einfach nicht widerstehen, euch heute von eben diesem Film zu berichten, den meine Wenigkeit tatsächlich für den komischsten Einer aller Zeiten hält. Doch keine Angst, hier spritzt dennoch das Blut und die Gliedmaßen fliegen nur so durch die Gegend, es treten Hexen auf und abstruse Monster töten tapfere Recken. Der Film hat also jede Berechtigung hier aufgenommen zu werden. Er ist halt nur ein wenig obskurer als die meisten anderen Filme, die hier jemals Erwähnung fanden/finden werden. Garantiert!
Das Problem ist nur, wie soll man die Handlung dieses vollkommen durchgeknallten, ja teils dadaistischen Streifens, der eher eine Aneinanderreihung skurriler Gags ist, teilweise aber dennoch auf mehreren Handlungsebenen in Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig spielt, nur wiedergeben? Versuchen wir uns also an einem Gerüst, einem groben Abriss:
Wir schreiben das finsterste Mittelalter. König Artus durchsteift mit seinem Diener Patsy das Land, um geeignete Ritter für seine Tafelrunde zu finden. Zunächst gabelt er Bedevere auf, der weiß, wie man Hexen erkennen kann. Später gesellen sich noch der tapfere Lancelot, der nicht so tapfere Robin und der edle Galahad samt ihrer denkwürdigen Dienerschaft zu der illustren Runde, die sich wieder trennt, als sie vom lieben Gott den Auftrag erhält, nach dem heiligen Gral zu suchen. Diese Gralssuche läuft allerdings vollkommen anders ab, als sie beispielsweise bei Wolfram von Eschenbach überliefert wird. Die Helden müssen sich in aberwitzigen Abenteuern mit Killerkaninchen messen, mit einem seltsamen Brückenwächter, Rittern, die „Ni“ sagen oder den Bewohnerinnen der Burg Dosenschreck, die der Unschuld von Sir Galahad den Garaus machen zu trachten. Schließlich bekommt Britanniens legendäre Ritterschaft am Ende gar noch Ärger mit der Polizei, und zwar der gegenwärtigen, denn irgendwie scheinen die Ritter der Tafelrunde in Verbindung zu stehen mit der Enthauptung eines Historikers. Kann das angehen?
Kommentar
Und ob, liebe Leute, denn noch immer gilt schräg, schräger, Monty Python! Entweder man mag die Truppe, oder man kann mit ihrem bizarren Mutterwitz so gar nichts anfangen. Was den sechs Anarcho-Humoristen Eric Idle, John Cleese, Terry Jones, Terry Gilliam, Michael Palin und dem leider viel zu früh verstorbenen Graham Chapman hier so alles an staubtrockenen Gags, derben Albernheiten, aberwitzigen Wortklaubereien und chaotischem Gaga einfiel, das lässt sich tatsächlich nur schwer in Worte kleiden. Und dennoch ist eben dieser Film aller Gesetzlosigkeit zum Trotz so viel mehr als eben nur die Summe der einzelnen Teile.Doch werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Umstände, unter denen dieser erste richtige Streifen der Pythons seinerzeit entstanden ist.
Es war das Jahr 1974. Das Kapitel Monty Python war im Prinzip für die Beteiligten schon so gut wie zugeschlagen und gehörte nahezu der Vergangenheit an. John Cleese hatte sich bereits aus der „Flying Circus“ TV Show verabschiedet und machte sich mit seiner Frau Connie Booth Gedanken zu „Fawlty Towers“, seiner inzwischen legendären Fernsehserie um das merkwürdigste Hotel Englands. Auch Michael Palin und Eric Idle hatten bereits Pläne für eigene Projekte, und Terry Gilliam ging angeblich schon mental schwanger mit ersten Ideen für einen Film, den er damals noch „1984 ½“ nennen wollte und der später unter dem Titel „Brazil“ Kinogeschichte schreiben sollte. Dennoch raffte sich der krude Verein noch einmal zusammen, um einen Spielfilm zu drehen. Der Vorgänger „Die wunderbare Welt der Schwerkraft“ war ja im Prinzip nichts anderes als die Aneinanderreihung der famosesten Gags aus der „Flying Circus“ TV Serie. Doch die Pythons wären selbstredend nicht die Gleichen, wenn sie nicht in diesem Fall einem vollkommen anderen Konzept gefolgt wären. Allerdings sollte die Produktion nicht ohne Probleme vonstatten gehen, wovon sich die sechs Querköpfe allerdings nicht den Spaß verderben ließen und dafür mit dem ihnen eigenen Erfindungsreichtum an die Sache gingen.
Das Hauptproblem ergab sich aus dem schmalen Budget das ihnen zur Verfügung stand. Zwar sponserten die Rockbands Pink Floyd und Led Zeppelin die Pythons, doch um einen Film, der im Mittelalter spielt, authentisch auf die Leinwand zu zaubern, reichte es auch mit deren Hilfe hinten und vorn nicht. So sparte sich die quasi reformierte Truppe – John Cleese war hier wieder mit an Bord - die Kosten für Pferde und Reitunterricht ein, indem sie einen alten Gag von Peter Sellers aufgriffen und die Diener der jeweiligen Ritter zwei Kokosnusshälften aufeinander schlagen ließen um die Reitgeräusche zu imitieren. Die Darsteller hüpften gekonnt dazu herum und taten einfach so, als würden sie reiten. Dieser Umstand führte letztlich auch zum (doofen) deutschen Titel. Überhaupt, die deutsche Synchronisation ist mal wieder ein typisches Kind seiner Zeit. Klar ist es schwer, den feinen Sprachwitz der Komiker ins deutsche zu retten, aber weiland war man doch eher in typischer Rainer Brandt Art –das ist der Mann, der mit dem Eindeutschen und der legendären Synchronisation für die geniale TV Serie „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis eine echte Großtat ablieferte, oft kopiert und doch nie erreicht wurde - bemüht, mit allerlei Kalauern den Wortwitz des Originals zu verfälschen, weshalb ich auch nur jedem der englischen Sprache mächtigen Menschen empfehlen möchte, sich den Film im Original zu geben.
