Das Blutgericht der reitenden Leichen

Originaltitel: La Noche de las Gaviotas
Alternativtitel: Die reitenden Leichen 4
The Blind Dead 4
Don't Go out at Night
Night of the Blood Cult
Night of the Death Cult
Night of the Seagulls
Terror Beach
Herstellungsland: SpanienSpanien
Erscheinungsjahr:  1975
Regie: Armando de Ossorio

Darsteller

Figur

Víctor Petit  Dr. Henry Sowa
María Kosty  Juana Sowa
Sandra Mozarowsky  Lucy
José Antonio Calvo  Teddy
Julia Saly  Tilda Flanagan
Javier de Rivera  Doktor
María Vidal  Tildas Mutter
  
Genre: Grusel, Okkult
Sequels: Die Nacht der reitenden Leichen (1971)
Das Blutgericht der reitenden Leichen (1975)
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Inhalt

Ja ja, das Mittelalter war schon eine finstere Zeit. Böse Burschen trieben da ihr Unwesen und schmiedeten finstere Ränke mit barbarischen Götzengestalten. Abtrünnige Tempelritter irgendeines Ordens (dem Logo auf ihren Kutten zufolge sind’s jedenfalls keine offiziellen Templer, noch Deutschherren, Malteser oder Draconiere) verschrieben sich hier einem blutigen Kult um Unsterblichkeit zu erlangen. Jungfrauen (doch, doch, die gab’s damals noch) wurde das Herz herausgeschnitten um es einer Dämonen/Götzen/Fischfressenstatue zu opfern, und das Blut der bedauernswerten Maiden brausten sich die Tempelherren dann hinter den Knorpel. Doch offensichtlich hat sich der Pakt mit dem Glotzfisch Baphomet rentiert, denn auch in der relativen Gegenwart des Jahres 1975 treiben die inzwischen reichlich modernden Templer in der spanischen Pampa noch immer ihr schmarotzendes Unwesen, wobei der Fluch der Kreuzzügler auf seltsame Weise auch auf ihre Reittiere übergegangen zu sein scheint, denen allerdings die letzten vielleicht 900 Jahre wesentlich besser anmuten als ihren Horsemen, denn die Schindmähren zeigen irgendwie so gar keine Abnutzungserscheinungen. Sei’s drum!
Jedenfalls erheben sich die rostigen Ritter jedes Jahr für sieben Nächte aus ihrer Krypta um frisches Jungfrauenblut zu tanken, und die Dorfbewohner jenes verwunschenen Landstrichs gehen ihnen dabei zur Hand indem sie den reitenden Leichen sieben ihrer unbefleckten Töchter opfern. Sonst werden die wohl richtig zickig und machen im Gegenzug das Kaff platt, oder so. Jedenfalls wäre ich ja unter diesen Umständen lange da weggezogen, doch nicht so die Bürger dieser finsteren Diasporra, die sich scheinbar bräsig in ihr Schicksal ergeben und lieber prächtige Prozessionen veranstalten, um ihre Töchter den Untoten auszuliefern.

Doch eines Tages kehrt der junge Arzt Dr. Henry Sowa samt moderner Gattin Juana in das Kaff ein, will er doch dort die Stellung des Landarztes antreten. Sein Amtsvorgänger rät dem engagierten jungen Mann nichts zu hinterfragen, und hat es dann ziemlich eilig das Weite zu suchen. Bereits in der ersten Nacht erlebt das junge Paar einen merkwürdigen Umzug Richtung Playa, misst dem aber an sich keine große Bedeutung zu. Doch als dann der Dorfdepp Teddy und die örtlichen Jungfrauen Schutz beim aufgeklärten Dottore suchen, brennt bald die Bude, mögen doch die Dorfbewohner mit ihren Traditionen scheinbar nur sehr ungern brechen.

