Zinda - Ein gestohlenes Leben

Originaltitel: Zinda
Herstellungsland: IndienIndien
Erscheinungsjahr:  2006
Regie: Sanjay Gupta
 

Darsteller

Figur

Sanjay Dutt  Balajeet Roy
John Abraham  Rohit Chopra
Lara Dutta  Jenny Singh
Celina Jaitley  Nisha Roy
Mahesh Manjrekar  Joy Fernandes
Rajendranath Zutshi  Woo Fong
Alisha Baig  
Rushita Singh  
Vicky Arora  
Gaurav Chanana  
  
Genre: Thriller
Sequels: Oldboy (2003)
Zinda - Ein gestohlenes Leben (2006)
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 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei EuroVideo

Inhalt

Der aus Indien stammende Geschäftsmann Balajeet Roy lebt mit seiner Frau Nisha in Thailand. Eines Tages, als Nisha ihm gerade mitteilen will dass sie schwanger ist, verschwindet Balajeet spurlos von dem kleinen Pier hinter ihrem Haus. Er wurde von Unbekannten entführt und einen fensterlosen Raum eingesperrt, wo er die nächsten 14 Jahre ohne menschlichen Kontakt verbringt. Der Fernseher ist seine einzige Verbindung zur Außenwelt, so erfährt er aus den Nachrichten, dass seine Frau umgebracht worden ist und er als Mörder gesucht wird. Von Hass und Verzweiflung getrieben beginnt er die Wände seines Kerkers mit den Fäusten zu bearbeiten und bringt sich selbst, anhand von Martial Arts-Filmen, Kampftechniken bei. Völlig unerwartet wird er in einem Koffer in der Freiheit ausgesetzt. Sein Entführer nimmt per Mobiltelefon Kontakt zu ihm auf, gibt aber keine klare Antwort als Balajeet nach dem Grund für das Geschehen fragt. Bei seiner Suche gerät er an die Taxifahrerin Jenny Singh, die ihm zunächst behilflich ist (gegen entsprechende Bezahlung natürlich), sich aber zurückziehen will als er auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt um an Informationen zu gelangen. Nach und nach kommt Balajeet dem Auftraggeber seiner Entführung, Rohit Chopra, auf die Spur. Rohits Motivation liegt in einem Ereignis, dass schon Jahrzehnte zurückliegt und den grausigen Höhepunkt seiner Rache hat er sich für den Schluß aufgehoben.

Kommentar

Wer den koreanischen Film "Oldboy" aus dem Jahr 2003 kennt, dem ist nach dieser Inhaltsbeschreibung klar: Alles schon mal dagewesen (zumindest so ähnlich)! Bollywood ist bekannt dafür erfolgreiche Streifen aus dem Ausland abzukupfern, da diese, abgesehen von einigen Großstädten, in Indien garnicht erst in die Kinos kommen, eine Erwähnung des Originals im Vor- oder Abspann sucht man meistens vergebens. Zinda war allerdings einer der ersten Filme wo die Macher des Vorbildes den Vorwurf des Plagiats öffentlich geäußert haben und wohl auch über rechtliche Schritte gesprochen wurde. Da Zinda aber nun schon 2 Jahre lang international vermarktet wird ist das wohl im Sande verlaufen.

Wie soll man nun ein Remake bewerten, unter Berücksichtigung des Originals oder eigenständig? Und wenn man das Original nun garnicht kennt, oder erst nach dem Remake gesehen hat?

Betrachten wir Zinda (was übersetzt "lebendig" heißt) zunächst für sich allein. Die Handlung wird verständlich erzählt; der Zuschauer rätselt mit der Hauptperson um die Wette; die Darsteller sind OK: Sanjay Dutt (Dus - Jede Sekunde zählt) spielt ganz gut, hat aber bei mit der ein oder anderen Kampfszene 'zu kämpfen', John Abraham (Dhoom - Die Jagd beginnt) bringt den Fiesling ohne dabei den Psychopathen zu sehr rauszulassen und wurde bei den Filmfare-Awards für diese Rolle als bester Bösewicht nominiert, Lara Dutta (Kaal - Das Geheimnis des Dschungels) hat endlich mal mehr zu tun als nur gut auszusehen.
Zinda zählt nicht zu den in Indien so beliebten "Masala-Movies" (Masala ist die Bezeichnung für eine Gewürzmischung), die zwischen den Genres hin und her hüpfen und die gesamte Palette der Emotionen durchspielen, sondern ein relativ gradliniger Thriller der auch mit Gewaltdarstellungen nicht zimperlich ist. Gesangs- und Tanzeinlagen kommen in diesem Film nicht vor, 2 oder 3 Songs gibt es zwar zu hören, sie werden aber nur als Hintergrundmusik eingesetzt.

