12 Monkeys

Originaltitel: Twelve Monkeys
Alternativtitel: L' armée des 12 singes
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1995
Regie: Terry Gilliam
 

Darsteller

Figur

Bruce Willis  James Cole
Madeline Stowe  Dr. Kathryn Railly
Brad Pitt  Jeffrey Goines
Christopher Plummer  Dr. Leland Goines
Joseph Melito  James Cole als Junge
Joey Perillo  Detective Franki
Rick Warner  Dr. Casey
Frank Gorshin  Dr. Fletcher
David Morse  Dr. Peters
Thomas Roy  Untergangsprophet
  
Genre: Science-Fiction, Fantasy, Action
Film suchen bei: Amazon.de, eBay, OFDb, IMDb
 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Concorde Home Entertainment

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 2035. Nach der großen Pandemie der Jahre 1996/97, die über 5 Milliarden Menschen das Leben kostete, haben sich die wenigen Überlebenden der Katastrophe – nur rund ein Prozent der gesamten Weltbevölkerung der 1990’er Jahre – unter die Erdoberfläche zurückgezogen um ihrer kontaminierten Umwelt zu entfliehen. Dort fristen sie in hermetisch abgeriegelten unterirdischen Siedlungen ein trostloses Dasein unter der überbürokratisch anmutenden, alles kontrollierenden Diktatur der „Wissenschaftler“, einer Elite, der der Rest der Menschheit nach der Katastrophe zunächst in blindem Vertrauen ausgeliefert zu sein schien und die sich mit den Jahren offenbar verselbstständigt hat. Immer wieder schicken die Wissenschaftler „Freiwillige“ aus den Gefangenenlagern auf Außenmissionen an die Oberfläche, um mehr über den Virus, der einst die Zivilisation auslöschte, und den Zustand der Welt „da oben“ zu erfahren. Eines Tages ist James Cole an der Reihe. Cole, der aufgrund seiner immer wieder auftretenden Gewaltausbrüche im Lager landete, wird die Erlassung großer Teile seiner Strafe in Aussicht gestellt, wenn er seinen Job gut mache. Also wird er in einen Schutzanzug gepfercht und durch die Quarantäneschleuse an die Oberfläche befördert, wo er im postapokalyptischen Pittsburgh, in das die Natur nach rund 40 Jahren Entvölkerung wieder Einzug gehalten hat, Käfer und Spinnen für die Wissenschaftler einsammelt.

Wieder zurück in der „Unterwelt“ zeigen sich die Wissenschaftler recht zufrieden mit Cole und seiner Mission. Cole ist ein Mann von starker physischer Präsenz. Doch immer wieder wird er von einer quälenden Kindheitserinnerung heimgesucht. Damals, als kleiner Junge, sah er am Flughafen eine Frau und einen Mann, der von den Sicherheitskräften erschossen worden ist nachdem dieser eine Pistole zückte. Danach starb der Mann in den Armen der Frau. Jede Nacht träumt Cole diesen Traum, immer wieder peinigen ihn Flashbacks an das verstörende Ereignis. Offenbar sind die Wissenschaftler exakt deshalb der Meinung, Cole sei genau der richtige Mann für eine neue gefährliche Mission: die Zeitreise! Eine rätselhafte Mitteilung auf einer geheimen Voicemailbox aus dem Jahr 1996 teilt mit, die „Armee der 12 Monkeys“ sei für das freigesetzte Virus verantwortlich. Nun soll Cole in das Jahr 1996 reisen, Kontakt mit den „12 Monkeys“ aufnehmen und sich eine Probe des Virus beschaffen, damit die Wissenschaftler 2035 ein Gegenmittel entwickeln können und die Menschen endlich wieder die Erdoberfläche besiedeln können. Als Lohn für den gefährlichen Trip winkt Cole die Freiheit und die Wiederherstellung seiner Reputation. Da er ohnehin keine Möglichkeit sieht abzulehnen, lässt er sich also durch die Zeit schicken. Doch es geht etwas schrecklich schief und Cole landet ohne es zu ahnen im Jahr 1990 statt in 1996.