Und so sucht bald das Paar sein Heil in der Flucht und gerät verwegen ins Zentrum der verwesenden Templer. Und nun? Nun heißt es den fischigen Götzen zu zerstören, denn sonst…
Tja, wird das dem beherzten Paar gelingen oder werden die zombigen Paladine obsiegen? Wird dem unheiligen Kult endlich der Garaus gemacht, oder müssen die reitenden Leichen für alle Zeiten in ewig schlechteren Fortsetzungen jungfräuliche Blutbäder veranstalten?

Kommentar

Nun, zumindest vor diesem Pesthauch der Filmgeschichte blieben die dämonischen Schildknappen verschont, denn dieser Film sollte der letzte der Serie bleiben, die mit der „Nacht der reitenden Leichen“ kultig begann, dann zwei relativ schlappe Fortsetzungen hervorbrachte („Die Rückkehr der reitenden Leichen“ und, Achtung, „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“), um dann schließlich mit vorliegendem Streifen den reitenden Leichen einen würdigen Abgang zu bereiten. Tatsächlich darf man den Film sogar als das Glanzlicht des Zyklus bezeichnen, für den die leider im Jahre 2001 verstorbene spanische Trashfilmikone Armando de Ossorio sich verantwortlich zeichnete. Ossorio war die eine Spitze einer Troika von filmischen Alleskönnern, die neben ihm in den 1960’er und 1970’er Jahren, der goldenen Ära des spanischen Gruselkloppers, von Jesus „Jess“ Franco und dem argentinisch stämmigen Leon Klimovsky vervollständigt wurde. Alleskönner deshalb, weil die entsprechenden Herren neben der Regie auch oft noch Drehbuch, Ausstattung, Kamera, Beleuchtung, etc. selbst erledigten. Ist halt kostengünstiger, und genau davon lebte der spanische Horrorfilm jener Jahre. Das sieht man ihm zumeist deutlich an, und genau deshalb macht er in aller Regel auch einen Heidenspaß!

Dies trifft natürlich auch auf „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ zu, welcher im Prinzip alle wichtigen Ingredienzien der spanischen Schauerpaella zu bieten hat. Dennoch handelt es sich hierbei nicht ausschließlich um einen Schenkelklopfer, dessen Unterhaltungswert lediglich seinem Trashfaktor geschuldet ist. Tatsächlich gelang es de Ossorio seinem Film eine unheimliche Atmosphäre zu verpassen, die zumindest ansatzweise an die Essenz mancher H.P. Lovecraft Geschichte erinnert mit seinen finstren Prozessionen, dem uralten Kult und dem steinernen Götzen, der auch ein Anverwandter vom Herrn Cthullu sein könnte. Zudem beschäftigt sich de Ossorio diesmal ein wenig eingehender mit seinen Hauptfiguren und bringt sie einem ein wenig näher, als er das in den Vorgängerfilmen tat, so dass man tatsächlich so etwas wie Sympathie für sie empfindet und deshalb auch den Szenen, in denen sie sich vor den „blinden Toten“ (abgeleitet aus dem Originaltitel) in ihrem Haus verbarrikadieren, durchaus Spannung attestieren kann. Die Darsteller entstammen der üblichen Liga solcher Filme und machen ihre Sache mal mehr, mal weniger verhältnismäßig ordentlich, doch es sticht niemand besonders aus dem Ensemble heraus. Allerdings hat man durchaus den Eindruck, Ossorio hat sein Cast diesmal mit einer gewissen Sorgfalt geleitet, was auch nicht unbedingt über jeden seiner Filme gesagt werden kann. Auch hat er es mit den Splattereffekten im „Blutgericht“ nicht übertrieben, hat aber den einen oder anderen blutigen Schockmoment platziert in seinem Film untergebracht und auch ansonsten durchaus einen dramatischen Spannungsbogen aufbauen können, was ihm in den Vorgängerfilmen ebenfalls nicht immer so ganz hat gelingen wollen. Natürlich gibt es aber auch die üblichen, eigentlich ja fast schon lieb gewonnenen, typischen B-Film Verfehlungen wie unlogische Tageszeitenwechsel, mal ist es hell, dann wieder dunkel, dann wieder hell. Auch ist die Rede davon, dass die lebenden Toten sich stets zur Mitternacht aus ihren Gräbern erheben sollen um sich ihr Nachtmahl zu holen, allerdings stelzen die Knechte bereits zumeist schon in der Dämmerung umher. Können es wohl nicht erwarten, wie? Das manch eine Einstellung aus einem Vorgängerfilm recyclet wurde, ist ebenfalls ziemlich offensichtlich, aber das alles sind ja letztlich Umstände, die einen solchen Film in irgendeiner gewissen Weise auch unsterblich machen.

