Arzt und Dämon
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Inhalt
Überzeugt davon, dass die Seele des Menschen aus einer guten und einer bösen Hälfte besteht, arbeitet Dr. Jekyll besessen an einem Elixier, das den Menschen von jener Dualität erlösen soll. Schließlich startet er einen Selbstversuch, doch heraus kommt kein Engel, sondern Mr. Hyde, die Inkarnation seiner dunklen Seite. Das ist im doppelmoralischen England Königin Victorias aber auch ganz verführerisch. Als der Vater seiner Verlobten Beatrix dem Paar die baldige Hochzeit verweigert, beginnt Jekyll seine unterdrückten Triebe als Hyde auszuleben.
Hyde macht das gutmütige Barmädchen Ivy, dem Jekyll einmal begegnet war, finanziell von sich abhängig, um seine sadistischen Neigungen an ihr ausleben zu können. Als Ivy verzweifelt den als Wohltäter bekannten Dr. Jekyll um Hilfe anfleht, ist es bereits zu spät – Jekyll hat inzwischen die Kontrolle verloren...
Kommentar
„Arzt und Dämon“ ist ein gediegenes MGM-Melodram und eine sanfte Schauermär’, besetzt mit einigen der beliebtesten Schauspieler ihrer Zeit, souverän inszeniert vom damaligen – vermeintlichen – Großregisseur Victor Fleming („Vom Winde verweht“ (1939), „Der Zauberer von Oz“ (1939)). Allerdings haftet dem Film der verhaltene Ruf des Plagiats an, und das nicht ganz zu unrecht, kopiert er doch oft Szene für Szene Rouben Mamoulians knapp eine Dekade früher entstandene Tonfilm-Erstfassung von Robert Louis Stevensons Novelle „Dr. Jekyll & Mr. Hyde". Dennoch wäre es verfehlt, „Arzt und Dämon“ als inhaltlich wie inszenatorisch geglättete Nachahmung des brillanten Vorgängers abzutun. Gewiss, viele Entschärfungen dürften den strengen Zensurvorgaben geschuldet sein, die für das ungleich explizitere Original noch nicht galten, außerdem war das Edel-Studio Metro-Goldwyn-Mayer, nachdem es sich mit Tod Brownings „Freaks“ (1932) die Finger verbrannt hatte, nicht mehr an Schockern interessiert; aber Flemings Film ist nicht nur einfach braver, sondern hier und da auch subtiler, gerade in der Figurenzeichnung. Wo Mamoulian mit mitreißender Verve zum Säbel greift und die Gegensätze aufeinanderprallen lässt, nutzt Fleming eher das Florett. Besonders deutlich wird das an Jekylls Schwiegervater in spe: Den cholerischen Möchtegern-Patriarchen des Originals ersetzt hier ein freundlicher älterer Herr, der seine Tochter aber nichtsdestotrotz mit eiserner Hand unter seiner Fuchtel hält und am liebsten auch nach ihrer Hochzeit noch das Sagen haben möchte – ein sanfter und eben deshalb um so effektiverer Tyrann, den Donald Crisp mit leisen Gesten spielt. Überhaupt widersprach die Besetzung der Erwartungshaltung des Publikums: Hauptdarsteller Spencer Tracy, für einen Horrorfilm sicher eine denkbar ungewöhnliche Wahl, bestand darauf, den Hyde ohne großes Make-up zu spielen, damals eine völlig neue Herangehensweise (erst zum Ende des Films wird die Hyde-Maske sichtbar verstärkt, ein Kniff, der abermals von Mamoulian übernommen wurde). Tracys für jene Zeit sehr zurückgenommene Darstellung wird noch heute oft unterschätzt, gerade gegenüber Fredric March im Vorgänger, der einen extrem pathetischen Jekyll, dafür aber immerhin einen grandios agilen Hyde geboten hatte, was der blutjungen Academy sogar einen Oscar wert war – zum Zeitpunkt von „Arzt und Dämon“ hatte Tracy schon zwei davon im Schrank stehen. Der eigentliche Clou der Besetzung ist allerdings das zweifache Anti-Typecasting bei den weiblichen Hauptrollen: Das damalige Sexsymbol Lana Turner hat die etwas undankbare Rolle der allzu zuckersüßen Jekyll-Verlobten, die damals am Beginn ihrer Hollywood-Karriere stehende Ingrid Bergman beeindruckt dagegen als Barmädchen Ivy, das sich in Jekyll verliebt und von Hyde auf grausame Weise in den Wahnsinn getrieben wird.Sicher: Hinter der Wucht und Originalität von Rouben Mamoulians Tour de force bleibt Victor Flemings Hochglanz-Neuverfilmung zurück (nicht umsonst kaufte MGM damals den Vorgänger auf und mottete ihn für Jahrzehnte ein). Fleming bedient sich ausgiebig bei dem früheren Film, versucht aber in punkto Dynamik gar nicht erst, es mit ihm aufzunehmen. Er lässt sich mehr Zeit – sein Film ist eine halbe Stunde länger –, und in diesem erweiterten Rahmen vermag er mehr als einmal eigene Akzente zu setzen. Betrachtet man den Film als ein für sich stehendes Werk, hat man es mit einem rundum gelungenen Grusel-Melodram zu tun. „Arzt und Dämon“ ist kein ebenbürtiges, aber ein durchaus respektables Remake.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Warner Home Video auf VHS erschienen.
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