Da Cole fast nackt von der Polizei aufgegriffen wird und etwas für sie vollkommen zusammenhangsloses von einem alles vernichtenden Virus und der Armee der 12 Monkeys erzählt, wird er von der Polizei aufgegriffen und in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er mit Drogen ruhig gestellt wird. Hier begegnet er dem wahnsinnigen Jeffrey Goines, der ihm zur Flucht verhelfen will. Goines ist, wie sich später herausstellen wird, der Sohn des einflussreichen Virologen Leland Goines. Verantwortlich für Cole ist in der Klinik die junge Psychologin Kathryn Railly, die das unbestimmte Gefühl hat, Cole von irgendwoher zu kennen. Als Jeffrey Goines einen Aufruhr anzettelt, unternimmt Cole einen Fluchtversuch, der aber vereitelt werden kann. Cole wird fixiert und erneut sediert, dennoch ist er am nächsten Tag verschwunden. Rätselhaft!

Was die Menschen des Jahres 1990 natürlich nicht wissen konnten: die Wissenschaftler haben Cole indes wieder in seine eigene Zeit zurückbefördert! Dort klärt Cole sie auf, sie haben einen Fehler begangen und ihn in das falsche Jahr geschickt. Cole wird eine Reihe von Fotos gezeigt, auf einem derer erkennt er Goines wieder, der nun als einer der Anführer der 12 Monkeys identifiziert wird und somit als Urheber der vernichtenden Seuche gilt. Somit wird Cole wieder durch die Zeiten geschickt, landet aber auch diesmal zunächst irrtümlich in einer falschen Zeitebene. Er findet sich in einem Schützengraben des ersten Weltkriegs wieder, wo er von einem Projektil am Bein verletzt wird, schließlich aber erreicht er doch noch das Jahr 1996.

Cole entführt die Psychologin Railly, die inzwischen eine erfolgreiche Buchautorin ist. Zunächst fürchtet Railly Cole, den sie für nicht zurechnungsfähig und gewalttätig befindet, doch nach und nach rührt er sie an. In ihr reift der Plan, seine schweren Wahnvorstellungen heilen zu wollen. Trotz Raillys Unglauben gelingt es dem ungleichen Paar die Spur der 12 Monkeys aufzunehmen. Spätestens als Cole Railly das Leben und sie vor einer Vergewaltigung rettet, beginnt sie ihn langsam in einem anderen Licht zu sehen. Schließlich trifft Cole erneut auf Goines, der nun wieder ein privilegiertes Leben im Hause seines Vaters führt. Cole fleht Goines an, ihm eine Probe des Virus zu geben, doch dieser weist ihn ab und erklärt ihm, die Idee, die Menschheit mit einem Virus auszurotten, stamme ja von ihm, Cole selber. Er erst habe Goines in der Nervenheilanstalt auf die Idee gebracht, aber er habe im Augenblick keine Zeit dafür und verfolge andere Interessen. Goines Sicherheitsleute werden auf Cole gehetzt, doch dieser kann fliehen. Inzwischen selber der Meinung, er habe psychische Wahnvorstellungen, will er sich von Railly behandeln lassen, doch die Wissenschaftler holen ihn abermals in das Jahr 2035 zurück.

Railly, nun wieder frei und verwirrt darüber, wie Cole abermals spurlos verschwinden konnte, überlegt noch immer, warum er ihr so vertraut erscheint. Inzwischen hat sie das Projektil, welches sie aus seinem Bein entfernte, an ein Labor gegeben und traut ihren Ohren nicht, als sie erfährt, es stamme definitiv aus der Zeiten des ersten Weltkrieges. Schließlich entdeckt Railly in einem Buch über den Krieg ein Bild, in dem unglaublicherweise Cole im Hintergrund zu sehen ist. Nun bestehen für sie keine Zweifel mehr, der Mann ist ein Zeitreisender, und seine Untergangsvisionen sind die reine Wahrheit. Demnächst werden tatsächlich über 5 Milliarden Menschen sterben - wenn Sie und Cole es nicht verhindern können. Doch wo ist Cole?

