Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse

Originaltitel: Lemony Snicket’s A Series Of Unfortunate Events
Alternativtitel: Lemony Snicket's Rätselhafte Ereignisse
A Series of Unfortunate Events
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  2004
Regie: Brad Silberling

Darsteller

Figur

Jim Carrey  Graf Olaf
Emily Browning  Violet Baudelaire
Liam Aiken  Klaus Baudelaire
Kara Hoffman und Shelby Hoffman  Sunny Baudelaire
Meryl Streep  Tante Josephine
Billy Connolly  Montgomery Montgomery
Timothy Spall  Mr. Poe
Catherine O'Hara  Richterin Strauss
Dustin Hoffman  Kritiker
  
Genre: Fantasy
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Inhalt

Die drei Baudelaire-Kinder Violet, Klaus und Sunny sind wahrlich nicht zu beneiden. Gerade erst haben sie bei einem tragischen Unglücksfall, einem Brand, der gleich ihr ganzes Haus zerstörte, ihre geliebten (und steinreichen) Eltern verloren, nun sollen sie auch noch unter die Vormundschaft ihres nächsten Verwandten gestellt werden, dem erfolglosen Schauspieler Graf Olaf, welcher sich als egomanischer und habgieriger Kauz entpuppt, der die Kinder für sich schuften lässt und letztlich nur nach dem riesigen Baudelaire Vermögen lechzt, welches er als Vormund im Falle eines Falles erben würde. So schmiedet er schon finstere Intrigen für ein tragisches Unglück, welches die ihm lästigen Kids aus dem Weg räumen könnte. Auf einem Ausflug lässt Olaf das Auto mit den darin eingesperrten Kindern „aus Versehen“ auf einem Schienenstrang stehen, während er selber in einen 7/11 Shop einkehrt. Bedrohlich nähert sich von fern bereits ein Expresszug. Doch während der Erbschleicher bereits frohlockt, gelingt den cleveren Geschwistern in letzter Sekunde die Befreiung. Graf Olaf wird das Sorgerecht entzogen, die Kinder kommen zum netten Zoologen Dr. Montgomery, der sich mit ihnen auf Forschungsreisen in den peruanischen Dschungel begeben möchte.

Doch erneut nähert sich das Unheil in Person des niederträchtigen Olaf, der verkleidet als italienischer Wissenschaftsassistent Stephano Montgomery um die Ecke bringt. Doch erneut geht sein Ränkespiel nicht auf, und die Baudelaires werden ihrer entfernten Verwandten Tante Josephine zugesprochen. Diese hat sich zwar nach dem tragischen Tode ihres Mannes Ike, der von sinistren Blutegeln gefressen wurde, welche im Seufzersee vorkommen, an dessen Ufern Josephine lebt, zu einer ängstlichen, einsamen Existenz zurückgezogenen, doch versteht sie sich mit den Kindern recht gut. Die einzig verbliebene Leidenschaft Josephines ist die Grammatik, die sie über alles liebt. Und wieder beginnt Olaf, nun in der Maske des Seemanns Talmi, an den Fäden zu ziehen. Er täuscht Josephines Selbstmord vor und zwingt sie, einen vermeintlichen Abschiedsbrief an die Waisen zu schreiben und darin das Sorgerecht auf ihn, Talmi, zu übertragen. Doch der Wortkünstlerin gelingt es, mit einem grammatischen Code die Kurzen auf die richtige Fährte zu führen. Als diese Josephine befreit haben, werden sie auf dem See von den Blutegeln angegriffen. Da erscheint abermals Olaf, der die Tante dem Getier opfert und die Kinder mitnimmt.

Nun geht er einem neuen Plan nach und fordert von Violet die Eheschließung mit ihm. Als Druckmittel setzt er deren kleine Schwester Sunny ein, die er andernfalls zu töten droht. Doch im rechten Augenblick kann Klaus die Farce verhindern und Graf Olaf als den Mörder der Baudelaire Eltern entlarven. Dennoch gelingt Olaf die Flucht, die Kinder werden dem nächsten, ihnen unbekannten Vormund zugeführt….