Ferner entwickelten die Pythons und insbesondre Terry Gilliam einmal mehr die Kunst, Szenen in Gilliams kauziger Trickfilmweise fortzusetzen. Dies sparte logischerweise einiges an Kosten ein und trug dennoch oder gerade deshalb dazu bei, dem Film seine im positiven Sinne kranke Optik zu verleihen. Sicher ist das nicht jedermanns Sache, aber genau so klar wird man das, ich erwähnte es ja bereits, von so ziemlich allem behaupten können, was Monty Python jemals trieb. Klar, nicht alle Gags zünden, vor allem nicht beim ersten Anschauen des Films und erst recht nicht, wie ja schon angeführt, in der deutschen Fassung, aber das ist auch gar nicht wirklich wichtig, denn bei allem Slapstick und aller Albernheit steckt natürlich noch viel mehr hinter dieser respektlosesten Gralsuche, die es je gegeben hat. Da ist zum einen natürlich die Dekonstruktion des Mediums Film als solchem offenbar, einem klaren Bruch mit den Sehgewohnheiten des Kinopublikums, das es an und für sich ja gewohnt ist, eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende in einer mehr oder weniger chronologisch ablaufenden Linie erzählt zu bekommen. Dieses Stilmittel haben die Pythons freilich nicht erfunden, man denke nur an Surrealisten wie beispielsweise Luis Bunuel oder die Vertreter der französischen Nouvelle Vague wie Jean-Luc Godard, an Radikalfilmer wie Kenneth Anger oder zahllose andere, deren Bemühungen, den Spielfilm zu einer echten eigenen Kunstform mit Message zu erheben, an anderer Stelle gewürdigt werden sollen (weil sonst der Rahmen dieser Kritik deutlich überschritten werden würde), aber Monty Python haben eben auf die ihnen eigene Art und Weise dazu beigetragen, auf diesem Wege Kinogeschichte zu schreiben. Außerdem schlachteten sie mit ihrem frechen Umgang mit der Artus-Mythologie gerade in England, dem Mutterland der Saga, eine heilige Kuh! Dies ist in etwa zu vergleichen mit den filmischen Exkursionen eines Christoph Schlingensiefs in die deutsche Geschichte, nur eben weitaus öffentlicher, lustiger, weniger verkopft und ähem, weitaus weniger anstrengend. Sorry, Christoph! Gleichermaßen ist der „Kokosnuss“ Film Medienschelte und makabre Satire an der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Idee der EU, in der sich die Erbfeinde GB und Frankreich im Duell alle Klischees liefern, die man sich nur denken kann.
Für die Regie zeichneten sich übrigens die beiden Terrys der Gruppe verantwortlich, der Terry Gilliam, dessen spätere Regiehandschrift hier bereits durchaus zu erkennen ist, und der andere Terry, namentlich Jones, über dessen spätere Großtat, das abseitige Fantasy Märchen „Eric der Wikinger“, ich an anderer Stelle euch gern mehr erzählen werde (so mir hier niemand zuvor kommt.)
Die Pythons als Darsteller der bizarren Figuren, die im Film auftreten, im Einzelnen zu loben, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Jeder von ihnen spielt neben seinem Hauptcharakter zahlreiche Nebenfiguren und ist dabei so brillant, wie es die Fans von der TV Show gewohnt sind. Eine Portion Wahnsinn ist stets dabei.
Warum hat also der Film seine Berechtigung hier Aufnahme zu finden? Ganz einfach, es handelt sich dabei um eine respektlose, anarchische Aufarbeitung der Gralslegende, eines klassischen Fantasystoffs also, bei dem aller Clownereien zum Trotz das Blut literweise fließt, die Gliedmaßen nach Schwertkämpfen durch die Gegend fliegen (siehe beispielsweise den Kampf mit dem schwarzen Ritter) und stets eine unheilvolle Atmosphäre herrscht, die man als unheimlich beschreiben kann, zumindest aus Sicht der auftretenden Figuren. Der Film ist im besten Sinne als surrealistisch zu bezeichnen und hat schon allein deshalb alle Berechtigung als „phantastischer Film“ gesehen zu werden. Wir haben es hier mit einer Fantasy Komödie zu tun, die ihresgleichen sucht, was kaum zu finden sein wird. Doch Obacht, wer abseitigen, zynischen, makabren und zutiefst schwarzen Humor mit linksintellektueller Prägung nicht mag oder nicht nachvollziehen kann, der ist hier leider völlig Fehl am Platze. Ale anderen werden den Film vermutlich ohnehin kennen und, so fern sie humorig ähnlich veranlagt sind wie der Rezensent, eben diesem bei der Bewertung zustimmen.
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Die DVD gibt es in diversesten Editionen via Columbia TriStar sowie in einer Ultimate Edition bei Sony. Die VHS Version erschien seinerzeit ebenfalls bei Columbia TriStar wie auch bei der Firma ScreenTime. Auch Laserdisc-Freunde dürfen jauchzen, denn auch in ihrem Lieblingsformat ist der Film zu haben, ist er doch seinerzeit als große Scheibe bei der VCL herausgegeben worden.
Filmbewertung
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