Der glaubt inzwischen, sein Trip ins 21 Jahrhundert sei nichts anderes als eine weitere Wahnvorstellung seinerseits, auch die Wissenschaftler seien nicht echt. Doch die sind beeindruckt von den Erkenntnissen, dass Dr. Goines, in dessen Labor das Virus scheinbar das Licht der Welt entdeckte, offenkundig der Urheber der Pandemie ist. Zwar wundern sie sich ein wenig über Coles Geisteszustand, führen dies aber auf den Zeitreiseschock zurück. Cole aber bittet darum, ein drittes Mal durch die Zeit reisen zu dürfen, um nun endgültig eine Probe des Virus zu beschaffen. So wird er abermals in das Jahr 1996 geschickt, doch diesmal hat Cole den Plan, sich den Wissenschaftlern zu entziehen, seinen vermeintlichen Wahnsinn von Kathryn Railly, die er inzwischen liebt, heilen zu lassen und schließlich ein ganz normales Leben in der Vergangenheit, bzw. aus seiner derzeitigen Sicht der Normalität, führen zu können. Seine Hoffnungen werden jedoch von Railly zerstört, die nun weiß, dass alles wahr ist. Cole bittet Railly als letzten Beweis die Nummer der Voicemailbox anzurufen, die zu einer vermeintlichen Teppichreinigung führt. Voller Freude darüber, dass sich scheinbar doch alles als Irrsinn entpuppt hat, hinterlässt Railly auf der Mailbox die Nachricht, die Armee der 12 Monkeys sei für den Untergang der Menschheit verantwortlich. Es ist die gleiche Nachricht, die James Cole 39 Jahre später in der Zukunft hören sollte, der letzte Beweis für den nahenden Weltuntergang!

Nun beschließen Cole und Railly sich in ihr Schicksal zu ergeben. Noch einmal möchten sie ans Meer reisen, das Cole noch nie gesehen hat. Am nächsten Tag laufen überall in Pittsburgh wilde Tiere umher, Giraffen, Antilopen, Elefanten! Von einer Taxifahrerin erfahren sie auf dem Weg zum Flughafen, das eine bislang unbekannte Gruppierung namens Armee der 12 Monkeys sämtliche Zootiere freigelassen hat und der populäre Wissenschaftler Dr. Leland Goines, Jeffreys Vater, gefesselt in einem der Käfige aufgefunden wurde. Nun ist klar dass die 12 Monkeys gar nicht für den Untergang der Menschheit verantwortlich, sondern lediglich Tierbefreier sind!

Am Flughafen angekommen erkennt Cole die Szene aus seiner Kindheitserinnerung zurück. Er ruft ein letztes Mal die Nummer der Mailbox an um mitzuteilen, die 12 Monkeys seien nicht die Boten der Apokalypse gewesen, und er, Cole, werde nicht zurückkehren in die Welt der unterirdischen Tunnel des 21. Jahrhunderts. Kurz nach seinem Anruf begegnet Cole einem Zellengenossen aus der Zukunft, der ihm eine Waffe übergibt. Er beschwört Cole, den Auftrag zu vollenden und den wahren Schuldigen zu eliminieren, der niemand anderer ist als Dr. Peters, der Assistent Dr. Goines, der gerade dabei ist, seine Weltreise anzutreten um das Virus in mehreren großen Städten auf dem gesamten Erdenrund zu vereilen. Als Cole mit der Waffe in der Hand eine Sicherheitsschleuse durchbricht um Peters zu eliminieren, bricht er selber von den Kugeln der Sicherheitsbeamten durchsiebt zusammen. Er stirbt in den Armen Kathryn Raillys, die plötzlich in der Menge einen kleinen Jungen ausmacht, der die Szenerie erschreckt beobachtet. Es ist niemand anderer als der kleine James Cole, der ohne es zu ahnen seinen eigenen Tod gesehen hat.

Dr. Peters indes, der den tödlichen Virus am Flughafen bereits freigesetzt hat, besteigt unbehelligt seine Maschine um seine fatale Weltreise anzutreten. Da erscheint eine weitere Zeitreisende, eine der Wissenschaftlerinnen aus der Zukunft, die den Platz neben Dr. Peters in der Maschine einnimmt. Das Ende bleibt offen. Wird sie Peters stoppen oder dafür Sorge tragen, dass er seine Mission erfüllt, die die Herrschaft der Wissenschaftler in der finsteren Zukunft erst möglich machte? War dies alles vorbestimmt?