Kommentar

In Deutschland noch nicht so bekannt haben in den USA die skurillen „Lemony Snicket“ Romane des Kritikerlieblings Daniel Handler längst an Popularität mit den „Harry Potter“ Büchern einer Joanne Rowling im Jugendbuchsektor gleichziehen können. Rund 30 Millionen Exemplare seiner Geschichten hat Handler drüben bereits über die Ladentheken gehen lassen, somit war es ja nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood sich über die Vorlagen hermachen würde. Und man tat gut damit, denn zumindest in künstlerischer Auswertung gelang Regisseur Brad Silberling, einem Mann mit wechselhafter Karriere aber klar vorhandenem Talent, ein durchaus beachtlicher Wurf! Er vollbrachte das Kunststück, auf wundersame Weise aus den literarischen Vorlagen, die jeweils erwachsene wie jüngere Leser auf bewusst unterschiedlichen Ebenen ansprechen (und begeistern), einen eben solchen Film zu zaubern, und das darf man dann wohl als gelungenes Kino bezeichnen. Allein die Verpflichtung des großen Jim Carrey, der sich inzwischen ja lange von seinem peinlichen Gummigesicht-Image der „Ace Ventura“ Tage hat freispielen können und sich als brillanter Schauspieler sowohl im Charakter- wie im anspruchsvollen Komödienfach etablierte, für die Rolle des intriganten Grafen Olaf ist ein Glücksgriff sondergleichen. Er ist in seiner Maske, irgendwie eine wilde Mischung aus dem Murnau’schen Nosferatu und dem Riff Raff aus der „Rocky Horror Show“, kaum wieder zu erkennen und doch ist er unverkennbar. Herrlich, wie er sich als bizarrer Schurke Olaf austobt, der in immer neuen Verkleidungen der Baudelaire Kinder und ihres Vermögens habhaft zu werden trachtet. Man könnte fast sagen, Carrey allein ist schon jeden Cent des Eintrittspreises wert. Aber tatsächlich kriegt man noch viel mehr für sein Geld, doch dazu gleich mehr. Allerdings unken böse Zunken, Quatsch, Zungen während Unken funken (oder rufen?), Carrey hampele hier mal wieder reichlich übertrieben umher, betreibe Overacting vor dem Herrn. Doch dem kann man nur entgegenhalten, klar macht er das, und das ist auch gut und gewollt so! Das erwartet man schließlich auch von ihm, wenn man ihn in derart besetzt. Und es macht einen Heidenspaß, ihm dabei zuzuschauen. Jawoll!

So mancher befindet den Film als zu lang, und dem würde ich eventuell gar nicht widersprechen, denn manches Mal geht dem schrägen Fantasy-Märchen tatsächlich etwas die Puste aus, was in der Hauptsache daran liegt, dass Silberling und sein Drehbuchautor Robert Gordon sich gleich auf drei Bücher des „Snicket“ Zyklus stürzten. So entsteht in der filmischen Auswertung schon mal der Eindruck, man habe es hier mit mehr oder weniger insgesamt sogar vier abgeschlossenen Episoden einer Serie zu tun, die man lose miteinander verwoben hätte. Kann man aber trotzdem ganz gut mit leben, behaupte ich jetzt einfach, denn dafür wird man hinlänglich mit allerlei anderen glücklich machenden cineastischen Bonbons entschädigt.

