Sky Captain and the World of Tomorrow

Originaltitel: Sky Captain and the World of Tomorrow
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  2004
Regie: Kerry Conran
 

Darsteller

Figur

Gwyneth Paltrow  Polly Perkins
Jude Law  Sky Captain
Giovanni Ribisi  Dex
Michael Gambon  Editor Paley
Bai Ling  Müsteriöse Frau
Omid Djalili  Kaji
Laurence Olivier  Dr. Totenkopf
Angelina Jolie  Franky
Trevor Baxter  Dr. Jennings
Julian Curry  Dr. Vargas
  
Genre: Science-Fiction
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 Filmplakat

Inhalt

New York, 1939: Während überall auf der Erde bedeutende Wissenschaftler verschwinden, tauchen in den Metropolen rund um den Globus zerstörerische Roboterarmeen auf, die es auf moderne Energieanlagen und ähnliche technische Gerätschaften abgesehen haben. Die Reporterin Polly Perkins findet heraus, daß hinter dem ganzen Ungemach ein seit Jahren verschwundener deutscher mad scientist mit dem schönen Namen Dr. Totenkopf steckt. Der arbeitet irgendwo im Geheimen an seiner „Welt von morgen“, an deren Anfang der Untergang der Welt von heute steht: In dem Moment, in dem Totenkopfs moderne Arche die Erdatmosphäre verläßt, soll die nach seiner Ansicht verderbte Menschheit ausgelöscht werden. Polly sucht ihren Ex-Freund Joe Sullivan auf, der unter dem Titel „Sky Captain“ eine als internationale Hilfspolizei agierende Fliegerstaffel befehligt. Als sein Chefkonstrukteur Dex ebenfalls von den Robotern entführt wird, machen sich Joe und Polly auf die Suche nach Totenkopf. Sie verfolgen seine Spur bis ins sagenumwobene Shangri-La und darüber hinaus, doch ihnen bleibt nicht viel Zeit: Der Countdown für die „World of Tomorrow“ läuft bereits…

Kommentar

Die Entstehungsgeschichte von „Sky Captain and the World of Tomorrow“ erfüllt fast alle Voraussetzungen des vielzitierten amerikanischen Traums: Da hockt ein junger Mann namens Kerry Conran vor seinem Rechner und bastelt an einem völlig digitalen SF-Film. Er entwirft und programmiert, doch nach vier Jahren sind gerade einmal sechs Minuten im Kasten. Da bekommt diesen Streifen jemand zu sehen, der in Hollywood für’s Geldausgeben zuständig ist, und kurz darauf wird Kerry Conran ein Koffer voller Banknoten in die Hand gedrückt, um sein Privatvergnügen in einen abendfüllenden Multi-Millionen-Dollar-Blockbuster zu verwandeln. Gleichzeitig erklären sich viele Stars bereit, bei dem ungewöhnlichen Projekt mitzumachen, manche Insider sehen in dem Konzept gar das Potential für eine neue Kultfilmreihe. So weit, so Tellerwäschermär’, aber das Erwachen folgt auf dem Fuße: Obwohl die Kritik mehrheitlich zustimmend reagiert, bleibt der Erfolg an der Kinokasse aus, das breite Publikum versagt dem Sky Captain die Gefolgschaft, und anstatt zum neuen Regiestar aufzusteigen, wird Conran fallengelassen wie der sprichwörtliche überhitzte Erdapfel. „Sky Captain“ ist bis heute sein einziger Film geblieben, und nach dem kommerziellen Scheitern wußte auch plötzlich jeder, woran es gelegen hat: an der altbackenen Story, den flachen Charakteren, den schwachen darstellerischen Leistungen des Starensembles…

All die Einwände haben sicherlich erst einmal ihre Berechtigung. Die Handlung, darüber kann man schon nach der Lektüre der obigen Inhaltsangabe nicht im Zweifel sein, ist eine aus den Ingredienzien des Pulp, alter SF-Comics und Film-Serials zusammengeschusterte Räuberpistole sondergleichen, die Charaktere sind ohne jede Tiefe, die Dialoge gerade in den Screwball-Comedy-Passagen zwischen Joe und Polly oft mau und das Schauspiel oberflächlich. Dennoch: Diese Vorwürfe perlen im Grunde an dem Film ab, denn schließlich ist er nichts anderes als ein enorm aufwendiger Tribut an die Groschenhefte, die Comics und die Film-Serials der 20er, 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, an Helden wie Flash Gordon oder Buck Rogers, die nicht die Untiefen ihrer Seele ausloteten, sondern ebenso edelmütig wie eindimensional nichts geringeres zu tun hatten, als Woche für Woche die Welt vor allen möglichen irdischen wie extraterristischen Möchtegernweltbeherrschern zu retten. Wieviel wirkliches Drama will man von Figuren verlangen, die – übrigens auch in der Originalfassung – Dr. Totenkopf oder Polly Perkins (wer dächte bei dem Namen nicht an Reporterkolleginnen wie Supermans Lois Lane oder Batmans Vicki Vale?) heißen oder sich „Sky Captain“ nennen? Die (gewollte) Banalität des Films ist Voraussetzung dafür, daß er seinem Pulp-Gegenstand gerecht wird. „Sky Captain“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Retro-Spektakel auf formal höchstem Niveau.