Kommentar

Zeitreisen! Ein Paradoxon, welches selbst den gewieftesten Fachbrainiacs immer wieder krause Grübelfalten auf die Denkerstirn zwirbelt. Kann ein und die gleiche Person tatsächlich zweimal in der gleichen Zeitdimension existieren? Ist das möglich? Kann der kleine James Cole tatsächlich den eigenen Tod seines anderen Ichs, nämlich dem des erwachsenen James Cole, am Airport von Pittsburgh miterlebt haben? Würde ein solcher Vorfall nicht möglicherweise einen Riss oder zumindest eine fatale Verschiebung im prinzipiell kontinuierlich ablaufenden Raumzeitgefüge zur Folge haben? Und sollte dies so sein, wäre dann die Auslöschung der Menschheit, oder zumindest großer Teile derer, eine Konsequenz aus diesem widernatürlichen Ereignis?
Ist Terry Gillams Film nun schlussendlich als logisch zu betrachten, oder hatten die Macher des Films nur einen grimmigen Schalk im Nacken? Natürlich spielt das überhaupt gar keine besonders große Rolle, denn „12 Monkeys“ ist ein Film, der mit seiner ihm eigenen Logik hervorragend umzugehen weiß, und der seinen Betrachter zusehends in eine Art fiebrigen Bann zieht, so fern man zumindest bereit ist, seiner seltsamen Physik zu folgen.

Den Einfluss, den der nur 28 Minuten lange französische SciFi-Apokalypto-Alptraum „La Jetée – Am Rande des Rollfelds“ von Chris Marker auf „12 Monkeys“ hatte, ist unbestritten und wurde bereits im Review selbigen ungewöhnlichen Streifens, der ja eigentlich mehr ein Fotoroman denn ein Film im herkömmlichen Sinn ist, herausgestellt. Doch ist dieser Umstand nicht Terry Gilliam geschuldet, der „12 Monkeys“, so unglaublich es auch erscheinen mag, als Auftragsarbeit für die Universal anfertigte. Gilliam selber will das „Rollfeld“ ja eigenen Angaben zufolge erstmals bei der Premiere von „12 Monkeys“ gesehen haben, auf welcher „La Jetée“ als Vorfilm gezeigt worden ist. Das Drehbuch zum vorliegenden Film stammt vom gemeinsam arbeitenden Kreativ-Geschwisterpaar Janet und David Webb Peoples, die beide große Fans von Markers Arbeit sind. Ihr Script landete schließlich bei der Universal, dem Studio, mit dem Gilliam einen langen Kampf um sein Meisterwerk „Brazil“ hatte ausfechten müssen, doch im Gegensatz zum damaligen Firmenoberen Sid Sheinberg war der aktuelle Mann auf dem wichtigen Stuhl, namentlich Casey Silver, ein Anhänger von Gilliams Filmen. Er fragte diesen, ob er den Film drehen wollte und stellte ihm ein Budget von 30 Millionen $ in Aussicht. Gilliam, der sofort die Wucht des Drehbuchs erkannte, sagte begeistert zu. Anders als bei „Brazil“ bekam Gilliam auch weitgehende kreative Freiheit zugestanden, so dass es ihm möglich war, seine eigenen Visionen weitestgehend auf die Leinwand zu zaubern und somit einmal mehr seine ihm eigene Form einer beklemmenden Zukunftsdystopie zu erschaffen, was den Film tatsächlich stärker in die Nähe von „Brazil“ als eben vom Original „La Jetée“ hievte und ihn somit zu einem „typischen“ Terry Gilliam Film machte. Gilliam versammelte eine Schar kreativer Weggefährten um sich und erschuf eine Zukunft, die gleichermaßen surreal wie hoffnungslos erscheint. Die Menschheit hat sich unter die Erde zurückgezogen und lebt in unwerten Verhältnissen in subirdischen Bunkeranlagen. Wer gegen die Herrschaft der Wissenschaftselite rebelliert, landet in Strafkolonien, die eher an Tierversuchslabore denn an zeitgemäße Strafvollzugsanstalten gemahnt. Das Herrschaftskontinuum der Wissenschaftler erinnert wiederum stark an das bizarre allmächtige Informationsministerium „Brazils“, in dessen kafkaesken Folterkammern der arme Sam Lowry endet, der nichts weiter verbricht außer aufrecht zu sein! James Cole ist wiederum eine Art Anti Sam Lowry, ein von vorn herein gebrochener Mann, der aber im Gegensatz zu dem Bürokraten aus „Brazil“ ein aggressiver und zu Gewaltausbrüchen neigender gefährlicher Charakter ist. Oft erkennt Cole nicht, was nun Wahrheit ist und was dem Irrsinn geschuldet ist. Lowry hingegen ergibt sich erst am Schluss nach der Folterung vollends dem Wahnsinn und ist zuvor ein analytischer Charakter, der aber der eigenen Chuzpe nicht so recht trauen mag.