Im Prinzip ist „Lemony Snicket“ ein modernes Märchen mit klassischen Zutaten, das aber weitaus finsterer und vielschichtiger daherkommt als beispielsweise eben die „Potter“ Filme. Fast als hätten sich die Monthy Pythons mit Charles Dickens und den Brüdern Grimm zusammengetan und dann Tim Burton beauftragt, für die Optik des Films zu sorgen. Und genau hier weiß der Film zu punkten. Die Ausstattung kann man nur als grandios bezeichnen, aber was Wunder, schließlich haben die Geldgeber rund 100 Millionen $ in den Budgettopf springen lassen. Dennoch bedarf es ja eines Visionärs, aus der Kohle dann auch letztlich das zu machen, was Silberling und sein Team zuwege brachten, und der scheint sich wirklich sehr genau angeschaut zu haben, wie sein Kollege Burton das normalerweise macht. Übrigens, auch Burton wäre sicher ein guter Kandidat für den Regiestuhl auf dem „Lemony Snicket“ Filmset gewesen, gar keine Frage, das, aber müßig ist es dennoch darüber nachzusinnen, was er wohl aus dem Stoff gemacht hätte. Wahrscheinlich hätte Johnny Depp dann den Grafen Olaf gegeben, was durchaus auch eine Idee nicht ohne Reiz ist, aber das Leben findet nun mal nicht im Konjunktiv statt. Dennoch, Silberling hat sich ganz klar von Meister Burton inspirieren lassen, der ja seinerseits von den alten Universal Gothic Filmen und dem deutschen Filmexpressionismus eines Fritz Lang, Robert Wiene oder Friedrich Wilhelm Murnau beeinflusst wurde, und dessen Bildsprache zum Ausdrucksmittel erhoben. Und das hat er in weiten Teilen wirklich sehr ordentlich gemacht. Durchaus darf man „Lemony Snicket“ auch als einen modernen expressionistischen Film bezeichnen, denn Silberling wusste genau jene typischen Stilmittel gekonnt einzusetzen. Zum einen sind da die teilweise fast caligarischen Sets und die eben burtoneske Ausstattung, die ja bewusst unwirklich erscheint (aber eben sehr liebevoll zusammengestellt wurde, das merkt man!), zum anderen eben der übertriebene Gestus des Jim Carrey, der ja auch wie schon gesagt, ein wenig an den „Nosferatu“ Max Schrecks gemahnt, seine Rolle aber weitaus theatralischer anlegt. Dennoch kriegt Silberling den riskanten Spagat, den Film auf der einen Seite auf eine surrealistische Ebene zu stellen und auf der anderen Seite auch das Mainstream Publikum zu bedienen, denn schließlich sollte ja ein jugendliches Publikum die Lichtspielhäuser zuhauf stürmen, nicht immer ganz konsequent hin. Hier hätte sich Burton vermutlich leichter getan, siehe exemplarisch dessen „Big Fish“, „Edward mit den Scherenhänden“ oder „Charly und die Schokoladenfabrik“, meinethalben auch seine „Batman“ Filme.

Schauspielerisch gibt es hier gar nichts zu mosern. Carrey haben wir ja bereits ausreichend gelobt, er ist der Star des Films und macht seine Sache astrein! Doch da sind ja noch weitere große Namen am Start wie Meryl Strep als Tante Josephine, Billy Connolly als Montgomery Montgomery oder Timothy Spall als Mr. Poe. Sie sind alle großartig, werden aber vom alles beherrschenden Jim Carrey an die Wand gespielt. Doch, und das ist in der Tat eine Überraschung, gegen jene Riege verdienter Schauspielkünstler können sich auch die jungen Darsteller der Baudelaire Kiner eindrucksvoll behaupten. Besonders hervor tut sich hierbei die junge Australierin Emily Browning als Violet Baudelaire, die während der Dreharbeiten süße 16 war und der ich noch eine große Karriere orakeln würde. Der New Yorker Liam Aiken, der schon 2002 an Tom Hanks Seite in “Road to Perdition” auffiel, liefert ebenfalls eine überzeugende Figur als Klaus Baudelaire ab. Die kleine Sunny, die noch nicht sprechen kann, deren Gedanken aber dem Zuschauer per Untertitel mitgeteilt werden, was eine sehr putzige Idee ist, wird von den Zwillingen Kara und Shelby Hoffman gespielt, und ist neben Jim Carrey sowieso die Attraktion des Films.

Ein letzter Blick auf’s Wesentliche:
„Lemony Snicket“ ist ein guter, wenn auch nicht grandioser, verschrobener Fantasyfilm mit Gruselelementen, der sich im Prinzip hauptsächlich an ein jugendliches Publikum richten möchte/muss, der aber aufgrund seiner anspruchsvollen Ausdrucksform doch eher nur von einem jung gebliebenen erwachsenen Publikum letztlich verstanden werden wird. Der Kniff, den Film künstlerisch anspruchsvoll zu gestalten und gleichzeitig den Blockbuster der Saison zu erschaffen, hat nicht in letzter Konsequenz funktioniert, doch das macht nichts, denn der „Lemony Snicket“ kann auf künstlerischer Habenseite weitaus mehr verbuchen als in der finanziellen Auswertung. Sämtliche Darsteller machen ihren Job gut bis grandios, die Ausstattung ist bestechend. Allemal ist der Film besser als sämtliche „Potter“ Filme mit Ausnahme des „Gefangenen von Askaban“, dem bisherigen Highlight der Serie, den ich als gleichwertig gelungenen Film betrachten würde, wenngleich auch dieser völlig anders gestaltet ist. Der Kritiker hat sich gefreut, gut unterhalten gefühlt und war mitunter sogar begeistert. Gut gemacht, Brad Silberling!

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

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Veröffentlichungen

VHS und DVD kann man via Dreamworks/Universal erwerben, wenn man denn möchte!

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