Der Mieter

Originaltitel: Le locataire
Alternativtitel: The Tenant
Herstellungsland: FrankreichFrankreich, USAUSA
Erscheinungsjahr:  1976
Regie: Roman Polanski

Darsteller

Figur

Roman Polanski  Trelkovsky
Isabelle Adjani  Stella
Melvyn Douglas  Monsieur Zy
Shelley Winters  Concierge
Jo Van Fleet  Madame Dioz
Lila Kedrova  Madame Gaderian
Eva Ionensco  Madame Gaderians Tochter
Rufus  George Badar
Raoul Guylad  Priester
Florence Blot  Madame Zy
  
Genre: Grusel, Thriller
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Inhalt

Paris in den 1970’er Jahren: Der junge, schüchterne Büroangestellte Trelkovsky bezieht ein schäbiges kleines Apartment in einem Mietshaus. Seine Vormieterin Simone Choules liege im Krankenhaus, so erfährt er von der Concierge des Hauses, habe sie doch versucht sich das Leben zu nehmen indem sie aus dem Fenster des Apartments sprang. Tragisch das, befindet Trelkovsky, doch insgeheim befürchtet er, Simone werde wieder genesen, denn dann müsse er ja schließlich wieder ausziehen. Trelkovsky besucht Simone im Hospital, und das ist ein reichlich unheimlicher Krankenbesuch, denn zum einen liegt die junge Frau bandagiert wie eine Mumie in ihrem Bett, Trelkovsky und der Zuschauer sehen nur die Augen und den Mund der Dame, und dem Mund entrinnt ein entsetzlicher Schrei. Obacht, man möge sich an diese Szene erinnern, sie wird uns wieder begegnen, wenngleich auch aus anderer Perspektive. Bei dieser bizarren Visite lernt Trelkovsky Simones Freundin Stella kennen. Wenig später stirbt Simone Choules, die Wohnung ist Trelkovsky nun sicher. Doch was für eine seltsame Bleibe ist das nur?

Als Trelkovsky mit einigen Kollegen eine Einweihungsparty feiert beschweren sich die Nachbarn über ihn bei der Concierge und der Hausverwaltung. Überhaupt scheint die Nachbarschaft eine merkwürdige Schar misstrauischer und überaus feindseliger Gestalten zu sein. Da wäre zum Beispiel Madame Gaderian, die mit ihrer behinderten Tochter im Haus lebt und mit den meisten anderen Mietern im Dauerclinch zu liegen scheint, oder eben Madame Dioz, die ihrerseits bei den Nachbarn eine Unterschriftenaktion gegen die Gaderian gestartet hat. Eine bizarre Völkerschaft, die Trelkovsky stets zu belauern scheint, ja ihn gar zu indoktrinieren trachtet. Mehr und mehr gewinnt Trelkofsky den Eindruck, seine Nachbarn wenden sich gegen ihn, versuchten ihn in die Persönlichkeit Simone Choules zu drängen. Die junge Frau war Ägyptologin, hatte sie etwa Kenntnis von uralten Geheimnissen? Und was bedeuten die rätselhaften Hieroglyphen auf der Etagentoilette? Zudem, verweigerte der Priester auf der merkwürdigen Trauerfeier nicht der Selbstmörderin Simone seinen Segen und verdammte sie zur Ruhelosigkeit? Kehrt der Geist der jungen Frau in ihre Wohnung zurück oder fällt Trelkovsky nach und nach dem Wahnsinn anheim?

Kommentar

Viel mehr sollte der geneigte Zuschauer über den Inhalt des Films im Vorfeld gar nicht unbedingt wissen, denn andernfalls mag er sich vielleicht schon zu früh ein vorgefertigtes Urteil bilden und seine eigene Wahrnehmung ausklammern, und das wäre gerade in diesem Film, der durchaus polarisiert, schade! Zudem, aus Gründen der Diskretion soll hier natürlich auch die eine oder andere Pointe nicht vorweg genommen werden, und in der Hinsicht hat Polanski hier einiges zu bieten!

Was passiert im „Mieter“? Sucht Geisterspuk den armen Trelkovsky heim oder verfällt er schlicht dem Irrsinn? Treibt ihn seine ihm feindlich gesinnte (warum?) Umwelt in einen Freitodversuch oder zerbricht der schüchterne, in sich gekehrte junge Mann an der kalten Realität? Ist Trelkovsky etwa mit Simone Clouche identisch? Oder werden wir gar Zeuge eines Traums, den die sterbende Simone Clouche träumt, und Trelkovsky ist nichts anderes als die Traumgestalt ihrer selbst?
Zwar scheint die Szene, in der Trelkovsky schließlich Simones Suizid nachzuahmen versucht, einiges aufzuklären, denn plötzlich erscheinen die Nachbarn gar nicht mehr als feindselige Verschwörer, sie versuchen Trelkovsky sogar zu helfen (können aber einen zweiten Versuch seinerseits nicht verhindern), doch die finale Deja Vu Szene im Krankenhaus, die wir diesmal aus anderer Perspektive erleben (ich deutete es ja bereits an) zwingt uns zum erneuten Nachdenken!