Das Setdesign der Gilliamschen Zukunftswelt erinnert bestechend an das von „Brazil“. Doch während es in dem einen Film der Zukunftsperspektive eines George Orwell und seines zeitlosen Klassikers „1984“ entspricht, den dieser ja bekanntlich in den ausgehenden 1940’er Jahren entwarf mit der damaligen Sicht auf die Dinge, die da vielleicht mal irgendwann kommen, entstanden ist, so ergibt sich im vorliegenden Film eine ganz eigene Logik. Die Menschen haben so ziemlich alles, was noch funktioniert, mit in ihre modernen Katakomben nehmen müssen, egal ob es sich hierbei um uralte Belüftungsanlagen und Dieselgeneratoren handelt, die Luft zum Atmen und Energieversorgung gewährleisten, oder eben um modernere Errungenschaften der 1990’er Jahre. Somit ist die künftige Unterwelt, das letzte Refugium der Menschheit, keine strahlende Hightechwelt im „Star Trek“ Design, sondern eine eher rostige, heruntergekommene Antiutopie, eine postapokalyptische Welt, regiert von einer Gruppe von „Wissenschaftlern“, wie sie auch schon in „La Jetée“ genannt wurden, die einen unmenschlichen bürokratischen Apparat erschufen, in welchem der Einzelne nicht mehr zählt. Wie nah wir einer solchen Zukunft tatsächlich sein mögen, dass mag nun jeder einzelne für sich persönlich ergründen, doch ist man geneigt, dem Wirken des Herrn Gilliam Glauben zu schenken, sind wir dermaßen weit davon nicht mehr entfernt. Diesen Eindruck bekräftigt er nämlich durchaus mit seiner Darstellung der Gegenwart, die beinahe gleichermaßen trostlos wirkt. Fast nie sehen wir Tageslicht im Film, zudem spielt er überhaupt fast ausschließlich in geschlossenen Räumen. In Gilliams Darstellung wirkt die Stadt Pittsburgh, immerhin einer der geschichtsträchtigsten Orte der USA, wie ein Hort endzeitlichen Schreckens, ein gefährliches, heruntergekommenes Ghetto, bevölkert von Untergangspropheten, den Verlierern der menschlichen Gesellschaft und gemeinen Gestalten. Die Nervenheilanstalt, in der Cole landet und Goines trifft, wirkt auch nicht gerade wie ein freundlicher Ort, der dazu geschaffen wurde, Menschen mit Problemen zu heilen, sondern eher wie ein schmieriger Knast, in den „Verlierer“ abgeschoben werden, die in dieser Gesellschaft keinen Platz mehr haben. Fast könnte man Sympathien für Dr. Peters empfinden, der beschlossen hat, „dieser“ Menschheit den Garaus zu machen. Ist ja alles nur Film, oder?