Der gesamte Film wurde mit dem Bluescreen-Verfahren gedreht, die Darsteller agierten also ausschließlich vor blauen Wänden und wurden später in die computerprogrammierten Sets eingefügt. Dadurch wirkt der Film in jeder Einstellung natürlich höchst artifiziell, doch was vielen Blockbustern den ästhetischen Todesstoß versetzt (Paradebeispiel dafür ist die zweite Star-Wars-Trilogie von George Lucas, die oft einfach wie ein Videospiel aussieht), schafft hier dank des eigenwilligen altmodisch-futuristischen Designs eine ganz eigene Wirklichkeit, und das von der allerersten, fast genial zu nennenden Szene an, in der aus wildem Schneetreiben langsam ein riesiges Luftschiff auftaucht, die Hindenburg II, und am Dach des Empire State Building andockt: Wir wissen sofort, wo wir sind – in welcher Stadt, in welcher Zeit –, und wissen uns doch in einer ganz anderen Welt, denn eine Hindenburg II hat es bekanntlich nach der Katastrophe von Lakehurst nie gegeben. Wie die amerikanische Pop-Kultur in der Zeit zwischen den Weltkriegen gestattet uns „Sky Captain“ einen Blick aus der Vergangenheit in eine Zukunft, die nie eintrat, in der zwar Riesenroboter und interstellare Flüge möglich, aber Fernseher und Mobiltelefone, gar das Internet, unvorstellbar sind. Hier werden mit unaufdringlicher (Selbst-)Ironie die melodramatischen Gesten des alten Hollywood zitiert, vor allem aber die Serials mit Buster Crabbe und auch die mittels Rotoskopie angefertigten Superman-Zeichentrickfilme der Brüder Max und Dave Fleischer aus den frühen 40er Jahren. Der Film kommt nur da etwas ins Trudeln, wo er es – wohl als Zugeständnis an das Massenpublikum – mit der Action übertreibt und die Gigantomanie mit ihm durchgeht, etwa im Finale, das ein wenig an „Moonraker“ (1979) erinnert (einen der schwächsten Bond-Filme). Charmant wiederum ist der Angriff von Totenkopfs Robotern auf die Basis von Sky Captains Fliegerstaffel, der auf eine entsprechende Szene in Roland Emmerichs „Indipendence Day“ (1996) anzuspielen scheint und in seiner klassischen Optik wie die filmgeschichtliche Vorlage des in Wahrheit knapp zehn Jahre älteren Streifens wirkt.

Jude Law, der optisch auch eine gute Wahl für eine Neuverfilmung von „Flash Gordon“ wäre, paßt in der ähnlich angelegten Rolle des Sky Captain wie die Faust aufs Auge; etwas arg zickig wirkt dagegen Gwyneth Paltrow als Polly, doch treibt sie damit letztlich nur das Reporterin-Rollenklischee auf die Spitze. (Law und Paltrow spielten schon in Anthony Minghellas Highsmith-Adaption „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) ein disharmonisches Paar, dort selbstredend um einiges nuancierter als hier.) Die übrigen Darsteller haben nicht mehr als Gastauftritte und erledigen diese souverän; mit leichter Einschränkung gilt das selbst für die schauspielerisch überschätzte Angelina Jolie, deren Overacting hier weniger auffällt als in ihren meisten anderen Filmen. Streitbar ist allerdings die computertricktechnische Reaktivierung der 1989 verstorbenen Schauspiellegende Laurence Olivier, der hier als Dr. Totenkopf ein kurzfristiges posthumes Comeback feiert.

In Conrans inhaltlicher wie stilistischer Konsequenz liegt der Mißerfolg des Films wohl eher begründet als in den oben genannten Kritikpunkten. Denn wer entscheidet über das Wohl und Wehe eines Blockbusters? Nicht die Nostalgiker und nicht über postmoderne Spielereien kichernde Filmjournalisten, sondern die Teenies, vielleicht noch die frühen Twens, die am Wochenende die Multiplex-Kinos stürmen, und daß die mit einer Hommage an Opas Kino nicht viel anfangen können, ist weder verwunderlich noch ihnen vorzuwerfen. Daß nach dem Mißerfolg eine Fortsetzung nicht mehr in Betracht kam, ist auch gar nicht mal das Schlechteste: Die Figuren hätte man nicht weiterentwickeln können, sie sind statisch wie die meisten Comicfiguren der hier beschworenen Epoche, und in puncto Design hat Kerry Conran, ohnehin eher Bilderschöpfer als Geschichtenerzähler, seine Retro-Welt ebenfalls ziemlich ausgereizt. Zu Beginn des Abspanns ist über den Sky Captain alles gesagt, aber diesen einen Streifen hat das Konzept mit Leichtigkeit und Schwung getragen. „Sky Captain and the World of Tomorrow“ ist ein sehr spezieller Film für die Freunde der goldenen Zeit der amerikanischen Pop-Kultur, eine Augenweide voller visueller Anspielungen und Zitate, am Ende etwas überzogen, inhaltlich flach, ohne dabei etwas anderes sein zu wollen, und zugleich weit davon entfernt, sich selbst allzu ernstzunehmen: ein großer Mumpitz, ein großer Spaß, aber eher für die großen Kinder.

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

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Veröffentlichungen

Der Film ist bei Paramount auf DVD erschienen.

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