Und genau hier liegt auch die wahre Stärke, die Spannung des Films, verortet. Trelkovskys Unfähigkeit, zwischen Wahnsinn und Normalität zu unterscheiden ist die des Zuschauers, der genau so wenig ergründen kann, was hier vorgeht! Das übertriebene Ruhebedürfnis der Nachbarn, die strengen Vorschriften der Hausverwaltung, all das zeugt doch schon im Vorfeld von etwas mysteriösem, ja bedrohlichem. Und doch, sind diese Umstände nicht völlig normal? Wohnt nicht auch unter dir eine ältere Frau, die sich ständig über den Krach aus deinen vier Wänden beschwert? Oder ist da nicht dieser Typ, der sich ständig aufregt, Du hättest das Treppenhaus mal wieder nicht geputzt, als du an der Reihe warst? Und stehen nicht auch in deiner Hausordnung allerlei unsinnige Regeln, die sich sowieso von selbst erklären? Stellt also die Normalität selbst eine Bedrohung dar, oder empfinden wir die Umstände in dem cineastischen Mietshaus nur aus Trelkovskys Sicht als beängstigend?

Überhaupt, Trelkovsky, was ist das für einer? Er ist ein unauffälliger Büroangestellter, scheint keine Freunde zu haben und scheint auch nicht fähig zu sein, eine Beziehung zu der jungen Stella, Simones Freundin, aufbauen zu können. Mehr und mehr treibt ihn die Angst um. Seinen Platz in der Welt der Regeln kann er nicht finden, so muss er entweder scheitern oder sich die Identität eines anderen Menschen zulegen. Dummerweise aber ist dieser Mensch auch ein am Leben gescheiterter. Also zerbricht er „abermals“ an seiner Unfähigkeit, sich in der Welt der Regeln und Verordnungen zurecht zu finden.

Regisseur Polanski spielt die Figur des Trelkovsky selber, und zwar so intensiv und glänzend, dass man sich beinahe wirklich Sorgen um seine geistige Gesundheit macht. In einem Interview zu dem Film erklärte er später, der fortschreitende Verfall der Figur sei seiner Auffassung nach nicht progressiv, sondern vielmehr plötzlich und sogar unerwartet. Daraus beziehe der Film, der ein Genremix aus Thriller, Horrorfilm und sarkastischer Burleske sei, ja seine Faszination! Das Lexikon des internationalen Films meinte dazu allerdings, dass die durchaus überwiegenden positiven Elemente des Films nicht darüber hinweg täuschen könnten, „dass der Horror oft zum manieristischen Selbstzweck wird!“ Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo in der Mitte!

Für Polanski war „Der Mieter“, der vielen Fans als sein unerbittlichster Film gilt, der Abschluss einer Trilogie, die er 1965 mit „Ekel“ begann und 1968 mit „Rosemaries Baby“ fortführte. Misst man den „Mieter“ nun an diesen beiden Meisterwerken, so fällt er in der Tat leicht ab, was allerdings keinesfalls bedeutet, wir hätten es hier mit einem mediokren oder gar schlechten Film zu tun, mitnichten! Nur kann er leider nicht ganz die Qualität und Originalität der Vorgänger heranreichen. Allerdings bekam der Film gerade in dem Land, in dem er spielt, Frankreich nämlich, nicht nur gute Kritiken, was Polanski enttäuscht dazu veranlasste, Paris zu verlassen und nach München zu gehen, wo er an der Bayrischen Staatsoper den „Rigoletto“ inszenierte.
Inzwischen allerdings sind sich Kritik und Publikum weitgehend einig, was die Qualität des Films anbelangt, der weithin als einer der besten Polanskis angesehen wird.

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Die DVD ist bei Paramount erschienen und auch als Teil der 3 DVD Roman Polanski Collection zu bekommen (zusammen mit "Chinatown" und "Rosemaries Baby", es wäre sicherlich sinniger gewesen statt "Chinatown" "Ekel" mit in den Schuber zu packen, aber ist nunmal so.
Die VHS gab es seinerzeit bei der CIC, dürfte aber inzwischen nicht mehr erhältlich sein!

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Weitere Kommentare zum Film

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Aeon, 14.03.11
Klasse Film! Errinert an "Rosemaries Baby", wie sich die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit immer wieder verschiebt, wie man immer weiter in den Sog des Surrealen und Irrationalen als Zuschauer geriet. Roman Polanski selbst spielt den zurückhaltenden und höflichen jungen Intellektuellen sehr überzeugend. Nach und nach wird das banale, alltägliche Umfeld zur Bedrohung für den "Mieter". Faszinierend dabei ist das die grösste Bedrohung keine physische sondern eine psychische ist: Der "Mieter" wird zum paranoiden und shizophrenen, nicht sein Leben ist direkt in Gefahr sondern vorerst sein Verstand. Kommt die dämonische Bedrohung tatsächlich von Aussen oder bildet sich der Hauptdarsteller alles nur ein? Begleiten wir einen Menschen auf seinem Weg in den Wahnsinn oder gibt es eine mysteriöse Verschwörung, oder beides? Das Ende sprengt dann endgültig alles rationale und ähnlich wie bei 12 mokeys ist man wieder beim Anfang. Haha! Ein wirklich teuflischer Kreislauf. 5 erstaunte Schädel wie man aus so viel Alltag, so viel Thrill herausholen kann, wahrscheinlich mit einem vergleichsweise lächerlichen Budget.
 
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