Vielleicht noch mal ein Wort zu den Untoten selber, den berüchtigten reitenden Leichen. Eigentlich habe ich nie verstanden, was die denn nun so furchtbar gefährlich sein lässt. Ich meine ist klar, wenn so ein paar uralte tote Rittersleut’ nachts durch die Gegend reiten und auch noch so hübsch hässlich gammelig aussehen wie diese hier, das kann einen schon mal erschrecken, keine Frage, aber schlussendlich sind sie blind und bewegen sich in einer Geschwindigkeit, die man nicht unbedingt mit dem Wort rasant umschreiben möchte, ich meine, die kämen doch heutzutage nicht mal mehr sicher über eine Straße, oder? Und wenn sie, wie im vorliegenden Film, sowieso nur an sieben Tagen umgehen, wieso ist dann nicht mal längst wer auf die Idee gekommen, irgendeinen der restlichen 358 Tage dazu zu nutzen, die modrigen Überreste der dann ja ganz normal tot danieder Liegenden abzufackeln, in den Mixer zu geben oder sonst was? Aber gut, ähnliche Fragen kann man ja praktisch zu jedem Horrorfilm stellen, also nehmen wir das einfach mal so hin, auch wenn es uns spanisch vorkommt!

Insgesamt betrachtet hat Armando de Ossorio uns eine hübsch knackige Schauermär der B-Kategorie gedreht, die zwar viele Merkmale des Genres aufweist, die meisten Filme seiner Art aber dennoch übertrifft, wenngleich auch mitunter nur um Nuancen. Immerhin weist der Film eine spukige, gruftige Atmosphäre auf und bietet eine gewisse Dramatik, so dass man 85 Minuten doch recht ansprechend unterhalten wird. Wer mit Filmen dieser Art prinzipiell wenig anfangen kann, der wird auch hier freilich nicht das Ei des Kolumbus neu entdecken oder vom Saulus zum Paulus mutieren. Alle anderen können ja mal einen Blick riskieren, denn es macht schon Spaß, dieses Blutgericht, zu dem die reitenden Leichen hier einladen.

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist in diversen Schnittfassungen von unterschiedlichen Häusern herausgegeben worden, wobei man hier auf die Laufzeiten achten sollte, denn einige dieser deutschen Versionen sind doch ärgerlich beschnitten. Auf DVD ist der Film über ASTRO und Laser Paradise zu haben, bei letzteren auch in einem schönen Schuber mit den anderen drei Teilen als "Legende der reitenden Leichen". Hierbei handelt es sich um die Collectors Edition und somit sind die Filme ungeschnitten. Es gibt aber noch zwei weitere Editionen der gesamten Serie, eine ebenfalls bei Laser Paradise herausgegeben, wobei es sich sogar um komplett neue Schnittfassungen handelt, und eine von Carol Media auf den Markt gebrachte, die ebenfalls geschnittene Versionen enthält.
VHS Fans klingeln ebenfalls bei ASTRO wenn sie den Film haben möchten, hier erschien auch eine auf 500 Exemplare limitierte "Leichenbox" mit allen vier Teilen. Ursprünglich erschien die deutsche VHS Version bei EuroVideo. Auch diese Version war seinerzeit ungekürzt.

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