Nun zum Vergleich Original vs. Abklatsch:
Zahlreiche Einstellungen aus Oldboy werden 1:1 übernommen, nicht sehr innovativ, Punkt für das Original.
90% von Zinda sind durch einen Blaufilter aufgenommen, es ist nicht erkennbar was damit bezweckt werden sollte und tut den Augen weh, Punkt Original.
Die Erzählweise von Zinda ist schnörkellos wo Oldboy mit albernen Visionen einer riesigen Ameise in der U-Bahn und Reminiszensen an die Comic-Vorlage den Handlungsfluß unterbricht, Punkt Remake.
Die Hauptperson von Oldboy ist und bleibt ein Unsympath der einen lebenden Tintenfisch verspeist (Tiersnuff war schon bei den Italo-Kannibalenfilmen uncool) und bietet keine Indentifikationsmöglichkeit. Sein indischer Gegenpart bleibt Mensch und scheint seinen Rachedurst auch mal hinter den Wunsch die Zusammenhänge zu verstehen zurückzustellen, Punkt Remake.
Der koreanische Bösewicht findet nicht das Gleichgewicht zwischen seinem Milchbubigesicht und dem Psychoverhalten. John Abraham bleibt meistens cool und läßt seine Ausbrüche damit umso erschreckender wirken, sein Abgang ist spektakulärer und man kann sich kaum einen schöneren letzten Satz wünschen als "Wir sehen uns in der Hölle, ich warte da auf Dich!", Punkt Remake.
Lara Dutta sieht verdammt gut aus, nicht umsonst wurde sie im Jahr 2000 mit der höchstmöglichen Punktzahl zur Miss Universum gekürt, leider wird sie in ihren Filmen oft nur als schmückendes Beiwerk eingesetzt. Hier kann sie verschiedene Emotionen zeigen und macht ihre Sache auch gut, allerdings ist der Charakter der Jenny ganz anders angelegt als der von Mi-do in Oldboy und wird zum Finale hin überflüssig. Hye-jeong Kang ist auch ganz hübsch, aber Mi-do redet dermaßen viel Unsinn und verhält sich auf so nervige Art albern, ich verzichte lieber, Punkt Remake.
Sex, in Indien kommen sexuelle Aktivitäten nicht so häufig in den Filmen vor, und wenn eher zurückhaltend dargestellt, so auch hier. Die Koreaner präsentieren uns schon mal einen Busen oder hier und da einen nackten Hintern, und ein Mann der 14 bzw. 15 Jahre keine Frau mehr hatte wird sich kaum mit einem längeren Vorspiel aufhalten, Punkt Original.
Gewalt, unerwarteter Vorteil Zinda! Einige Dinge (die Zähne!) wurden einstellungsgetreu übernommen aber zusätzlich gibt es noch eine Folterszene mit der Bohrmaschine, einen abgehackten Arm, einen Mann der mit einem Samuraischwert durchstoßen wird usw. Oldboy ist noch mit einer 16er Freigabe durch die FSK gekommen, Zinda hat KJ, Punkt Remake.
Haare! Man sollte meinen schlimmer als in Oldboy geht es nicht mehr: Hauptdarsteller Min-sik Choi trägt eine Frisur die aussieht wie ein Wischmop der auf einer Bahnhofstoilette Doppelschicht gemacht hat, aber kann Bollywood hier punkten? Nein, denn Sanjay Dutts Look entspricht einer Mischung aus überfahrener Katze und Flokati nach Wohnungsbrand, da das Ganze auch eindeutig als Perücke zu erkennen ist geht der Punkt nach Korea.
Der Auslöser ist in beiden Filmen ein nicht mehr zu stoppendes Gerücht, aber bei Zinda treibt eine böswillig verbreitete Lüge ein unschuldiges Mädchen und einen kleinen Jungen ins Unglück, während im Original eine wahre Beobachtung weitererzählt wird, die zwei nicht ganz so unschuldige Teenager betrifft. Geschmackssache also unentschieden.
Die Rache, Oldboy ist konsequent, die Rache steht in direktem Zusammenhang mit dem Auslöser, erscheint aber überaus kompliziert eingefädelt. Allerdings wird der Hauptperson ein Weg gewiesen, die ein kleines Happy-End ermöglicht, obwohl wir es hier mit einer äußerst schlüpfrigen Option zu tun haben. Das Remake ist böse, sehr böse, was der Hauptperson hier an Offenbarungen zugemutet wird ist schockierend und läßt ihn bitten und betteln... zunächst, dann schlägt die Stimmung und das Verhalten um, und wo das Original in Selbsterniedrigung und -verstümmelung mündet wird hier nur sinnlose Aggression ausgelöst. Und urplötzlich gibt es ein Happy-End, das nur der Bösewicht selbst eingefädelt haben kann. Ich mag ein glückliches Ende und deshalb hat mir dieses eigentlich besser gefallen, aufgrund der durchgehenden Konsequenz muß der Punkt trotzdem an Oldboy gehen.
Fazit: Unentschieden! Wer Oldboy kennt wird an Zinda einiges auszusetzen haben, umgekehrt ist es wohl genauso. Trotzdem sollte man, wenn schon denn schon, beide Filme gesehen haben, denn wie oft kann man schon denselben Film zweimal sehen und nicht wissen wie er ausgeht?

Filmreview von: Bad Moon / Alle Reviews von Bad Moon

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Veröffentlichungen

Der Film ist bei EuroVideo auf DVD erschienen.

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