Kreative Abstriche machen musste Gilliam dann schließlich dennoch, und zwar seine Hauptdarsteller betreffend. Auch wenn Gilliam offen ließ, wen er sich für die Besetzung der Rollen vorstellen mochte, waren Bruce Willis und Brad Pitt keinesfalls seine Idealvorstellungen der beiden Figuren James Cole und Jeffrey Goines. Diese aber setzte Mogul Silver durch, wohl aus Sicherheitsgründen, denn der Name Terry Gilliam galt und gilt ja gerade in den US von A nicht unbedingt als Kassenmagnet. Doch was soll man sagen, aus Sicht des Rezensenten tat Silver sehr wohl damit! Bruce Willis ist, gesetzt den Fall, er arbeitet mit dem richtigen Regisseur zusammen, ein sehr origineller Schauspieler. Gewährt man ihm die nötigen Freiheiten, seine Rollen so zu entwickeln, wie er es für richtig hält, so dankt er es seinem jeweiligen Spielleiter mit beachtlichen, im Prinzip Method Actor mäßigen Leistungen. Gerade zuvor war ja erst den Kritikern aufgefallen, dass Willis in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ auch anspruchsvolle Parts zu meistern in der Lage war, so konnte er in „12 Monkeys“ abermals seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und sicherlich eines der großen, wahren schauspielerischen Highlights seiner Karriere setzen. Mit viel Mut zur Hässlichkeit tat er sich dabei als überzeugender „Irrer“ hervor, als fehlgeleiteter Mann mit einer Mission, der dennoch nicht scheitern darf, trägt er doch das Schicksal der ganzen Menschheit auf seinen Schultern, auch und gerade weil er daran immer wieder mal zweifelt.
Gleichermaßen beeindruckend geriet die Leistung des damals noch recht jungen Brad Pitt, der hier erstmals nicht mit seiner Posterboy Optik, sondern vielmehr mit der Darstellung eines durchgeknallten Fanatikers auf sich aufmerksam machte und damit komplett entgegen seinem Image anspielte, was er fortan immer häufiger tat. Immerhin lässt dies durchaus eine Liebe zu seinem Beruf erkennen, und für diese Leistung wurde er auch mit dem Golden Globe für den besten Nebendarsteller und immerhin einer Nominierung für einen Oscar wie einer Nominierung für einen Goldenen Bären auf der Berlinale des Jahres 1996 geehrt!
Madeline Stowe, die dritte im Bunde, ist eine tolle Darstellerin und eine schöne Frau. Keine Ahnung, warum sie nicht längst in die erste Riege Hollywoods aufgestiegen ist! Auch sie machte ihren Job hier mehr als nur zufrieden stellend und hatte ihre Möglichkeiten, mal so richtig völlig auszuflippen. Leider wurde sie genau so wenig wie Willis mit irgendwelchen Preisen bedacht. Schade für beide, sie machten einen tollen Job!

Okay, nun ist es mal wieder an der Zeit, einen Strich zu ziehen und zu schauen, was darunter bleibt:
Terry Gilliam! Ohne jede Unschweife ist er einer der großen filmischen Visionäre überhaupt, ein beinahe genialer, wenngleich auch kauziger Querkopf, welcher in aller Regel lediglich seiner eigenen Kreativität und/oder aber dem eigenen Instinkt des Künstlers folgt. Fast immer hat er damit Recht! Wieder einmal mehr hat er mit „12 Monkeys“ seine überaus große Klasse bewiesen und uns einen schwer verdaulichen Film abgeliefert, bei dem wir zwangsläufig unser Gehirn einschalten müssen, sonst wird sich uns der Film nicht erschließen, dafür aber werden wir ihn lange nicht mehr vergessen!. Und auch wenn es sich „nur“ um eine Auftragsarbeit handelte, so war es Gilliam doch durchaus möglich, auch hier wieder seine unverkennbare Handschrift einzubringen und uns somit einen echten „Gilliam“ zu liefern. Er machte die Geschichte der Peoples Geschwister zu seiner eigenen. Was mehr kann man wollen?
„12 Monkeys“ ist ein moderner Klassiker des Science Fiction/Fantasy Films, gespickt mit grimmigem Humor und deutlicher Zivilisationskritik an der Gegenwart, die zu ergründen in vorliegendem Fall nicht allzu schwer nachvollziehbar sein sollte. Einer der besten und wichtigsten Filme, die der große Terry Gilliam je gemacht hat. Klasse! Übrigens, filmhistorisch darf „12 Monkeys“ noch ein weiteres Attribut für sich in Anspruch nehmen: es handelt sich hierbei nämlich um den allerersten Film, der Anno Domini 1997 jemals in Europa auf DVD erschien. Tusch!
Allerdings, das ausgerechnet im Jahr der Apokalypse! Na so was…

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist in allerlei Auflagen in Deutschland bei der Concorde Home Entertainment zu haben, auch als VHS, als Blu-ray Disc wie als HD DVD, dem Format, welches sich ja im Prinzip schon wieder erledigt hat. Selbst Laserdisc Fans dürfen jauchzen, auch für sie hatte die Concorde in Kooperation mit der VCL ein Herz und den Streifen in ihrem Lieblingsformat auf den Markt gebracht, allerdings dürften die Scheiben in der Form schon recht lange nicht mehr fabriziert worden zu sein und somit relativ rar ausfallen, was beim Erwerb wohl mal wieder mit recht horrenden Kosten verbunden sein dürfte.

Filmbewertung

Unser Gesamteindruck:
Durchschnittliche Besucherwertung:   (29 Stimmen)
Eigene Bewertung zum Film abgeben:  
Amazon-Angebote:
Brazil [CineProject]
Preis: 7,51 EUR neu
Stand: 09.02.2010 13:45:06
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Sieben (Einzel-DVD)
Preis: 3,94 EUR neu (gebraucht ab 3,24 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:01:42
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Brazil
Preis: 22,95 EUR neu
Stand: 09.02.2010 14:17:10
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Das fünfte Element [Blu-ray]
Preis: 14,23 EUR neu (gebraucht ab 20,99 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:10:28
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Die Abenteuer des Baron Münchhausen (20th Anniversary Edition, 2 DVDs)
Preis: 9,52 EUR neu
Stand: 09.02.2010 13:34:26
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Der Schakal [HD DVD]
Preis: 9,95 EUR neu (gebraucht ab 8,55 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:48:23
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Constantine (2 DVDs)
Preis: 5,74 EUR neu (gebraucht ab 1,65 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:12:52
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Firewall [Blu-ray]
Preis: 8,50 EUR neu (gebraucht ab 8,49 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:09:59
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Casino [HD DVD]
Preis: 7,97 EUR neu (gebraucht ab 5,28 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:13:29
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Serpico [HD DVD]
Preis: 9,80 EUR neu (gebraucht ab 8,42 EUR)
Stand: 09.02.2010 13:34:09
Dein Wunschpreis: EUR Nur neue Artikel berücksichtigen
Die Produktpreise und die Produktverfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Zeitpunkt korrekt und können sich ändern. Die Preis- und Verfügbarkeitsangaben, die auf amazon.de zum Zeitpunkt des Kaufs angezeigt werden, gelten für den Verkauf dieses Produktes. Gewisse Inhalte, die auf dieser Webweite erscheinen, stammen von Amazon EU Sarl. Diese Inhalte werden so, wie sie sind zur Verfügung gestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.

Unsere Filmbörse

In unserer Filmbörse kannst du Filme und filmbezogene Artikel kostenlos zum Verkauf anbieten. Es fallen keine Einstellgebühren und keine Verkaufsprovisionen an.

Hinweis: Du hast noch keinen Altersnachweis durchgeführt. Daher wurden die 0 Artikel, die für diesen Film erst ab 18 freigegeben sind, nicht angezeigt. Um auch diese Artikel zu sehen, führe den Altersnachweis durch. Zum Altersnachweis
Derzeit sind keine Angebote zu diesem Film vorhanden.

Empfehlungen

Wenn dir dieser Film gefallen hat, empfehlen wir auch:

Am Rande des Rollfelds (FrankreichFrankreich, 1962)
OT: La Jetée, Regie: Chris Marker
Mit: Jean Négroni, Davos Hanich, Hélène Chateleain, Jaques Ledoux, ...

Brazil (GroßbritannienGroßbritannien, 1985)
OT: Brazil, Regie: Terry Gilliam
Mit: Jonathan Pryce, Kim Greist, Kathrine Helmond, Robert de Niro, ...

Der Blade Runner (USAUSA, 1982)
OT: Blade Runner, Regie: Ridley Scott
Mit: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, ...

28 Weeks Later (GroßbritannienGroßbritannien, 2007)
OT: 28 Weeks Later, Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Mit: Catherine McCormack, Robert Carlyle, Amanda Walker, Shahid Ahmed, ...


Eigene Filmempfehlung hinzufügen.

Weitere Filmtipps aus dem Bereich Science-Fiction

Weitere Kommentare zum Film

Hier siehst du weitere Kommentare zum Film. Diese Kommentare stellen nicht die Meinung der Betreiber dieser Seite dar.
 
Staudenmaier007, 11.12.09
Clever. Clever. Clever. Willis - Stowe und Pitt zudem als grandiose Besetzung. Der Film schafft es einen innerhalb wenige Minuten tief in seinen Bann zu ziehen und bis zum ende hin spannend zu bleiben. 5/5 dafür
 
Eigenen Kommentar zum Film schreiben.

Mitglied beim Toplinks Banner-XChange